Knapp zehn Wochen vor der Mitgliederversammlung kann der Wahlkampf beginnen. Foto: Baumann

Pierre-Enric Steiger hat sich im Vereinsbeirat durchgesetzt und fordert bei der Mitgliederversammlung am 18. Juli den VfB-Präsidenten Claus Vogt heraus. Bis dahin dürfte der 49-Jährige aus Winnenden einiges zu tun haben.

Stuttgart - Die Glückwünsche nimmt Pierre-Enric Steiger dankend entgegen – dann bittet er um Verständnis dafür, dass das Telefongespräch kurz bleiben muss. Er sei vom Vereinsbeirat des VfB Stuttgart gebeten worden, sich vorerst nicht öffentlich zu seiner Nominierung zur Wahl des Präsidenten zu äußern, über die er am Dienstagmorgen in Kenntnis gesetzt wurde. Erst an diesem Mittwoch darf Steiger sich und seine Ideen vorstellen, wenn bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem anderen Kandidaten, dem Amtsinhaber Claus Vogt, der Wahlkampf offiziell eröffnet wird. „Wir sind froh, unseren Mitgliedern zwei Personen mit unterschiedlichem Profil zur Wahl stellen zu können“, sagt der Vereinsbeiratsvorsitzende Rainer Weninger.

 

Während Vogts Nominierung nicht viel mehr als eine Formsache war, darf sich Steiger über seinen ersten Etappensieg freuen. Chancenlos war der langjährige Bosch-Manager Wolfram Anders, während es der Unternehmer Volker Zeh auch im zweiten Anlauf nicht geschafft hat, vom Bewerber zum Kandidaten zu werden. Steiger hingegen habe die fünf Vereinsbeiräte nicht nur mit „eloquenter Ausdrucksform, positiver Ausstrahlung und angenehm sachlicher Art“ überzeugt, sondern auch mit „detailliertem Wissen um den VfB und seine Abteilungen sowie einer hohen Motivation für das Amt“.

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Pierre-Enric Steiger (49) mag im Fußballgeschäft ein Unbekannter sein – dass er ein ernst zu nehmender Herausforderer ist, dürfte auch Vogt wissen. Denn einerseits gibt es im Verein und seinem Umfeld auch nach dem Ende des monströsen Machtkampfs zu Jahresbeginn weiter Bestrebungen, den amtierenden Präsidenten loszuwerden. Andererseits ist Steiger zwar nicht im Fußball, dafür aber in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gut vernetzt – und gilt zudem nicht als Selbstdarsteller. „Er ist ein toleranter, offener Mensch, der mit Verstand und Herz an die Dinge geht“, sagt Jürgen Schlensog, der sich in den vergangenen Monaten klar gegen Vogt positionierte und Vorsitzender des VfB-Freundeskreises ist, dem auch Steiger angehört.

Pierre-Enric Steiger ist seit 2010 Chef der Björn-Steiger-Stiftung

Der gelernte Bankkaufmann aus Winnenden ist Präsident der Björn-Steiger-Stiftung, benannt nach seinem älteren Bruder, der 1969 als Achtjähriger nach einem Verkehrsunfall starb. Seitdem verfolgt die Stiftung mit großem Erfolg das Ziel, die Notfallhilfe und das Rettungswesen in Deutschland zu verbessern, 2010 übernahm Pierre-Enric Steiger von seinem Vater Siegfried die Führung.

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Die Mission der Stiftung, zu einem funktionierenden Rettungssystem beizutragen, ist weitgehend erfüllt – jetzt will der Chef auch den VfB in eine erfolgreiche Zukunft führen. Bei seiner Vorstellung im Vereinsbeirat habe er laut Mitteilung des Gremiums „interessante Ideen und Konzepte präsentiert, wie der VfB sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln kann“. Über die genauen Inhalte ist noch nichts bekannt – klar hingegen ist, dass Steiger bei seiner Kampagne nichts dem Zufall überlassen wird. Fotos vor der VfB-Geschäftsstelle ließ er bereits vergangene Woche anfertigen, als seine Nominierung noch gar nicht feststand.

Steiger dürfte einen intensiveren Wahlkampf als Vogt führen

Jetzt bleiben dem Herausforderer bis zur Wahl am 18. Juli knapp zehn Wochen, um die Mitglieder davon zu überzeugen, dass er der geeignetere Präsident wäre. Einen deutlich intensiveren Wahlkampf als der Amtsinhaber dürfte er führen – kein Wunder: Während sich Pierre-Enric Steiger erst noch bekannt machen muss, ist die Nähe zu den organisierten Fans einer der großen Trümpfe von Claus Vogt (51).

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Vom Vereinsbeirat wurde ihm bescheinigt, dass „die Repräsentationsaufgaben inner- und außerhalb des Vereins und die Kommunikation mit weiten Teilen der Fans und Mitglieder vorbildlich funktionieren“. Zudem habe er mit einer „fundierten und auch selbstkritischen Analyse“ seiner bisherigen Amtszeit überzeugt; „auf der Zielgeraden“ befänden sich „mehrere wichtige Projekte“ wie die Gründung einer Frauenfußballabteilung und das Positionspapier „Zukunft Profifußball“.

Vogt oder Steiger, so lautet also die Frage – dem Sieger winkt nicht nur eine vierjährige Amtszeit, sondern auch eine vom Vereinsbeirat neu beschlossene Entlohnung: Künftig bekommt der VfB-Präsident jährlich 50 000 Euro, jeweils 25 000 gibt es für die beiden weiteren Präsidiumsmitglieder. Die Bewerbungsgespräche für diese Ämter starten in den nächsten Tagen, spätestens Mitte Juni sollen die Kandidaten nominiert werden.