Briefe, die über Wochen nicht ankommen, keine Rückmeldung auf Anfragen und kaum Aussicht auf Besserung – erneut ist die Postzustellung für viele St. Georgener ein Mega-Aufreger.
St. Georgen - Drei Menschen aus St. Georgen melden sich unabhängig voneinander bei unserer Redaktion. Doch das Anliegen, das sie vorbringen, ist dasselbe: Sie wollen auf einen Missstand hinweisen, der – wieder einmal – in der Stadt herrscht. Die Postzustellung, bei der es derzeit enorm zu hapern scheint. Seit rund zwei Wochen, schildern zwei St. Georgener, hätten sie schon keine Post mehr bekommen. Von einem Schreiben des Landratsamts, das sich um fast einen Monat verspätet hat, ist in der dritten Zuschrift die Rede. "Es ist furchtbar", fasst ein Leser die Situation im Gespräch mit unserer Redaktion zusammen.
Und noch etwas treibt alle drei auf die Palme: Bei der Post scheint sich keiner für das Problem zu interessieren, schildern sie übereinstimmend ihren Eindruck. Beschwerden beim Unternehmen haben bis jetzt nichts gebracht, heißt es. Und: "Bei der Post erhalten wir keine Auskunft" darüber, wo das Problem liegt. Und so treibt die Verzweiflung ihre Blüten. Auch zu Testzwecken an die eigene Adresse verschickte Briefe kommen in zwei Fällen nicht an – selbst wenn sie als Prio-Schreiben verschickt wurden.
Die Post macht kaum konkrete Angaben
Die Antwort, die man auf eine Presseanfrage bei der Deutschen Post bekommt, bleibt trotz konkreter Fragestellungen vage. So teilt Sonja Radojicic, die bei der Post die regionale Kommunikation Süd leitet, schriftlich mit: "Leider müssen wir Probleme, vor allem in der Briefzustellung, in manchen Regionen Baden-Württembergs einräumen." Dass diese auch St. Georgen betreffen, bleibt nur impliziert – erscheint aufgrund der Schilderungen gegenüber unserer Redaktion aber offensichtlich.
Personalsituation ist angespannt – auch durch Corona
Auch zu den Gründen für die Probleme nimmt Radojicic Stellung: "Grund sind in erster Linie deutlich höhere Personalausfälle aufgrund von Corona-Infektionen. Diese höheren Personalausfälle können aufgrund der sehr angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt nur begrenzt durch die Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte kompensiert werden." Wie "alle anderen Unternehmen in Deutschland" kämpfe auch die Deutsche Post mit der "überaus angespannten Lage am Arbeitsmarkt", teilt die Sprecherin mit. Diese mache die Gewinnung von notwendigen Arbeits- und Aushilfskräften "herausfordernd".
Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt ein Leser, er habe über einen Zusteller erfahren, dass im Frühjahr im Bereich St. Georgen noch Angestellte entlassen wurden. Stimmt das? Auch diese Frage enthält unsere Anfrage an die Deutsche Post. Pressesprecherin Radojicic geht in ihrer Antwort überhaupt nicht auf das Thema ein.
Notfallkonzept soll Zustellung sichern
Sie erklärt aber, welche Maßnahmen die Deutsche Post ergriffen habe, um die Personalsituation abzufedern: "Um Zustellausfälle über mehrere Tage zu vermeiden, wenden wir an Standorten mit besonders hohen Personalausfällen das sogenannte Corona-Notfallkonzept an." Dieses sieht nach Angaben der Pressesprecherin unter anderem vor, "dass – bei einer werktäglichen Zustellung – die Haushalte nur jeden zweiten Werktag Briefe erhalten. Das Konzept führt zwar zu längeren Brieflaufzeiten, verhindert aber Zustellausfälle über längere Zeiträume."
Ob das Konzept in St. Georgen angewendet wird, bleibt in Radojicics Antwort auf unsere Anfrage offen. Ein Ausbleiben der Zustellung über einen Zeitraum von zwei Wochen, wie es gegenüber unserer Redaktion geschildert wird, würde eine Umstellung auf das Corona-Notfallkonzept allerdings nicht erklären.
Notkonzept hin oder her – die Belastung für die verbleibenden Zusteller der Deutschen Post dürfte vor dem Hintergrund der aktuellen Personalengpässe hoch sein. "Die Zusteller sind am Rande ihrer Belastbarkeit", schildert ein Leser im Gespräch mit unserer Redaktion seinen Eindruck. Und "stinksauer auf ihren Arbeitgeber" seien sie obendrein.
Ist eine Lösung in Sicht?
Bleibt die Frage nach einer Lösung des Problems. Ist ein Ende in Sicht? Wie lange wird die Postzustellung in St. Georgen noch ein Problem bleiben? Auch auf diese Fragen macht Radojicic keine genauen Angaben: "Eine werktägliche Zustellung an alle Haushalte kann dann wieder durchgeführt werden, wenn hierfür ausreichendes Personal vorhanden ist. Dies ist wiederum im Wesentlichen vom Infektionsgeschehen und von der Personalrekrutierung am Arbeitsmarkt abhängig", teilt die Sprecherin der Post mit.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage heißt das für die St. Georgener Haushalte erst einmal wohl vor allem eines: durchhalten.