Die Postsenioren kamen zum Abgesang in die Schalterhalle. Initiator Gerd Regge (Dritter von rechts) hält eine Rede und zum Spiel von Gerhard Fleig (rechts) stimmen alle mit ein. Foto: Daniela Schneider

Die Post in der Friedrich-Ebert-Straße ist Geschichte. In der Schalterhalle kamen kurz vor dem endgültigen Toresschluss einige ehemalige Mitarbeiter zusammen. Sie fanden deutliche Worte, wie sehr sie der Verlust der zentralen Einrichtung schmerzt

Das war es also nun: Die Tage der Post in dem Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße sind gezählt. Hier werden seit einiger Zeit schon keine Pakete und Briefe mehr aufgegeben, nichts mehr abgeholt und nun auch keine Postbankgeschäfte mehr getätigt.

 

Die Postbank, die die Filiale bis zuletzt betrieben und hier zuvor auch Postdienstleistungen mit angeboten hat, gibt den Standort auf. Am Mittwoch war zum letzten Mal geöffnet und mit dem Schalterschluss gingen nun endgültig die Lichter aus.

Ende einer Ära

„Wir haben befürchtet, dass eine offizielle Verabschiedung unserer Kolleginnen und Kollegen nicht vorgesehen ist“, sagt Heinz Winker, der selbst lange Jahre bei der Post beschäftigt war. Er ist zwar schon längst im Ruhestand, aber wie sang- und klanglos jetzt die Ära einer Hauptpost in Schwenningen zu Ende geht, treibt ihn um.

Und so geht es auch seinem früheren Kollegen Gerd Regge, der nun die Idee hatte, die eingeschworene Gemeinschaft der Postsenioren zusammenzutrommeln und am letzten Tag eine Art Abschiedszeremonie in der Schalterhalle abzuhalten. Die Postsenioren sind eine Gruppe, die sich seit ihrer Pensionierung regelmäßig trifft und sich dabei auch gerne an die schöne gemeinsame Berufszeit erinnert. Und jetzt sind sie einfach nur enttäuscht. Schwenningen verliert eine zentrale Posteinrichtung, beklagen sie.

Überraschte Belegschaft

Dass die Gruppe kurz vor Feierabend am Mittwoch in der Schalterhalle aufschlagen würde, damit hatten die hier bis zuletzt tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun wirklich nicht gerechnet. Sie werden ihren Arbeitsplatz wechseln, zwei von ihnen werden nach Villingen versetzt, zwei nach Rottweil. Einen offiziellen Abschied aus Schwenningen gab es für sie nicht. Also haben die pensionierten Kollegen das selbst in die Hand genommen.

Gerd Regge und sein Kollege Heinz Etter hatten sich dafür eigens in Schale, sprich: in schmucke Postuniformen geworfen, während ihr Kollege Gerhard Fleig in einem Unikat-Anzug auftrat, zusammengenäht aus alten Postsäcken.

Er war es, der auf seinem Tenorhorn erst den „Postillon von Lonjumeau“ erklingen ließ, bevor Gerd Regge zu einer Rede, nein, zu einem Abgesang ansetzte: Wo, fragte er eher rhetorisch in die Runde, sollen Postbankkunden in Schwenningen künftig ihre Kontoauszüge abholen und wo ihre Überweisungen abgeben, wo eine Beratung bekommen?

Die Postbank schreibe schöne Briefe, in denen es heiße, dass sich nichts ändere, was aber, wie man nun sehe, nicht stimme. Die nächste Filiale der Postbank ist am Benediktinerring in Villingen – und damit für Schwenninger alles andere als in Fußnähe. Man müsse leider den Eindruck haben, dass hier nach der Devise gehandelt werde, dass Kunden, die diese Dienstleistungen zuletzt noch in Anspruch nahmen, nicht wichtig genug seien und sowieso irgendwann wegbrächen. Was die Postsenioren ebenfalls wurmt: Tugenden, die sie einst in ihrer Laufbahn eingebläut bekamen, blieben neuerdings bei Postdienstleistungen auf der Strecke. Ein Beispiel? Gerd Regge nennt da eine Kiste mit Briefen, in der sämtliche Absender von Korrespondenz von allen Umstehenden eingesehen werden konnten – sie sei just neben ihm abgestellt worden, als er in einer Postagentur als Kunde am Schalter stand, von Postgeheimnis keine Spur, ärgert er sich.

Trauer und Frust

„Wir sind hier, um unsere Trauer und unseren Frust loszuwerden“, machte er deutlich, warum sie alle gekommen waren. Gerhard Fleig trug hier dann auch noch ein von ihm verfasstes Gedicht unter der Überschrift „Das letzte Posthorn-Signal der Postfiliale Schwenningen“ vor – Tenor: „Was ist nur mit der Post geschehen, dass sie musst ins Verderben gehen?“ Am Ende forderte er seine Mitstreiter auf: „Steigt ein in die letzte Fahrt der Postkutsche!“ – bevor sie gemeinsam „Hoch auf dem gelben Wagen“ zum Abschied schmetterten und mit Sekt anstießen – nicht aus Freude versteht sich, sondern aus einem anderen Grund, wie Gerd Regge zum Abschluss meinte: „Damit uns der Abschied nicht so schwerfällt.“