Leerer Geldbeutel: Viele junge Menschen sind heute mehr denn je mit Schulden konfrontiert. Foto: Tim Nagengast

Die Diakonische Bezirksstelle Balingen möchte mit einem Präventionsprojekt junge Menschen vor der Überschuldung bewahren. Hierfür gibt es Fördergeld vom Land.

Immer mehr junge Menschen sind überfordert mit ihren Finanzen, geraten in finanzielle Schwierigkeiten und häufen Schuldenberge an, die sie gar nicht mehr überblicken. Die Diakonische Bezirksstelle Balingen möchte mit ihrem Präventionsprojekt „Pay smart. Live free: Dein Life. Deine Kohle. Deine Kontrolle.“ Abhilfe schaffen. Vom Land gibt es hierzu eine fünfstellige Fördersumme.

 

Das Projekt der Diakonie steckt noch in den Kinderschuhen. „Es existiert erst seit dem 1. November“, berichtet Diakonie-Geschäftsführer Micha Haasis bei einem Pressegespräch.

„Betroffene müssen früh abgeholt werden“

Tina Häusel-Daiker, Schuldnerberaterin und Mitinitiatorin des Projekts, geht ins Detail: „Wir wollen mit dem Programm Jugendlichen und Menschen bis zum 30. Lebensjahr kreative und niederschwellige Ansätze bieten. Die Betroffenen müssen früh abgeholt werden und sollen in allen Lebensrealitäten angesprochen werden.“

Geplant sind verschiedene Beratungsangebote und Workshops. Diese sollen an Schulen, in Vereinen, in Kirchengemeinden und Jugendhilfeeinrichtungen angeboten werden. Erste Informationen können sich die Bürger am Wochenende beim ökumenischen Kirchentag in Albstadt einholen. „Dort werden wir mit einem Stand vertreten sein“, sagt Haasis.

Kooperation mit der Sparkasse Zollernalb

Zudem gehen die Initiatoren eine Kooperation mit der Sparkasse Zollernalb ein. „Auszubildende der Bank sollen zum Beispiel mit Betroffenen sprechen“, sagt Häusel-Daiker.

Noch gibt es aber einiges zu tun: Referenten müssen eingekauft werden und der Social-media-Auftritt sowie die Homepage muss vorangebracht werden. Hierzu braucht es Geld. Geld, das die Diakonie hauptsächlich aus Kirchensteuern bezieht, welche über die Jahre nicht mehr so üppig ausfallen.

Umso größer ist die Freude über die knapp 90 000 Euro, welche das Land Baden-Württemberg im Rahmen des Förderaufrufs „Schuldenfrei ins Leben“ der Diakonie zukommen lässt.

20-Jährige mit hohen Schulden keine Seltenheit

Mit dieser finanziellen Spritze ist es womöglich realistisch, dass das auf zwei Jahre angelegte Projekt darüber hinaus am Leben gehalten wird. Wie wichtig das wäre, macht Ulrike Binder, ebenfalls Schuldnerberaterin, deutlich.

Sie berichtet von 20-Jährigen, die bereits in diesen jungen Jahren Schulden in Höhe von 15 000 Euro angehäuft haben. „Und das sind keine Einzelfälle.“ Die Gefahr der Überschuldung ist laut den Initiatoren heute deutlich höher als noch vor einigen Jahren.

„Bezahlmodelle nach dem Motto ‚Jetzt kaufen, später bezahlen‘ sorgen dafür, dass man irgendwann den Überblick über seine Ausgaben verliert“, nennt Binder als einen von vielen Gründen, die zur finanziellen Schieflage führen.

Gesellschaftliche Druck nimmt zu

Hinzu kommen Handyverträge, Online-Shopping oder Streaming-Abos. Das eigentliche Risiko liegt den Beratern zufolge nicht nur im fehlenden Geld, sondern im fehlenden Bewusstsein für finanzielle Zusammenhänge und langfristige Folgen.

Gleichzeitig nehme der gesellschaftliche Druck zu, mitzuhalten und sich alles leisten zu können. Dies trifft auf steigende Lebenshaltungskosten, steigende Mieten und – ganz konkret – den zum Beispiel immer teurer werdenden Führerschein.

Die Diakonische Bezirksstelle Balingen will sich mit diesem Projekt der Herausforderung stellen, Bildung, Beratung und Prävention noch stärker zu verzahnen. Die Mitarbeiter sehen hierbei auch einen gesellschaftlichen Auftrag, mehr zu tun in Sachen Prävention, so dass Menschen nicht schon im jungen Lebensalter vor einem finanziellen Scherbenhaufen stehen.