Siegfried Beha, der in Weilersbach wohnt, hat seinen Schritt nie bereut, vom Bäckerhandwerk in die Pflege gewechselt zu sein. Foto: Heinig

"Das ist für mich ein höchst abwechslungsreicher und sinnvoller Beruf". Wenn Siegfried Beha jetzt in Rente geht und auf seine Berufstätigkeit zurückblickt, dann meint er damit die vergangenen 25 Jahre, in denen er im Heilig-Geist-Spital in der Pflege tätig war.

VS-Villingen/Weilersbach - Denn der 65-Jährige hat noch einen zweiten, besser gesagt, ersten Beruf: er ist auch Bäckermeister. Hineingeboren wurde er in eine Bäckerfamilie.

25 Jahre im Familienbetrieb

Sein Großvater Otto Seifritz gründete einst in der Kanzleigasse in Villingen eine Bäckerei, die sich bis heute an der gleichen Stelle befindet und inzwischen unter dem Namen Beha stadtbekannt ist. Ganz automatisch sei er Bäcker geworden, erzählt Siegfried Beha, obwohl er das nicht hätte müssen. Gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Schwester war er 25 Jahre lang im Familienbetrieb tätig, der als einer der ersten die Vollkornlinie entwickelte und damit heute – in vierter Generation – Kunden auch von außerhalb der Stadtmauern anzieht.

Mit 40 Jahren in den zweiten Beruf

Da der Vater frühzeitig zu einem Pflegefall wurde und unter anderem von seinen Kindern betreut wurde, kam Siegfried Beha im Alter von 40 Jahren mit dem Pflegeberuf in Berührung – und fand Gefallen daran. Da er die Bäckerei in guten Händen wusste, erfüllte er sich den Wunsch nach einem zweiten Beruf und wurde Altenpfleger. Die dreijährige Ausbildung, deren schulischen Teil er in der Albert-Schweitzer-Schule absolvierte, erfuhr er im Heilig-Geist-Spital, damals stand das noch in der Schertlestraße.

Entschluss nie bereut

Von dort wurde er als Fachkraft übernommen, war später 13 Jahre lang Wohnbereichs- und zuletzt Pflegedienstleiter. Dafür wurden zwei zusätzliche nebenberufliche Ausbildungen fällig. Auch die Fortbildung zur Palliativfachkraft nahm Siegfried Beha auf sich.

Bereut habe er seinen Entschluss nie, sagt er, obwohl auch das kreative Bäckerhandwerk für ihn seinen Reiz hatte. "Mich hat es dennoch in die Pflege gezogen", sagt er rückblickend. Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten und ihnen Lebensqualität zu ermöglichen, das, die guten Arbeitsbedingungen im Heilig-Geist-Spital und die Unterstützung seiner Frau habe ihn bis zuletzt sehr befriedigt.

Für das Spittel gelebt

Und das haben offensichtlich auch seine Kollegen gespürt. Denn bei seiner Verabschiedung hieß es: "Siegfried, Du hast für das Spittel gelebt". Die Menschen, die heute in ein Alten- und Pflegeheim ziehen, sind älter und kranker als noch vor 25 Jahren. Heime gelten als No-go-Area. Schuld daran seien die negativen Schlagzeilen über Häuser, in denen Missstände herrschen, glaubt Siegfried Beha. "Aber schwarze Schafe gibt es in jeder Branche und sie sind nicht in der Überzahl". Wo Menschen arbeiten, passieren immer auch Fehler, aber wenn man sie aufbausche, nütze das weder den Betreibern noch den Bewohnern und ihren Angehörigen, findet er.

Stellen und Bezahlung

In seinen vielen Berufsjahren habe er erkannt, dass gegen Fehler vor allem ein Stellenschlüssel helfe, der es den Pflegenden ermöglicht, in Ruhe und ohne Hektik zu arbeiten. "Und klar, die Bezahlung spielt dabei auch eine Rolle". Zwar werde der Verdienst allmählich besser, die Anforderungen steigen aber auch ständig.

Viele Dienstpläne

Neben der Zuwendung und Pflege der Heimbewohner musste in den letzten Jahren auch immer mehr dokumentiert werden – in der gleichen Zeit. Gab es früher nur eine Bewohnerakte und ein Übergabebuch, so füllten die Protokolle und Evaluationen bald ganze Regalwände und mit der Digitalisierung jetzt die Festplatten. Die pflegerischen und wissenschaftlichen Expertenstandards entwickeln sich weiter – "eine gute Sache", findet Siegfried Beha. Aber die Vorteile für den einzelnen Bewohner relativieren sich, da die Fachkräfte weniger Zeit für ihn haben.

20 Jahre lang hat er Dienstpläne für das Personal des Heilig-Geist-Spitals geschrieben: für Pflegefachkräfte, Alltagsbegleiter und Präsenzkräfte in der Hauswirtschaft. Nicht erst seit Corona sei es eine tägliche Herausforderung, wenn morgens die Anrufe mit Krankmeldungen kommen und man schnell Ersatz finden müsse. "Das kam einem manchmal schon wie eine Mangelverwaltung vor".

Und die Zukunft?

Wenn er den Fachkräftemangel in der Branche und den steigenden Pflegebedarf der Bevölkerung betrachte, dann habe er Bauchweh, gibt Siegfried Beha zu. Auch was einst seine eigene Pflege angehe. "Da will man nicht unbedingt 100 Jahre alt werden", sagt er und schmunzelt süßsäuerlich.

Er tut einiges für seine Gesundheit

Deshalb wünscht er sich für seinen Ruhestand insbesondere Gesundheit – und tut einiges dafür. Von seinem Wohnort Weilersbach aus kam er bis an seinem letzten Arbeitstag im Heilig-Geist-Spital am Warenbach am liebsten mit dem Fahrrad, und für den Heimweg wählte er ab und an die Route über Bad Dürrheim. Mit Radeln, Wandern und Singen als Bass im Gospelchor "Voices of Joy" hält er sich fit. Seine Hoffnung: Vielleicht lerne die Bundesregierung in Sachen Pflegesystem irgendwann von anderen Ländern wie der Schweiz und Skandinavien, denn "die machen’s vor".