Kinderarzt Jurij Ciokan wird seine Praxis für Kinder- und Jugendmedizin in Hechingen schließen, das bestätigte er unserer Redaktion. So geht es für die Patienten weiter.
Ein normaler Dienstag in der Praxis am Hechinger Obertorplatz zeigt, welche Lücke hier entstehen wird.
Die Türglocke geht regelmäßig, die Warteschlange vor der Rezeption wird nie kürzer. Mütter mit fiebrigen Kindern auf dem Arm. Impftermine, Vorsorgeuntersuchungen. Ein Kind hat Darmparasiten, ein anderes ein dickes Pflaster am Arm. Wer wird diese kleinen Patienten künftig behandeln?
Ciokan hat aus Pflichtgefühl lange weitergemacht
Jurij Ciokan ist sich bewusst, dass er eine Lücke im Behandlungsangebot hinterlassen wird. Seit dem Jahr 1989 praktiziert er als Kinderarzt in Hechingen. Nun ist er 72 Jahre alt. „Ich habe so lange weitergemacht, wie es ging, weil kein Nachfolger für mich zu finden ist“, sagt er.
Die Kassenärztliche Vereinigung werde seine Stelle nun noch einmal ausschreiben. Er glaubt nicht, dass das Erfolg hat. Die Belastung durch die Übernahme einer eigenen Praxis sei hoch. Am Montag dieser Woche sei er erst abends um 20.30 Uhr nach Hause gekommen, „und da waren die Verwaltungssachen noch gar nicht erledigt“.
Etwa 1500 Patienten werden wohl keine andere Praxis mehr finden
Was ihm leid tut. Einige seiner Patienten würden anderswo unterkommen, aber für etwa 1500 Kinder sehe er dabei keine Chance. Die Kollegen und Kolleginnen in der Region seien auch alle am Anschlag.
Und seine Prognose für die Zukunft ist eher düster. „Wir steuern auf einen unvorstellbaren Versorgungsnotstand zu“, betont Ciokan. Die Politik habe über lange Zeit die Weichen falsch gestellt, schnelles Umsteuern sei nun nicht mehr möglich.