Ein seltener Anblick: Einige Schüler haben Präsenzunterricht an der Lina-Hähnle-Realschule in Sulz. Schulleiter Jörg Springmann (Mitte) stattet der Klasse einen kurzen Besuch ab. Foto: Stapel

Präsenzunterricht für Prüflinge. Schulleiter loben gute Zusammenarbeit. IT verbesserungswürdig. 

Der digitale Schulstart in Sulz lief bis auf kleinere technische Schwierigkeiten gut an.­ Einige wenige Schüler, bei denen der Abschluss ansteht, dürfen vor Ort unterrichtet werden. Wir haben uns mit drei Rektoren unterhalten.­

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Sulz - Der "virtuelle Startschuss" ist gefallen. In ihren eigenen vier Wänden sitzen die Schüler an ihren Handys oder Laptops, und werden auch im neuen Jahr digital unterrichtet. Ein paar wenige von ihnen nehmen am Präsenzunterricht teil. "Das hört man nicht alle Tage, aber die Schüler sind dankbar, dass sie wieder in die Schule kommen dürfen", sagt Monika Schneider, Schul­lei­te­rin der Grund- und Werkrealschule (GWRS) Sulz am Ne­ckar, Vöh­rin­gen und Emp­fin­gen. "Sie freuen sich über die Abwechslung." Das dürfen aber nur jene, für die im Sommer der Realschulabschluss ansteht. An der GWRS Sulz sind das rund 40 Prüflinge.

Für die Schüler der Klassenstufen eins und zwei des Albeck-Gymnasiums Sulz stehen in den nächsten Wochen erstmal Klausuren an, schildert Oberstudiendirektorin Katharina Lucke. "Aufgrund der Schulschließung im Dezember ist daher einiges nachzuholen." Vor Ort gilt weiterhin: Abstand halten, regelmäßiges Lüften, Hände desinfizieren und Maske tragen. "Alles prinzipiell gemäß gültigen Verordnungen und Hygienevorschriften für Schulen. Das ist extrem wichtig, denn Leichtsinn wäre ein schlechter Ratgeber in diesen Zeiten", erklärt Jörg Springmann, Schulleiter der Lina-Hähnle-Realschule in Sulz.

Versäumnisse durch fehlende Investitionen

Für den Großteil der Schüler steht digitaler Unterricht an. Die Institutionen arbeiten derzeit in erster Linie mit Programmen wie "Teams", "Moodle", "Schul-Cloud" oder "SchoolFox".­ "Die überlasteten Server waren dem Fernunterricht hierbei am Montag leider nicht dienlich", berichtet Springmann. Die Ausstattung der Schule im Bereich IT habe sich zwar zunehmend verbessert, aber die Versäumnisse durch fehlende Investitionen der vergangenen Jahre seien deutlich spürbar. "Ein schnelles Glasfaserkabel im Haus nützt nichts, wenn die Hardware dazu in weiter Ferne schwebt. Die derzeitige Ausstattung betrachte ich als Mindestausstattung mit viel Luft nach oben", betont er klar und deutlich.

Die vergangenen beiden Tage haben bei Lucke einen positiven Eindruck hinterlassen: "Der digitale Fernunterricht ist Montag problemlos gestartet, weil über "Teams" unterrichtet und gearbeitet wird." Zudem würden Schüler und Lehrkräfte gelassener und routinierter mit dem Fernunterricht umgehen als beim ersten Lockdown. Das stellt auch Jörg Springmann fest: "Zunehmend mehr Lehrkräfte zeigen sich im Bereich von Videounterricht sehr engagiert."

Lesen Sie auch: Das gilt ab 11. Januar in Baden-Württemberg

Sorgen um den Abschluss müssen sich die Jugendlichen laut der Sulzer Rektoren nicht machen. "Die Schüler werden trotz Corona von unseren Lehrkräften mit großem Engagement auf die Prüfungen vorbereitet", versichert Lucke. "Das sollte die Schüler ebenso beruhigen wie die Tatsache, dass Abschlüsse aller Schüler in Deutschland und in Europa vom Pandemiegeschehen betroffen sind."

Zudem loben die Schulleiter das Sofortausstattungsprogramm. Schülern und Lehrern werden Endgeräte zur Verfügung gestellt, die vom Land Baden-Württemberg finanziert werden. "Dadurch können wir in der kommenden Woche Leihgeräte an einzelne Kinder, zum Teil bedürftiger Familien, weitergeben", erzählt Springmann.­

Die finanziellen Unterstützungsprogramme des Landes sieht der Rektor ebenfalls als hilfreich an: "Es wäre wünschenswert, wenn vieles unabhängiger vom Schulträger durch die demokratischen Gremien der Schule direkt entschieden und auch sofort umgesetzt werden könnte. Teilweise erlebe ich in meinem Alltag hierbei schwer nachvollziehbare Verzögerungen."

Reger Austausch zwischen Lehrkräften

Der Alltag der Rektoren bestehe mehr aus "Krisenmanagement" als pädagogischer Arbeit, wie Jörg Springmann sagt. "Die berechtigten und nachvollziehbaren Sorgen von Eltern, Schülern sowie Lehrkräften anhören, praktikable Lösungen anbieten, ständig bestehende Strukturen rechtskonform modifizieren und dabei die Hoffnung auf wieder bessere Zeiten nicht verlieren, ist mein derzeitiger Alltag."

Auch bei Lucke steht der rege Austausch von sämtlichen Vorgängen, Anliegen sowie Problemen mit dem stellvertretenden Schulleiter, Studiendirektor Kai Ullmann, an der Tagesordnung. "Außerdem stehen wöchentliche Besprechungen und Abstimmungsgespräche mit dem ÖPR-Vorsitzenden, mit der Elternbeiratsvorsitzenden und mit dem städtischen Personal des Gymnasiums auf dem Programm."

Aber trotz dieser schweren Zeit sei die gute Zusammenarbeit der Schulgemeinschaft bei den aktuellen Veränderungen für alle drei Sulzer Schulleiter motivierend. "Das stimmt meine Lehrkräfte und mich optimistisch, auch weiterhin das Beste zu geben", lobt Springmann. Das betont auch Lucke: "Dank der großen Solidarität und des außergewöhnlichen Engagements aller Beteiligten ließ sich die Krise bisher gut bewältigen."

Keiner traut sich zu prognostizieren, mit wie viel Präsenzunterricht im Jahr 2021 gerechnet werden kann. "Das ›Wechselmodell‹ mit halbierten Klassen wäre ein, hoffentlich zeitnaher, guter Einstieg", schildert Springmann. "Aber ich hoffe auf eine frühestmögliche Öffnung der Schulen für den Präsenzunterricht. Eines ist auch klar, es ist der geeignetere Unterricht."