Der Vorstand des neuen Vereins (von link): Thorsten Mietzner, Claudia Gale, Paul Sütterlin, Gabriele Bohnert, Urte Stahl, Thi Dai Trang Nguyen, Hadi Sayed-Ahmad, Rüdiger Metzger-Thessen und Heinz Siebold Foto: Axel Dach

Der neue Verein hat sich in der Jamm-Bar vorgestellt. Die Akteure haben sich auf die Fahne geschrieben, auch jene Menschen anzusprechen, die sich abgehängt fühlen.

Der Abend wurde nach einer kurzen Begrüßung von den Vorstandsmitgliedern Claudia Gale und Heinz Siebold musikalisch durch den Freiburger Sänger und Schauspieler Olaf Creutzburg eröffnet. Er trat in historisch badischer Revolutionskleidung auf und begleitete seine lebhaft vorgetragenen Lieder gekonnt mit Gitarre und Geige. Mit der Zeile aus dem „Bürgerlied“ „Ob wir was schaffen oder nur die Welt begaffen, das tut, das tut was dazu!“ setzte er einen passenden Auftakt zur öffentlichen Vorstellung des neu gegründeten Vereins Forum Demokratie Lahr.

 

Siebold übernahm die Moderation des Abends. OB Markus Ibert richtete Grußworte an die zahlreich erschienenen Besucher in der Jamm-Bar. Er erinnerte an die große Demokratie-Kundgebung vom 3. Februar 2024, bei der rund 4000 Menschen auf dem Rathausplatz zusammenkamen – und betonte, dass die Vereinsgründung zeige, dass dieses Engagement kein Strohfeuer gewesen sei, sondern weiter Bestand habe. Demokratie lebe von Beständigkeit, sagte Ibert, und müsse auch außerhalb großer Veranstaltungen im Alltag gelebt werden. Man müsse in die Quartiere zu den Menschen gehen und den Dialog suchen. Den Initiatoren des Vereins zollte Ibert den„größten Respekt“.

Der Freiburger Sänger und Schauspieler Olaf Creutzburg Foto: Axel Dach

Im Verlauf der Veranstaltung stellten sich die Vorstandsmitglieder vor und schilderten ihre Motivation für ihr Engagement. Thorsten Mietzner erläuterte ausführlich, warum es den Verein brauche. Bei der diesjährigen Bundestagswahl erhielt die AfD, eine Partei, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wurde, in Lahr rund 30 Prozent der Stimmen. Dies zeige, dass demokratisches Engagement in Lahr besonders wichtig sei.

Der Verein positioniere sich zum einen auf der Ebene „Dagegen“, aufgeschreckt durch den hohen Stimmenanteil der AfD bei den letzten Wahlen, gegen Rechtsextremismus. Allerdings sei man hierbei nicht ausschließlich auf eine Partei fokussiert, das „Dagegen“ richte sich auch gegen Linksextremismus oder Extremismus aus der Mitte des politischen Spektrums.

Akteure sollen miteinander im Gespräch bleiben

Der Verein wolle sich jedoch auch vor allem auf der zweiten Ebene, dem „Dafür“ einsetzen – nämlich für Pluralismus, Gewaltenteilung und Menschenwürde. Der Verein wolle an der Seite der vielen Menschen stehen, die sich gegen Rechtsextremismus zur Wehr setzen und sich für ein diskriminierungsfreies und friedliches Miteinander aller Menschen einsetzen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, sexuellen Identität und weiteren Merkmalen. Man wolle aber auch Menschen erreichen, die sich frustriert oder abgehängt fühlten, und deren Sorgen ernst nehmen. Demokratie funktioniere nur, wenn man miteinander im Gespräch bleibe, so Mietzner.

Der Lahrer Autor Michael Paul Foto: Axel Dach

Der Lahrer Autor Michael Paul betonte die Bedeutung des Grundgesetzes, das für ihn ein „Wunderwerk“ sei. Demokratie sei kein Naturgesetz, sondern ein Projekt, das jede Generation neu annehmen und verteidigen müsse. Die gegenwärtige Verunsicherung mache deutlich, wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement sei.

Die Bewirtung übernahm der Polizeichor Lahr. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, bei Gesprächen und einem Getränk den Abend ausklingen zu lassen. Insgesamt vermittelte der Abend den Eindruck eines zivilgesellschaftlich motivierten Neustarts, denn der Verein versteht sich nicht als politischer Akteur im parteipolitischen Sinne, sondern will weitere Menschen für Dialog, Beteiligung und demokratisches Engagement gewinnen.

Woche der Demokratie

Zum Abschluss kündigte Siebold an, dass es im kommenden Jahr erneut eine Woche der Demokratie geben werde – ergänzt um Workshops und weitere öffentliche Angebote.