Mit dem Abschluss des dritten Bauabschnitts wächst der Windpark an der Prechtaler Schanze auf neun Anlagen.
Emsiges Wuseln war am Freitagmorgen zu Füßen des neuen Windrads an der Prechtaler Schanze zu beobachten. Zahlreiche Vertreter aus Landes- und Kommunalpolitik waren zur Eröffnung der Windanlage gekommen: Landrat Thorsten Erny, Regierungspräsident Carsten Gabbert, Staatssekretärin Sandra Boser und Offenburgs Oberbürgermeister Marco Steffens – ebenso wie die Bürgermeister Siegfried Eckert (Gutach), Wolfgang Hermann (Hausach) und Helga Wössner (Mühlenbach). Doch sie alle wirkten winzig im Vergleich zu der mehr als 200 Meter hohen Anlage, die sich über ihnen in den Himmel erhob und die sie per Buzzer offiziell in Betrieb nahmen.
Es war der dritte und finale Bauabschnitt, dessen Vollendung an der Prechtaler Schanze oberhalb von Gutach vom E-Werk Mittelbaden und der regionalen Politik groß gefeiert wurde. Mit den neuen Anlagen drehen sich nun insgesamt neun Windräder auf den Gemarkungen von Gutach und Hausach. Der Windenergiepark kann laut E-Werk Mittelbaden ab sofort eine Leistung von bis zu 12,6 Megawatt erzeugen. Das seien „Erträge, vergleichbar mit Küstenstandorten“, sagte Bernhard Palm, Vorstandsvorsitzender des E-Werks. Solch gute Standorte bedeuteten auch, dass insgesamt weniger Windräder gebaut werden müssten, so Palm.
50 Windenergieanlagen gibt es in der Ortenau
Beim Blick von der Prechtaler Schanze wird deutlich, wie viele Windanlagen in der Region bereits errichtet wurden: Ringsum stehen zahlreiche Windräder auf vielen Höhenlagen des Schwarzwalds. Nicht allen gefällt das. Windkraftgegner sprechen von einer Verschandelung der Natur. Doch der Großteil der Bevölkerung stünde hinter den erneuerbaren Energien, darauf verwiesen gleich mehrere Redner und betonten den politischen Rückhalt auch auf kommunaler Ebene: Alle für die Genehmigung erforderlichen Gremienbeschlüsse waren in den Kommunen einstimmig gefasst worden. Es gebe einen gesellschaftlichen Konsens, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien alternativlos sei, so Gabbert.
„Mit dem Strom der Prechtaler Schanze können wir 65 000 Einwohner versorgen“, sagte Stefan Böhler, der beim E-Werk Mittelbaden den Ausbau erneuerbarer Energien verantwortet. Im gesamten Ortenaukreis sind nun 50 Windenergieanlagen in Betrieb. „Damit kann der Strombedarf von 160 000 Haushalten – das sind mehr als 80 Prozent aller Haushalte in der Ortenau – gedeckt werden“, sagte Landrat Erny Vor zwei Jahren seien es erst 55 Prozent gewesen.
Allerdings entfallen rund zwei Drittel des Energiebedarfs im Ortenaukreis auf die Industrie. Und trotz des gut sichtbaren Ausbaus liegt der Anteil der produzierten Windenergie in der Region weiterhin deutlich hinter vielen anderen Regionen Deutschlands. Insgesamt bestehe im Südwesten weiterhin dringender Nachholbedarf, sagte Palm. Zur Standortsicherung sei ein weiterer Ausbau daher unumgänglich. Zudem werde der Strombedarf künftig weiter steigen – weitere Investitionen seien daher notwendig. Die Ortenau ist beim Ausbau der Windenergie im Regierungsbezirk Freiburg deutlich in Front: „Fast ein Drittel der Anlagen und 40 Prozent der Gesamtleistung entfallen auf den Ortenaukreis“, so Landrat Erny.
Strom soll erzeugt werden, wo er verbraucht wird
Nicht zuletzt hat der Ausbau der erneuerbaren Energien inzwischen auch eine politische Dimension angenommen. Der Krieg in der Ukraine und die unsichere Weltlage haben die Politik zu der Einsicht gebracht: Energieerzeugung dort, wo der Verbrauch stattfindet. Die erneuerbaren Energien stehen für Stabilität und Unabhängigkeit. „Windenergie ist Freiheitsenergie“, ließ Palm vernehmen. Regierungspräsident Gabbert richtete einen dringenden Appell an die Bundespolitik: „Der Weg der erneuerbaren Energien muss weitergehen.“ Es sei sehr irritierend, dass wieder verstärkt über fossile Energieträger gesprochen werde – Rohstoffe, über die man selbst gar nicht verfüge. „Dann kommen sie aus Regimen, von denen wir sie eigentlich nicht beziehen wollen.“
Kranunfall
Projektleiter Stefan Böhler erinnerte an die schwerste Stunde des Projekts: In der Nacht zum 28. August 2025 stürzte auf der Baustelle bei Gutach offenbar infolge einer heftigen Windböe ein Raupenkran in den Stahlturm der im Bau befindlichen Windkraftanlage. „Wie ein V“ habe der Kran auf dem zu diesem Zeitpunkt bereits 100 Meter hoch aufgerichteten Turm gelegen, schilderte Böhler die Situation. Er bezeichnete den Vorfall als „eine in dieser Form einmalige Havarie“. Die Arbeiter seien daraufhin ad hoc zu einer schnellen und völlig ungeplanten Rettungsaktion gezwungen gewesen. Besonders bitter: Bis zu diesem Zeitpunkt sei das Projekt außerordentlich erfolgreich verlaufen. „Wir waren zwei Monate vor dem Zeitplan – das gab es noch nie“, so Böhler.