Seinen Anfang nahm der Warnstreik in der Ortenau am Donnerstagabend: Unter anderem im Lahrer Paketzentrum legten Beschäftigte ihre Arbeit nieder. Dort habe auch die Linke Liste Ortenau laut eigener Angaben Flagge gezeigt. Foto: Linke Liste Ortenau

Viele Ortenauer haben am Samstag vergeblich auf ihre Post gewartet. In Kehl und Offenburg blieb ein Großteil der Sendungen liegen. Grund war eine Ausweitung des Streiks bei der Post auf die Zusteller. Die will jetzt bis Dienstagabend alles nachliefern.

Ortenau - Deniz Zengin, Gewerkschaftssekretär bei Verdi Südbaden-Schwarzwald, zeigte sich am Montagmorgen im Gespräch mit unserer Redaktion sehr zufrieden mit dem zurückliegenden Warnstreik. Er gehe davon aus, dass in den sogenannten Zustellstützpunkten in Kehl und Offenburg "80 bis 90 Prozent der Briefe" liegengeblieben seien. "Die Zustellstützpunkte sind die letzte Station vor den Briefkästen", erläutert er auf Nachfrage.

Lahrer Zustellstützpunkt am Samstag nicht betroffen

Lahr war laut Zengin dieses Mal nicht betroffen. Allerdings könnten die Lahrer noch die Nachwehen der Warnstreiks von Donnerstag und Freitag im Paketzentrum am Flughafen und im Offenburger Briefzentrum zu spüren bekommen. Zudem habe Verdi bereits am Freitag auch Zusteller zum Streik aufgerufen. "Für Samstag haben wir eine kleine Schippe draufgelegt."

Im gesamten Bereich der Post-Niederlassung Freiburg seien am Samstag 300 Zusteller der Aufforderung zur Arbeitsniederlegung gefolgt, berichtete Zengin. Konkrete Zahlen für den Ortenaukreis kann er keine nennen. Donnerstag und Freitag seien es 400 Beschäftigte im Ortenaukreis gewesen. Zengin war laut eigenen Angaben mit insgesamt fünf hauptamtlichen Kollegen im Einsatz. 30 bis 40 ehrenamtliche Verdi-Vertrauensleute – selbst Post-Mitarbeiter – hätten geholfen, die Kollegen vom Warnstreik zu überzeugen.

Auswirkungen noch eine Weile zu spüren, spekuliert Verdi

"Die Auswirkung der Warnstreiks könnte sich noch einige Tage hinziehen", prognostizierte der Gewerkschaftssekretär. Er selbst sei unter anderem in Effringen-Kirchen im Landkreis Lörrach vor Ort gewesen. Beim dortigen Paket-Stützpunkt würden die Mitarbeiter freiwillig Überstunden einlegen, um den Rückstand aufzuarbeiten. "Das kriegen sie aber so schnell nicht hin", ist sich Zengin sicher. Ob auch im Lahrer Paketzentrum im Nachgang des Warnstreiks Sonderschichten geschoben werden, wisse er nicht.

Die Post selbst gab am Montag auf Anfrage unserer Redaktion darauf keine konkrete Antwort. Pressesprecher Marc Mombauer verspricht jedoch: "Die in den vergangenen beiden Werktagen nicht zugestellten Sendungen werden bis spätestens morgen Abend an die Empfänger zugestellt." Da solche Arbeitskampfmaßnahmen auch schon in früheren Jahren hin und wieder stattgefunden hätten, gebe es "eingespielte Prozesse, um dadurch aufgelaufene Rückstände so schnell wie möglich abzubauen".

Zahlen für die Ortenau, nennt die Post keine

Wie viele Sendungen in der Ortenau liegen geblieben waren oder wie viele Mitarbeiter sich dort am Streik beteiligt hatten, konnte Mombauer nicht sagen. "Nach aktuellem Stand waren von den Warnstreiks am Samstag bundesweit rund eine Million Paketsendungen – das entspricht etwa 15 Prozent der durchschnittlichen Tagesmenge – und rund drei Millionen Briefsendungen – etwa sechs Prozent der durchschnittlichen Tagesmenge – betroffen." Insgesamt seien etwa 9400 Beschäftigte dem Streikaufruf gefolgt, das seien etwas mehr als ein Drittel der am Samstag anwesenden Beschäftigten, so der Pressesprecher.

Weitere Warnstreiks könnten folgen

Und wie geht’s nun weiter? "Wir haben eine Strategie im Kopf, wie wir in der Region vorgehen werden", sagte Zengin am Montag. Zur Taktik wollte er sich nicht weiter äußern, da die Post sonst gegensteuern könne. Wenn es zu neuen Streikmaßnahmen kommen würde, seien er und seine Kollegen jedenfalls bereit. Bis zum Start der dritten Verhandlungsrunde am 8. und 9. Februar sei das möglich. Wie wahrscheinlich weitere Warnstreik seien, wollte er nicht abschätzen.