Sie ist eine vehemente Verfechterin des Innenstadthandels, kennt sich aus in Sachen Tourismus, liebt „ihre“ Stadt und will als neue Citymanagerin dafür sorgen, dass das alle anderen auch tun – Simone Mader aus Villingen.
Für die 46-Jährige müssen dafür alle an einem Strang ziehen – die Stadt, die Händlerinnen und Händler, die Gastronomie, aber auch die Immobilieneigentümer und nicht zuletzt die Bürgerschaft, in dem sie das ihr Gebotene auch annimmt.
Hohe Mieten auf der einen und Online-Käufe auf der anderen Seite seien da kontraproduktiv, findet Simone Mader.
Als gebürtige Villingerin wuchs sie mit Eltern und Bruder in der Südstadt auf, machte an der St. Ursula den mittleren Schulabschluss, an den Zinzendorfschulen in Königsfeld 1998 ihr Abitur und beim einstigen Villinger Reisebüro Diehr eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau. Nach dessen Insolvenz wechselte sie zu Bühler, lernte die Welt kennen, interessierte sich auch für die Hotelbranche und nahm in Frankfurt bei einem Reiseveranstalter Einblicke ins Eventmanagement.
Zurück in die Heimat
2004 folgte ein BWL-Studium in Heilbronn mit dem Schwerpunkt Tourismus, das sie mit der parallelen Arbeit bei einer Eventagentur und im Anzeigenbüro einer Tageszeitung selbst finanzierte. Nachdem sie für vier weitere Jahre in die Mainmetropole zurückgekehrt und in einer Marketingagentur weitere Erfahrungen gesammelt hatte, zog es sie zurück in die Heimat – heim zur Familie und zu ihrem Partner.
„Je älter man wird, umso wichtiger werden schließlich die persönlichen Beziehungen“, sagt sie. Nur kurz schnupperte sie in die damalige Wirtschaftsförderungs-GmbH der Stadt, denn schnell stellte sie damals fest: „Dort war man noch nicht bereit für Veränderungen“. Sie heuerte stattdessen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) an und blieb – unter anderem als Innenstadtberaterin für VS – elf Jahre lang.
„Heimathafen“ hat Erfolg
2015 erfüllte sich Simone Mader mit der Gründung des „Heimathafens“ in der Schlachthausstraße in Villingen einen Traum, zunächst nebenberuflich. Die Mischung aus Workshops in der Kreativwerkstatt und Einzelhandel kam trotz des abgelegenen Standorts gut an. Deshalb wagte sie mit ihrer Freundin Petra Müller Ende 2019 für drei Monate den ersten Pop-up-Store in der Brunnenstraße. „Da gab es dieses Konzept noch gar nicht, wir waren die Ersten“, sagt sie augenzwinkernd.
Aufgrund des Erfolges verlängerte sie nicht nur auf zwei Jahre, sie vergrößerte sogar ihre Fläche und zog in die Rietstraße an den heutigen Standort. Außerdem entstand 2022 in der Oberen Straße ein zweiter „Heimathafen“, so dass sie seither neben Mode auch das Thema „Schwarzwald“ und Concept Store abdeckt. „Ich bin null ängstlich“, sagt Simone Mader angesichts solch mutiger Entscheidungen, die in ihrem Fall zu einem gesunden Wachstum führten.
Anfrage der Stadt
Die ersten sieben Jahre ihrer Selbstständigkeit waren mit ihrer Anstellung bei der IHK wirtschaftlich noch abgesichert. Doch sie reduzierte sukzessive und im März 2024 kündigte sie zu Gunsten ihrer Aufgaben als Geschäftsfrau. Postwendend kam die Stadt mit der Anfrage auf sie zu, ob sie sich neben Citymanager Thomas Herr auf einer halben Stelle bei der WIR GmbH um das Image der beiden Stadtzentren kümmern wolle. Sie wollte und „damit schloss sich der Kreis“, sagt sie heute und denkt an ihr Intermezzo beim WIR-Vorgänger Wirtschaftsförderung zurück und daran, dass „die Zeit jetzt reif ist“.
Ihre Ideen
Eine Innenstadt lebe, anders als noch vor 20, 30 Jahren, nicht mehr vom Handel alleine, weiß die Fachfrau. Für eine Stadt gelte es, Aufenthaltsflächen zu schaffen, was in der Vergangenheit sowohl in Villingen (Rietstraße) als auch in Schwenningen (Marktplatz) ja schon geschehen sei. Auch die Ansiedlung von Banken, Ärzten oder gastronomischen Betrieben sorge dafür, dass Stadtkerne belebt und somit auch sicherer werden, argumentiert sie.
Die Ideen gehen Simone Mader nicht aus. Der Antikmarkt geht auf einen ihrer Kontakte zurück. Für ihren eigenen Handel hat sie die Rückkehr von Modeschauen als Kundenmagnet umgesetzt. Das Citymanagement-Team habe für 2025 einiges in petto, „die Bürger dürfen gespannt sein – ein Mehrwert für die Innenstädte“, mehr verrät sie noch nicht.
Aktuell betreut Simone Mader auch den Hiddelesgutschein und will den Arbeitgebergutschein als Teil davon als Entgelt oder Bonus für die Mitarbeitenden bekannter machen. „Der muss ja nicht von Amazon sein“, findet sie.
Und privat?
Privat schlüpft die begeisterte Rennradfahrerin demnächst wieder ins Wueschthäs und macht an der Villinger Fasnet Rabatz, was ihr schon immer besser gefallen hat als die zurückhaltende Aristokratie der anderen historischen Figuren. Rabatz, das will sie weiterhin auch als Geschäftsfrau und Citymanagerin machen – zum Wohle der Stadt.