Der Tourismusboom durch den Europa-Park führt dazu, dass in Ringsheim viele Ferienwohnungen ausgewiesen werden. Doch deren Zahl darf nicht zu groß werden, sind Verwaltung und Gemeinderat überzeugt. Foto:  

In Ringsheim kämpfen Verwaltung und Gemeinderat weiter dagegen an, dass zu viele Ferienunterkünfte im Ort entstehen.

Die Gemeinde, die nur etwa sechs Kilometer vom Europa-Park entfernt ist, profitiert bekanntlich vom Tourismus, bekommt aber auch dessen negative Auswirkungen zu spüren. Denn in den vergangenen Jahren sind in Ringsheim immer mehr Mietwohnungen in lukrative Ferienunterkünfte umgewandelt worden. Aus Sicht von Verwaltung und Gemeinderat keine gute Entwicklung – bezahlbarer Wohnraum für die ortsansässige Bevölkerung geht verloren, unter dem ständigen Gästewechsel leidet die Quartiersidentität, der Touristenstrom führt außerdem zu Parkplatzproblemen in den betroffenen Wohnvierteln.

 

Um das Problem zu lösen, hat die Gemeinde im November 2022 ein strenges Beherbergungskonzept beschlossen. In bestimmten Wohngebieten werden seither Ferienwohnungen ausgeschlossen, um zu viel Durchgangsverkehr und Lärm zu vermeiden.

Jedoch: Von dem Thema wird die Verwaltung immer wieder eingeholt – und muss dann neue „Abwehrkämpfe“ gegen geplante Ferienunterkünfte führen. Zu erleben war das jetzt wieder in der Gemeinderatssitzung am Dienstag, bei der es in gleich drei Tagesordnungspunkten um Urlaubsdomizile in Ringsheimer Immobilien ging – und wie sie zu verhindern sind.

Bebauungsplan Unterfeld II: Bereits in den vergangenen Jahren nutzte die Gemeinde Veränderungssperren und passte Bebauungspläne an, um die Eröffnung von Ferienwohnungen einzudämmen. Jetzt war „Unterfeld II“ dran, ein 10,8 Hektar großes Gebiet zwischen der Alten Bundesstraße/K5349 im Osten und der „Großen Wolfgangstraße“ im Westen. Zum Geltungsbereich gehört auch die Bebauung nördlich der Schwarzwaldstraße und südlich der Ettenheimer Straße.

Die vom Gemeinderat einstimmig beschlossenen 8. Änderung des Bebauungsplanes verfolgt das Ziel, den Betrieb von Ferienwohnungen dort zu begrenzen, „um hinreichend Wohnraum für die ortsansässige Bevölkerung zu sichern und lebendige Wohnviertel mit den dazugehörigen Infrastrukturangeboten zu erhalten“, wie es in der Ratsvorlage heißt.

Rückumwandlungs-Prämie: In seinem Bemühen, die Zahl der Ferienwohnungen nicht ausufern zu lassen, hat das Gremium ein neues Instrument einstimmig beschlossen – eine Rückumwandlungs-Prämie. Die sollen jene Betreiber erhalten, die genehmigte Ferienunterkünfte in eine reguläre Wohnung für „Dauerwohnen“ machen.

„Rückumwandlungen hätten positive Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt sowie auf nachbarschaftliche Belange“, heißt es dazu aus der Ringsheimer Verwaltung. Demnach soll die Prämie 100 Euro pro Quadratmeter der entsprechenden Wohnung betragen; maximal will die Gemeinde 5000 Euro pro umgewandelter Wohnung auszahlen.

Im Rathaus rechnet man nicht damit, dass allzu viele Betreiber auf dieses Angebot eingehen werden, „wir werden nicht überrannt werden von Anträgen“, gab sich Bürgermeister Pascal Weber keinen Illusionen hin. Man wolle aber zeigen, dass man „nicht nur mit Verboten“ gegen Ferienwohnungen vorgehe.

Bauantrag: Würde die Gemeinde nicht dagegen vorgehen, dann würden in Ringsheim Ferienwohnungen wie Pilze aus dem Boden schießen – diesen Eindruck hat die Ratssitzung am Dienstag vermittelt. Denn zum Schluss genehmigte der Gemeinderat (mit drei Gegenstimmen) die Eröffnung von zwei Ferienwohnungen in dem Mehrfamilienhaus in der Hauptstraße 22. Ursprünglich hatte der Inhaber dort sogar fünf Ferienwohnungen geplant, „aber das sehen wir kritisch“, so Bauamtsleiter Nico Karschewski in der Sitzung. Deshalb habe man die Planung reduziert.

Übernachtungssteuer wird ausgeweitet

In Ringsheim wird seit 2019 eine Übernachtungssteuer (oft Bettensteuer genannt) erhoben, die vier Prozent des Übernachtungspreises beträgt. Bisher mussten nur Touristen sie bezahlen. Doch das wird sich laut einstimmigem Ratsbeschluss ändern, ab Januar 2027 wird die Steuer auf berufliche Übernachtungen ausgeweitet. Hintergrund ist laut Bürgermeister Weber, dass in der Gemeinde über den wachsenden Tourismus hinaus Mietwohnungen auch in sogenannte Monteurswohnungen umgewandelt werden. Die Steuer bleibt bei vier Prozent und ist laut Weber damit niedriger als in benachbarten Gemeinden.