Die Baugenossenschaft Familienheim eG gewann jetzt für ihre innovativen Projekte wie das Luisenquartier in Villingen den Landes-Wirtschaftspreis „Schwarzer Löwe“ – eine weitere von bereits etlichen Auszeichnungen.
Freude und Stolz herrschen bei der Baugenossenschaft und ihren rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, konnte man sich im Stuttgarter Römerkastell doch gegen renommierte Unternehmen durchsetzen und den zum dritten Mal von 14 Tageszeitungen – darunter auch der Schwarzwälder Bote – den nicht dotierten Preis erstmals einheimsen.
„Damit hätten wir nie gerechnet“, sagt Geschäftsführer Sebastian Merkle. Er sieht sich mit seinem vergleichsweise kleinen Wohnungsbauunternehmen in eine Reihe gestellt mit Konzernen wie Lidl, AOK oder Ritter Sport.
Doch so ganz unbedarft ist die Familienheim nicht. 2014 gewann man bereits den Zukunftspreis der Immobilienwirtschaft, 2022 den Mittelstandspreis in Baden-Württembergs für soziale Verantwortung, ausgelobt von der Diakonie, der Caritas und dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft. Auch dieser in Form eines Löwen.
Seit 2019 wird die Familienheim im Rahmen dieses Wettbewerbes zudem alljährlich als „sozial engagiertes Unternehmen“ ausgezeichnet und auch das Gütesiegel „MeinFairMieter“ hat man bereits. Jetzt also auch der Wirtschaftspreis.
Über Region hinaus aktiv
Den Ausschlag für das Preisurteil einer fachkundige Jury gab in Stuttgart zwar das Luisenquartier in der Villinger Vöhrenbacher Straße, doch mit neuen Wohnformen glänzt die Familienheim auch außerhalb der Region. In Villingen sind 85 Wohnungen zu Mietpreisen zwischen 6,70 und elf Euro in modularer Bauweise und zum Teil aus recycelten Baustoffen und in Vollholzbauweise entstanden. Geheizt wird über ein Blockheizkraftwerk, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach wird im Rahmen eines Mieterstrommodells genutzt.
Den Bewohnern werden Mobilitätsangebote unterbreitet, und die Stiftung Liebenau, einer der langjährigen Sozialpartner, sorgt für Gemeinschaft und soziale Inklusion, unter anderem mit dem Programm „begleitete Elternschaft“. In Tettnang nahe dem Bodensee entstand ferner ein inklusives Wohnprojekt, bei dem man – ebenfalls in Kooperation mit der Stiftung – ein Quartiersmanagement aufbaute, das seit Ende 2019 generationsübergreifendes Wohnen für Menschen mit und ohne Einschränkungen ermöglicht.
Flächen für Gemeinschaft
Und in Tübingen befinden sich sogenannte Clusterwohnungen im Bau. Zu privaten Räumen kommen gemeinschaftlich genutzte Flächen, sodass sich für alle günstigere Mieten ergeben. Ein Hausverein hat sich dafür bereits gegründet.
Das Konzept ist in Deutschland noch relativ unbekannt, daher „stoßen wir damit auf viel Interesse und werden oft von Architektengruppen oder anderen Wohnungsbaufirmen gebucht, um zu zeigen, wie das funktioniert“. Ähnliche Wohnkonzepte würde die Familienheim „natürlich gerne und am liebsten sofort auch in unserer Heimat umsetzen“, sagt Sebastian Merkle. Man verfüge über entsprechende Erfahrungen, habe das Baukastensystem der ebenfalls preisgekrönten Mikrolofts perfektioniert und könne diese auch „ganz aus Holz“.
Neben den bekannten Problemen mit den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau, fehle es in der Region aber noch an einer interessierten Klientel. Über kurz oder lang müssen sich Mieter aber Gedanken machen, wie sie künftig wohnen wollen, rät Merkle. Die aktuelle Durchschnittsmiete sei auch in VS „nicht zu halten“. Die Lösung sieht er in weniger Quadratmetern Wohnfläche für jeden, ein Umstand, der in größeren Städten schon angekommen sei.
Überbordende Regulatorik
Gefragt sei aber auch die Politik. „Die Ansprüche ans Bauen sind derzeit exorbitant“, klagt Merkle. Sicherlich müssen Umwelt- und Sicherheitsstandards eingehalten werden. Momentan überlagere das Thema Heizen aber alles, und hinzu komme eine überbordende Regulatorik, die er gerne auf ein „Normalmaß“ zurückgefahren sähe. Der Wirtschaftspreisträger appelliert: „Lasst uns einfach unseren Job machen“.