Jessica Hakenjos ist Präventionsfachkraft der Polizei für Gewalt im Netz. Foto: Nadja Varsani

Jessica Hakenjos zeigte in Donaueschingen Online-Gefahren auf. Kinder brauchen im Internet Begleitung. Worauf Eltern vor allem achten sollten.

Jessica Hakenjos blickt auf 15 Jahre als Streifenpolizistin zurück. „Ich dachte, nach meiner Zeit auf der Straße kann mich nichts mehr schockieren, doch was Minderjährige im Netz erleben, lässt mich teils immer noch sprachlos zurück“, so beginnt sie ihren Vortrag.

 

Bei der heute 40-Jährigen wuchs über Jahre hinweg der Wunsch, in der Prävention zu arbeiten, um Straftaten verhindern zu können. Seit zwei Jahren ist sie als Präventionsfachkraft tätig und hält Vorträge für ein Zielpublikum ab der fünften Klasse. Wie diesen am Abend des 26. März 2026 im Donaueschinger Jugendhaus.

Das Smartphone spielt im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher eine zentrale Rolle. Gleichzeitig bewegen sich viele von ihnen im Internet weitgehend ohne Schutz, obwohl dort große Gefahren lauern. Der digitale Raum sei anonym, und Kinder gingen oft unbedarft damit um.

Eine ihrer Folien der Präsentation zeigt die Icons beliebter Apps, die auch Minderjährige anziehen. Snapchat, Tiktok, Youtube. Jeder Jugendliche kennt die Programme und möchte teilhaben. Doch sie bieten eine Vielzahl an Risiken, denn problematisch sind sowohl bestimmte Inhalte als auch die Absichten Erwachsener, die auf den Plattformen Kontakt mit Minderjährigen aufnehmen.

Verbotene Inhalte werden unwissentlich verschickt

Ein Schwerpunkt von Hakenjos' Präventionsarbeit sind daher verbotene Inhalte im Netz, etwa als Videos, Fotos oder Sticker. Viele Kinder und Jugendliche verschickten solche Inhalte unwissentlich weiter, obwohl bereits der Besitz strafbar ist.

Selbst kinderpornografisches Material und gewaltverherrlichende Videos zählen zu den problematischen Inhalten, mit denen junge Menschen täglich im Netz konfrontiert werden. Erschreckend sei, wie viele Schülerinnen und Schüler bereits in der fünften Klasse berichten, auf Plattformen wie Tiktok oder Youtube brutale Tötungsvideos gesehen zu haben. „Das Ansehen solcher Gewaltdarstellungen kann zu Ängsten führen, die die Kinder ein Leben lang begleiten, sie schädigen dauerhaft“, berichtet Hakenjos. Häufig seien Inhalte nicht nur ungeeignet für junge Menschen, das Internet sei auch voll von verbotenem Bildmaterial, dessen Speicherung und Weiterverbreitung strafbar sind. Dazu gehört auch kinderpornografisches Material. „Es kommt vor, dass Kinder und Jugendliche dies selbst von sich anfertigen und verbreiten“, so Hakenjos.

Elfjährige verschickt Nacktfotos von sich

Sie beschreibt Fälle, bei denen etwa bereits Elfjährige Nacktfotos an ihre Kontakte geschickt haben, zum Beispiel an ihren ersten Freund.

Was viele nicht wüssten: Jedes Bildmaterial, auf dem die Geschlechtsteile von Kindern zu sehen sind, ist kinderpornografisches Material und damit verboten.

Verbotene Inhalte

Snapchat, Tiktok oder Spiele wie Brawl Stars oder GTA: Das Internet bietet viele Risiken für Minderjährige. Foto: Nadja Varsani

„Nicht wenige der jungen Menschen in meinen Vorträgen berichten, dass sie bereits pornografisches Material im Internet gesehen haben. Die Kinder melden sich auf einer Plattform an und das Erste, was sie geschickt bekommen, ist ein Penisbild“, erläutert Jessica Hakenjos. Gerade Online-Spiele seien Plattformen, in deren Chats Straftaten verübt werden.

„Das Gefährliche an den Spielen sind die Chats“

Als Beispiel nennt Hakenjos das beliebte Multiplayer-Videospiel „Brawl Stars“. „Eltern schauen sich die Oberfläche des Spiels an und stufen es als harmlos ein. Das Gefährliche an den Spielen sind die Chats. Hier tummeln sich Erwachsene, die mit Kindern schreiben und das mit keinen guten Absichten“, so Hakenjos.

Cybergrooming nennt sich diese Manipulation Minderjähriger über das Internet. Täter würden sich oft über lange Zeiträume als Kinder ausgeben und Vertrauen aufbauen. Ziel seien oft sexuell motivierte Übergriffe.

Stefanie Glück (34) ist Mutter von drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter und sieht das Vortragsangebot als wertvoll an: „Auch bei meinen Kindern sind auf Youtube bereits Videos erschienen, die für sie nicht geeignet waren“, sagt sie. Das Thema ist früh präsent, daher müsse man die Kinder auch früh begleiten. Foto: Nadja Varsani

„Der böse Fremde, der auf der Straße Kinder anspricht und ins Auto lockt, den gibt es heute nur noch selten. Seit meiner Zeit bei der Polizei ist er mir noch nie begegnet. Auf den bösen Fremden treffen Kinder heute online“, sagt die ehemalige Streifenpolizistin.

Was viele nicht wissen, ist, dass die meisten der sozialen Plattformen und Online-Spiele Altersbeschränkungen haben. Diese schützen jedoch nicht wirksam. „Und Kinder sind findig“, sagt Hakenjos. „Die finden schnell raus, wie sie Sperren umgehen.“ Beschränkungen können daher ihrer Meinung nach nur zum Teil schützen.

Ähnlich wie in der analogen Welt sollten Eltern ihre Kinder auch im Internet begleiten. Dazu gehören klare Regeln und Zeitlimits, aber auch echtes Interesse daran, womit sich Kinder online beschäftigen. Man dürfe nicht immer nur verteufeln.

„Wenn Eltern sich mal daneben setzen und sich ein Spiel erklären lassen, zeigt das den Kindern: Meine Eltern interessieren sich für das, was ich tue“, sagt die ehemalige Streifenpolizistin. Dieses Vertrauen sei wichtig, damit Kinder sich auch trauen, über problematische Inhalte im Netz zu sprechen.

Diese Einschätzung teilen auch die Schulen in Donaueschingen. Robert Poljak, Rektor der Eichendorffschule, sieht den begleiteten Start durch die Eltern in den sozialen Netzwerken als eine Möglichkeit, Heranwachsende besser zu schützen. „Im schulischen Kontext kann man die eigentlich notwendige Prävention, Beratung und Kompetenzschulung gar nicht abdecken“, so Robert Poljak.

Auch der Schulleiter der Kaufmännischen Schulen (KHS) Donaueschingen sieht die Eltern in der Pflicht: „Ein Verbot nimmt nur den Druck von den Eltern weg. Die Kinder müssen lernen, damit umzugehen, und gleichzeitig müssen wir sie vor zu großen Verlockungen schützen“, sagt Martin Zwosta.

Gleichzeitig betont Jessica Hakenjos, dass es ihr nicht darum gehe, Vorwürfe zu machen oder mit erhobenem Zeigefinger zu sprechen. „Mir ist wichtig, dass Eltern die Risiken im Netz überhaupt auf dem Schirm haben“, sagt sie. „Auch mir waren viele Entwicklungen früher nicht so präsent, obwohl ich damals schon 15 Jahre bei der Polizei war“, sagt sie. „Daher ist es wichtig, dass Eltern entsprechend geschult werden.“

Verbotene Inhalte

Dazu gehören extremistische Zeichen zum Beispiel aus dem Dritten Reich, Gewaltdarstellungen oder kinderpornografisches Material. „Allein das Speichern solcher Inhalte auf dem Handy ist eine Straftat“, erklärt Jessica Hakenjos. Wer es besitzt oder weiterverbreitet, macht sich strafbar. Das kann auch ein Bild des eigenen Kindes sein, sobald die Geschlechtsteile erkennbar sind.