Die Polizei leuchtet den Parkplatz mit Scheinwerfern aus. Foto: privat

Fahrer PS-starker Autos haben sich nach einem Aufruf bei Instagram in Balingen getroffen - am Parkplatz bei Edeka und Rewe. Bis zu 100 Fahrzeuge sollen am Start gewesen sein. So hat ein Teilnehmer den Abend erlebt.

Bis zu 100 Fahrzeuge könnten nach Schätzungen der Polizei am Start gewesen sein. Das bestätigt auch ein Insider, der aus Neugier dem Aufruf gefolgt war.

 

Im Campingstuhl chillen, gemütlich eine Shisha rauchen – so lautete der mittlerweile gelöschte Aufruf eines Nutzers bei Instagram. „Solche Treffen gab es erstmals während Corona“, berichtet der junge Mann, der anonym bleiben möchte.

Am Samstagabend hat er beobachtet, dass Leute aus Tübingen, Villingen, Reutlingen oder auch Singen nach Balingen angereist waren.

Als Hochburg der regionalen Poserszene gelten bislang eher Reutlingen und Ebingen, meint der Mann. Möglich, dass sich die Szene nach Balingen verlagere, mutmaßt der Auto-Fan. Denn, so berichtet er, die Polizei habe das Geschehen in den beiden Städten fest im Auge und ziehe dann auch getunte Fahrzeuge aus dem Verkehr.

Polizei hat solche Treffen im Auge

Ausgebremst wurden die Poser allerdings auch in Balingen. Als nach Schließung der Supermärkte gegen 22 Uhr mehr und mehr Boliden auf den Parkplatz fuhren, rollten auch Streifenwagen an. „Die Polizisten haben Kennzeichen notiert und ein Fahrzeug stillgelegt“, sagt unser Informant.

Solche Treffen habe die Polizei stets im Auge, sagt Christian Wörner, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Reutlingen, auf Anfrage unserer Redaktion. Ab 22 Uhr hätten seine Kollegen zahlreiche Fahrzeuge festgestellt, die mutmaßlich der Poserszene zugerechnet werden könnten und die sich dort im Wechsel trafen, aufhielten und wieder wegfuhren, so Wörner weiter. „Während unserer laufenden Überwachungs- und Präsenzmaßnahmen kam es zu keinen besonderen Vorkommnissen“, berichtet der Sprecher.

Es dürften 100 Autos gewesen sein

Gegen 23 Uhr verließen die meisten Fahrzeuge die Örtlichkeit, sodass gegen 3.30 Uhr dort nur noch vereinzelt Autos angetroffen werden konnten, gibt Wörner bekannt. „Aufgrund des regen Wechsels und der dauernden An- und Abfahrten können wir keine belastbaren Zahlen zu der Anzahl der Fahrzeuge nennen. In der Spitze dürften sich dort schätzungsweise aber schon rund 100 Autos aufgehalten haben.“

Einige Fahrer hätten ihre Autos zum Driften gebracht, wie beobachtet wurde. Dabei entstehen durch den Abrieb des Reifengummis Streifen auf dem Asphalt, die noch tagelang sichtbar sind. Folgen für die Verursacher dürfte dies nicht haben, wie der Polizeisprecher erklärt: „Eine Sachbeschädigung nach Paragraf 303 des Strafgesetzbuches setzt laut Gesetz eine rechtswidrige und vorsätzliche Beschädigung oder Zerstörung einer fremden Sache oder eine unbefugte und nicht nur unerhebliche, nicht nur vorübergehende Veränderung des Erscheinungsbildes einer fremden Sache voraus.“

In der Nacht gab es zwei Unfälle

Das klingt sperrig, bedeutet aber im konkreten Fall: Bei Reifenspuren sei dies eher nicht zu erwarten, da der Abrieb im Laufe der Zeit durch die Witterung wieder verblasse beziehungsweise verschwinde.

In der Nacht des Posertreffens gab es zweu Unfälle: ein 24-Jähriger verlor die Kontrolle über seinen Porsche Panamera. Der Wagen schanzte über einen Abhang. Die Bilanz: drei Mitfahrer wurden leicht verletzt, das Auto hat nur noch Schrottwert. Außerdem waren an der Kreuzung zwischen Bauhaus und Mauk gegen 1.35 Uhr zwei Autos wegen einer Vorfahrtsverletzung gegeneinander geprallt.

Ob die Unfälle mit dem Treffen zusammenhängen? Laut Polizei liegen dazu keine Informationen vor.

Mit wie vielen Beamten und Einsatzfahrzeugen die Polizei im Einsatz war? „Zur Anzahl unserer Einsatzkräfte machen wir keine Angaben,“ so Wörner. Laut Zeugen waren rund vier Streifenwagen sowie ein Zivilfahrzeug im Einsatz.