Wie kann es gelingen, dringend benötigte Fachkräfte im Ausland zu gewinnen? Um diese und andere Fragen zum Thema ging es in einer Debatte am Campus Schwarzwald.
Rund 40 Vertreter aus Wirtschaft, Handwerk und Dienstleistung informierten sich am Montag am Campus Schwarzwald in Freudenstadt über das Thema Fachkräftesicherung aus dem Ausland. Das geht aus einer Pressemitteilung der städtischen Wirtschaftsförderung hervor.
Die Stadt Freudenstadt hatte mit dem Landkreis, der Agentur für Arbeit, der Kreishandwerkerschaft und dem Welcome Center der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald zu einem Fachdialog eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Sicherung von Fachkräften aus dem Ausland.
Oberbürgermeister Adrian Sonder betonte die fortschreitende demografische Entwicklung und die Auswirkungen. „Die Rechnung ist auf Basis der Geburtenraten simpel: Wir brauchen Fachkräfte und zwar in ausreichender Zahl auch aus dem Ausland. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wird unser Land in Zukunft nicht funktionsfähig sein.“
Synergien nutzen
Tobias Rapp, Vertreter der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, unterstrich die zentrale Rolle gemeinsamer Lösungsansätze: „Entscheidend ist, Synergien im Kreis konsequent zu nutzen. Wenn Unternehmen vergleichbare Bedarfe haben, sollten sie aktiv auf uns zukommen – wir entwickeln gemeinsam mit unserer Auslandsfachabteilung passgenaue Wege, um diese zu decken.“ Seine wichtigste Botschaft: „Der Schlüssel liegt im Dialog. Treten Sie mit uns in Kontakt.“
Dann rückten erfolgreiche Praxisbeispiele in den Mittelpunkt. Zwei Handwerksbetriebe aus Freudenstadt zeigten, wie nachhaltige Fachkräftesicherung aus dem Ausland gelingen kann.
Wohnraum für Mitarbeiter
Der Malerbetrieb Kübler aus Musbach, seit Jahren aktiv in der internationalen Rekrutierung, stellte klar, dass es längst nicht mehr um „günstige Arbeitskräfte“ gehe. „Dieses Bild ist überholt. Wir müssen uns anstrengen, weil wir die Menschen ganz dringend brauchen“, so Thomas Kübler.
Er biete seinen Mitarbeitern Wohnraum in einem eigenen Teamhaus sowie die Möglichkeit für lange Wochenenden, um mit einem dafür zur Verfügung stehenden Fahrzeug nach Hause zu den Familien zu fahren. Entscheidend sei die Offenheit, über den Tellerrand hinauszublicken: „Andere Länder bilden hervorragend aus – in vielen Bereichen sogar besser als wir. Davon profitieren wir.“
Rekrutierung in Indien und Vietnam
Als regionales Best Practice präsentierte sich das Oberlinhaus Freudenstadt, das seit Jahren Maßstäbe in der Qualifizierung internationaler Fachkräfte setze. Hartwig Hils, Direktor Oberlinhaus in Freudenstadt, und Wolfgang Haug, stellvertretender Campusleiter am Campus für Pflege im Oberlinhaus, rekrutieren laut Mitteilung direkt vor Ort in Indien und Vietnam und arbeiten dort eng mit Partneragenturen zusammen, bevor die Fachkräfte nach Freudenstadt kommen.
Unterschiedliche Kulturen
„Wir bieten ein halbes Jahr sozialpädagogische Begleitung, damit sich die jungen Menschen gut zurechtfinden. Unser Mentorenprogramm sorgt dafür, dass Absolventinnen und Absolventen neue Ankommende an die Hand nehmen“, so Hils. Der Mehrwert sei eindeutig: „Es ist eine enorme Herausforderung – aber genauso ein Gewinn, mit jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuarbeiten.“
Fachkundige Unterstützung bietet laut Mitteilung das Welcome Center Baden-Württemberg. Michaela Thoma erklärte: „Wir begleiten Unternehmen bei Anerkennungsfragen, der Einschätzung internationaler Bewerbungen und unterstützen ganz pragmatisch beim Ausfüllen von Formularen.“