Der Druck in den sozialen Medien ist eines der Probleme, wegen denen Jugendliche sich Hilfe suchen. Foto: Rycroft/dpa

Lahrer Schulen setzen Präventionslehrer ein, um Jugendliche bei Problemen zu beraten. Unsere Redaktion hat sich dazu am „Max“, am Scheffel und der Friedrichschule umgehört.

Bei Prävention in der Schule geht es darum, Risiken wie Sucht, Gewalt, Mobbing oder Krankheiten frühzeitig zu verhindern, die physische, psychische und soziale Gesundheit von Schülern zu fördern. Präventionsarbeit gehört an Lahrer Schulen inzwischen fest zum Alltag. Ziel ist es, früh zu erkennen, was die Schüler wirklich bewegt und belastet – und passende Angebote zu schaffen.

 

Am Max-Planck-Gymnasium (MPG) hilft eine jährliche freiwillige Umfrage Katharina Frisch, Vanessa Hilss und ihrem Team, die Probleme der Schüler zu erkennen. „Präventionsradar“ nennt sich die Maßnahme. Die Präventionslehrerinnen berichten im Gespräch mit unserer Redaktion davon, dass ihre Schüler aktuell vor allem an Themen rund um psychische Gesundheit interessiert sind – zum Beispiel dem Umgang mit Stress, Ängsten oder Konzentrationsproblemen.

Auch am Scheffel-Gymnasium sei der Umgang mit schulischem und persönlichem Stress ein wichtiger Bestandteil des Präventionsprogramms, berichtet Präventionslehrerin Simone Vögele.

An der Friedrichschule, einer Gemeinschaftsschule, will Schulsozialarbeiterin Lisa Thessen den Schülern helfen. Sie listet konkrete Themen auf, die ihre Schützlinge angeregt haben. Die Angst vor Wehrpflicht, steigende Preise, Angst vor Gewalt durch andere Jugendliche und der Druck in den sozialen Medien, perfekt aussehen zu müssen, sind einige davon. Außerdem nennen die Schüler Sorgen über Beruf und Zukunft, den Notendruck von zu Hause und die mangelnde Auswahl an Orten in Lahr, an denen sie sich aufhalten können.

Die Themen, die die jüngere Generation bewegen, haben sich im Lauf der Zeit gewandelt. So berichten Fritsch und Hilss vom MPG, dass soziale Medien eine immer größere Rolle spielten. Thessen (Friedrichschule) nennt die Pandemie als Wendepunkt, der ihr in ihrer Arbeit aufgefallen sei. Der Bedarf an Einzelfallhilfe sei seither deutlich gestiegen. „Die Beschränkungen haben Jugendliche in allen Lebensbereichen besonders getroffen, sie wirken sich auch jetzt noch aus und müssen aufgearbeitet werden“, findet Thessen.

Von Cannabis-Workshop bis Selbstverteidigung

Die Schulen haben im Rahmen ihrer Präventionsprogramme diverse Angebote, um Schülern zu helfen. Am MPG gibt es Workshops zu den Gefahren von Cannabis oder Alkohol, außerdem besucht ein Medientrainer die sechsten Klassen und klärt über gefahrlose Mediennutzung auf. Mit Themenelternabenden werden auch die Mütter und Väter mit einbezogen.

Ein Teil des Präventionsprogramms am „Scheffel“ sind Vorträge der Polizei über „Cyber-Mobbing“ oder „Hate im Netz“. Über Medienkonsum klären auch ältere Schüler die Fünftklässler auf, besprechen zum Beispiel, wie man sich in einem Gruppenchat verhält. Selbstverteidigungskurse in der siebten Klasse sollen zusätzlich das Selbstbewusstsein stärken, so Vögele.

Auch die Friedrichschule setzt auf ein Zusammenspiel unterschiedlicher Ansätze. In wöchentlichen Schulstunden im Klassenverband mit einem Vertreter der Schulsozialarbeit werden Themen wie Grenzen, Konfliktlösung und Mobbingprävention behandelt. In Zusammenarbeit mit der Polizei wird für jede Klassenstufe jährlich eine Kampagne zu altersgerechten Themen veranstaltet – vom Fahrradhelm bis zur Drogenprävention.

Schulsozialarbeit ist derzeit kein Pflichtprogramm für Schulen in Baden-Württemberg, sondern ein freiwilliges Angebot im Bereich der Jugendhilfe. Die Kommunen entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie in Sozial- und Präventionsarbeit in den Bildungseinrichtungen investieren. Die drei Lahrer Schulen, mit denen unsere Redaktion gesprochen hat, geben allesamt an, dass es bei ihnen viele Angebote gibt.

Die Organisationsstrukturen unterscheiden sich dabei: Fritsch und Hills vom Max-Planck-Gymnasium berichten, Teil eines Teams aus Lehrkräften und Schulsozialarbeitern zu sein. „Jedes Teammitglied übernimmt definierte Bereiche und Veranstaltungen, wir beide sind Ansprechpartnerinnen für die Schulleitung und externe Partner.“

Ein gut aufgestelltes Team als Erfolgskonzept

Vögele vom Scheffel-Gymnasium betont, dass die Zusammenarbeit verschiedener Ansprechpartner ein wichtiger Teil des Präventionskonzepts sei – Mitschüler als Schülermentoren, Lehrer, Sozialarbeiter, Beratungslehrer und externe Fachkräfte seien allesamt Teil des Ganzen.

An der Friedrichschule gibt es zwar ebenfalls ein umfangreiches Präventionsangebot, Sozialarbeiterin Thessen wünscht sich aber, dass es mit mehr Zeit und Personal noch ausgebaut wird. „Schön wäre ein multiprofessionelles Team innerhalb der Schule, bei dem alle am Schulleben beteiligten Akteure ihre Ressourcen bündeln“, schlägt sie vor. Bei der Arbeit mit Jugendlichen sei neben einer durchdachten Struktur auch wichtig, die Jugendlichen wirklich zu erreichen – so dass sie die zahlreichen Angebote auch wahrnehmen. Thessen erklärt, hilfreich sei dabei der wöchentliche Austausch mit den Schülern, bei dem sie die Schulsozialarbeiter kennenlernen. „Die Hemmschwelle sinkt, mit uns in Kontakt zu treten. Die Gespräche unterliegen der Schweigepflicht.“

Die ständige Evaluation der Projekte und der Austausch mit den Jugendlichen darüber, wie sie die Präventionsangebote finden, ist laut Fritsch und Hilss das Erfolgsrezept am Max-Planck-Gymnasium.

Die Finanzierung

Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich seit 2012 an den Kosten der Schulsozialarbeit in Form eines Zuschusses zu den Personalkosten. Damit werden die Kommunen unterstützt, um Sozialarbeiter an Schulen einzusetzen. Präventionslehrer sind von Beruf nicht Sozialarbeiter, sondern engagieren sich neben ihrer Lehrtätigkeit freiwillig bei den Programmen ihrer Schule.