Ohne Ausweis kein Paket lautet die einfache Regeln in den Postfilialen. In Eimeldingen hat ein Kunde dies aber offenbar anders gesehen. Foto: Sina Schuldt/dpa

In der Postfiliale in Eimeldingen soll ein verärgerter Mann einen Mitarbeiter mit einem Faustschlag am Arm getroffen haben. Die Betreiberfamilie bleibt nun entsetzt zurück.

Der Schock sitzt tief bei der Familie Dold von der Postfiliale Eimeldingen: Ein Kunde soll aggressiv geworden sein und mit Fäusten gedroht haben, weil er den Ausweis zur Paketausgabe vorzeigen musste, wie Martin Dold die Situation schildert. „Ich verstehe das nicht“, sagt auch Andrea Dold. Sie betreibt mit ihrem Sohn gemeinsam das Geschäft, das erst seit wenigen Wochen zum Imkerzentrum der Familie im Gewerbegebiet Reuteacker gehört.

 

Die Regeln bei Post und DHL sind eindeutig: Ohne Feststellen der Identität durch Ausweis oder Führerschein gibt es kein Paket. Beide bleiben nun entsetzt zurück, weil sie trotz jahrzehntelanger Erfahrung im Handel„so etwas noch nie erlebt haben“.

Schon am Vortag habe sich der Mann nach dem Paket erkundigt, schildert Martin Dold. Da habe es sich aber noch im Zustellfahrzeug befunden. Als der Mann das Paket am nächsten Tag abholen wollte, habe er weder Ausweis noch Führerschein dabei gehabt. Jedoch: Es sei ein ganz normaler Vorgang, dass man beim Abholen eines Pakets seine Identität nachweisen muss. „Ich muss prüfen, an wen ich das Paket herausgebe, und an diese Regel muss ich mich halten“, sagt Dold im Gespräch mit unserer Zeitung. Die allermeisten Kunden zeigten dafür Verständnis, andere verzögen das Gesicht.

Doch am Dienstag hätten der Kunde und dessen Frau das für die Betreiber der Postfiliale vorgeschriebene Verfahren nicht akzeptieren wollen. Nachdem zunächst die Frau erfolglos versucht habe, sich mit einer Bankkarte auszuweisen, teilte sie mit, so Dold, das Paket nun nicht mehr zu wollen und verließ wie zuvor ihr Mann das Geschäft. Während er das Paket als Retoure mit dem Hinweis „Annahme verweigert“ für den Rückweg ins Paketzentrum vorbereitete, „kam der Mann wieder hereingestürmt“, erzählt Dold. Er wolle das Paket nun mitnehmen, habe der Kunde gesagt.

„Mental hat es Spuren hinterlasse“

Auf die erneute Frage nach Ausweis oder Führerschein habe der Kunde die Beherrschung verloren, sich vor dem Tresen aufgebaut, die Fäuste geballt, über den Kopf gehoben und herumgebrüllt. Dold sei zurückgewichen, bis er mit dem Rücken an der Wand stand. Dann habe der Mann zugeschlagen und ihn mit der Faust am Arm getroffen. Nachdem Dold ein Hausverbot ausgesprochen und angekündigt hatte, die Polizei zu rufen, sei der Mann direkt geflohen.

„Die Verletzung ist nicht schlimm, aber mental hat es Spuren hinterlassen“, sagt Martin Dold. Der Schock halte auch am Tag nach dem Vorfall an. „Das war ein Extremfall, dass es körperlich wird, habe ich noch nie erlebt“ – und der 44-Jährige hat jahrzehntelang im Einzelhandel gearbeitet. Es sei für ihn schwer zu begreifen, dass jemand übergriffig wird, weil ein anderer einfach seinen Job macht.

Polizei hat Tatverdächtigen ermittelt

Die Polizei hat den Mann, es liegt ein Tatverdacht auf Körperverletzung vor, bereits ermittelt – was wegen der Adresse auf dem Paket nicht allzu schwer gewesen sei, wie Polizeisprecher Thomas Batzel auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Der Mann habe nun in dieser Postfiliale Hausverbot, was ihm noch schriftlich und per Einschreiben mitgeteilt werde.

„Uns ist wichtig, dass sich unsere Partner nicht allein gelassen fühlen“, teilt ein Sprecher der DHL-Group auf Anfrage unserer Zeitung mit und zeigt sich erleichtert, dass solche Vorfälle sehr selten seien. „Wir nehmen umgehend Kontakt zu unserem Partner auf und stellen ihm einen Ansprechpartner in der Region zur Seite“, heißt es weiter in der Mitteilung. Zudem stehe die Unternehmensgruppe für einen respektvollen Umgang in den Filialen. Mehr als 94 Prozent der Kunden seien zudem mit den Partner-Filialen im Einzelhandel zufrieden.

Familie fühlt sich nicht mehr sicher

Für die Familie Dold ist der Vorfall aber noch nicht ausgestanden. Sie fühlen sich für den Moment nicht mehr sicher bei der Arbeit in der Postfiliale, erklären beide. Auch wenn es dieses Mal ohne ernste Verletzungen ablief, der Gedanke „Was wäre wenn?“ sei nun sehr präsent, wie Martin Dold erklärt. Vor allem mache er sich Sorgen um seine Mutter: „Was ist, wenn sie mal allein im Laden ist, weil ich unterwegs bin?“

„So leicht geben wir nicht auf“

Gemeinsam beraten sie nun, wie sie sich besser schützen könnten. Sicherheitskameras zu installieren sei eine dieser Überlegungen, ebenso ein Notknopf am Schalter mit direkter Verbindung zur Polizei. Dies sei mit Kosten im fünfstelligen Bereich für kleine Mittelstandsunternehmen allerdings fast nicht zu stemmen. Auch der Gedanke ans Aufhören sei der Familie schon gekommen: „Aber so leicht geben wir nicht auf.“

Postfiliale für Eimeldingen wichtig

Zudem wisse die Familie um die Notwendigkeit einer Postfiliale in Eimeldingen, weil derzeit in den umliegenden Dörfern gerade zwei geschlossen hätten: eine wegen Umbaus und eine wegen technischer Probleme, sagt Dold. Deshalb habe die Familie viel Zuspruch erfahren, als sie vor wenigen Wochen eine Poststelle in ihr Geschäft integrierte.

Auch aus diesem Grund gebe es derzeit viel Arbeit: die Rabattaktion „Black Friday“ habe eine wahre Paketflut ausgelöst – und Weihnachten steht bevor. Danach erwarten die Dolds dann wohl die Retouren des Umtauschgeschäfts.