Die Schüler des Gymnasiums am Deutenberg dürfen momentan ein einwöchiges Praktikum in einem Unternehmen ihrer Wahl absolvieren. Einen Einblick in diese Woche gibt Tristan Stoll bei seinem Praktikum in der Firma MinebeaMitsumi in Villingen-Schwenningen.
Das Surren der Maschinen in der großen Halle der Firma „MinebeaMitsumi Technology Center Europe GmbH“ ist allgegenwärtig, während Tristan Stoll sich einen Weg durch die verschiedenen Maschinen bahnt. „Ich verlaufe mich hier ständig“, sagt er, während er seiner Ansprechpartnerin durch das Gebäude folgt.
Tristan besucht das Gymnasium am Deutenberg in Schwenningen, von dort aus darf er ein sogenanntes BOGY-Praktikum absolvieren. „BOGY“ steht für „Berufsorientierung am Gymnasium“, konkret heißt das, dass alle Schüler der zehnten Klassen des Gymnasiums ein einwöchiges Praktikum machen dürfen.
So lernen die Schüler, wie man sich richtig bei einem Unternehmen bewirbt, und erhalten Einblicke in die Arbeitswelt des jeweils ausgewählten Berufs.
Vom Sozialen über die Pflege bis hin zum technischen Bereich ist alles vertreten. Tristan hat sich aufgrund seines großen Interesses für Technik bei der Firma MinebeaMitsumi in Villingen-Schwenningen beworben.
Das Unternehmen MinebeaMitsumi
Der japanische Konzern „MinebeaMitsumi“ ist auf Forschung und Produktentwicklung spezialisiert und ist Zulieferer für verschiedene Industriebereiche wie beispielsweise die Automobilindustrie. Was genau produziert wird, „ist geheim“, wie es einer der Mitarbeiter der Firma beschreibt. Der Grund dafür ist, dass MinebeaMitsumi für verschiedene Firmen an Produkten forscht, die allerdings noch nicht auf dem Markt sind. Entsprechend müssen Pläne und Produkte hinter verschlossener Tür bleiben. Nicht ohne Grund wurde die Straße am Unternehmen in den „Minebea-Weg“ umbenannt – ein Zeichen für den Erfolg des Unternehmens.
Einblicke ins Praktikum
An seinem ersten Arbeitstag durfte Tristan direkt loslegen. Er bekam verschiedene Teile, wie eine dicke Platte aus Metall, in die er mit Hilfe der dortigen Maschinen Löcher hineinbohren durfte. Zuvor musste er manuell Linien in die Metallplatte ritzen, um die Löcher an den richtigen Stellen bohren zu können. Ein anderes Bauteil durfte er mit einer Fräsmaschine auf die richtige Form zuschneiden. Nach langem Feilen, Bohren und Fräsen konnte er all seine Bauteile zusammensetzen und sie an eine pneumatische Schaltung anbauen. Mit Erfolg: Sein selbst gebautes Produkt funktionierte. Ein Zylinder bewegte sich wie geplant auf und ab.
Für seine Arbeit erhielt er Lob von seinen Betreuern, was Tristan freut. Anfangs war er noch zurückhaltend, denn die großen Maschinen und der Lärm wirkten einschüchternd, doch mittlerweile hat sich Tristan gut eingelebt und an die großen technischen Geräte gewöhnt.
Vorbereitung durch Schule
Das praktische Arbeiten macht Tristan Spaß, deshalb hat er sich nicht nur bei einer technischen Firma beworben, sondern auch vor drei Jahren in der Schule das Fach „Naturwissenschaft und Technik“, kurz NwT, gewählt. Seine Arbeit während seines Praktikums ist „ähnlich wie in NwT“, erzählt er. Auch in der Schule hat er schon gebohrt und gebaut, mit Maschinen gearbeitet und beispielsweise einen kleinen Kran konstruiert. Das Fach in der Schule habe ihm daher sehr geholfen, sich im technischen Bereich zurechtzufinden, meint er. Dennoch sagt er auch, die Arbeit sei mit den großen Maschinen der Firma eine ganz andere und er lerne sehr viel dazu. Spaß mache es ihm somit auf jeden Fall.
Während seines Praktikums darf Tristan verschiedene Abteilungen kennenlernen, von der Industriemechanik über die Mechatronik bis hin zum Produktdesign, wo er technische Zeichnungen anhand von Plänen anfertigen darf. Auch diesen Bestandteil technischer Arbeit kennt er aus dem Schulunterricht.
Für den Schüler ist das Praktikum eine gute Sache, denn so kann man „lernen, was man sich unter den Berufen vorstellen kann“, wie er beschreibt. Die Möglichkeit, sich im Rahmen des BOGY-Praktikums in einem Bereich, der einem gefällt, praktisch einzubringen, stellt für alle Schüler eine wertvolle Erfahrung dar – eine Erfahrung, die sich auf jeden Fall lohnt.