„Ein Herz für VS“ heißt der Blog von Rudolf Reim, in dem er zweimal wöchentlich Gründe nennt, warum man hier sein Herz verlieren kann. Foto: Heinig

Wo soll man bei Rudolf Reim anfangen? Der 61-jährige sprüht vor Interessen und Ideen, kaum ein doppelstädtisches Ereignis, an dem er nicht teilnimmt, was er nicht vielleicht im Hintergrund sogar beeinflusst hat.

Außerdem hat sich der Kaufmann nach eigener Aussage in Sachen Konsum „vom Saulus zum Paulus“ gewandelt.

 

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt ihn – sehr zur Freude seiner vier Kinder – nachdrücklich und so wurde aus dem einstigen „Hyperkonsument“ mit Autos, Motorrad, mehreren Fahrrädern und Armbanduhren ein Mann, der sich modischen Einflüssen entzieht, im Unverpacktladen einkauft und auf die Regionalität von Produkten achtet.

Er stammt aus Franken

Doch von vorne: Rudolf Reim stammt aus Veitshöchheim bei Würzburg. Großvater und Vater waren Gemüsebauern und Gärtner, eins seiner fünf Geschwister führt den elterlichen Gartenbaubetrieb bis heute. 1978 begann Reim bei einem Würzburger Fotohändler, seinerzeit ein Branchenführer, seine Ausbildung und blieb 30 Jahre lang.

Zuletzt war er Geschäftsführer und Gesellschafter. Danach wechselte er zu einer der großen Händlergruppen in der Elektronikbranche. Der kurze Ausflug zu einem Online-Händler bestätigte ihm, dass dieser Vertriebsweg nicht der seine ist.

Bei Hoerco

Der direkte Kontakt zum Kunden war ihm auch in den drei Jahren als Geschäftsführer von Hoerco stets wichtiger. Als er 2016 nach Villingen-Schwenningen geholt wurde, habe er die Stadt nicht gekannt, sich aber Hals über Kopf in sie verliebt. Er liebt es, Menschen und deren Geschichten kennenzulernen. So wurde aus ihm ein „bekennender Villingen-Schwenninger“.

Was dann alles kam

2019 entschied er sich für eine Auszeit. Seine Reisewünsche machte die Coronapandemie zunichte. Stattdessen ließ er sich zum Stadtführer und Gästeführer für den Naturpark Südschwarzwald ausbilden, ferner bei der IHK zum Businesscoach und Wirtschaftsmediator. Er unterstützte den parteilosen OB-Kandidaten Jörg Röber, übernahm den Vorsitz des Fördervereins der Bürgerstiftung und sprang dem Verein „Waldkulturscheune“ als Mädchen für alles zur Seite. Er sitzt auch im Prüfungsausschuss der IHK. Das Ehrenamt liegt ihm am Herzen. Deshalb lädt er alljährlich bürgerschaftlich engagierte Menschen der Stadt gratis zu einer Stadtführung ein.

Interesse an Umwelt

Schon in seiner Zeit bei Hoerco spürte Rudolf Reim ein wachsendes Interesse an der Umwelt. Mit Sport- und Ernährungsangeboten für die Belegschaft, Müllsammelaktionen und der Beteiligung an den Nachhaltigkeitstagen Baden-Württembergs, die gerade zum elften Mal stattfinden, begann, was Reim inzwischen auch privat ständig weiterentwickelt.

So hatte er die Idee zur„Landschaftspatenschaft“. Nachdem er im Kurgebiet zum ersten Mal mit Tüte und Greifzange Müll einsammelte und dabei von einem Passanten gefragt wurde, wofür er denn Sozialstunden abzuleisten habe, nahm er Kontakt zum Abfallwirtschaftsamt des Landkreises auf. Herausgekommen ist nach etlichen ein Patenschaftsmodell, an dem sich jeder Bürger beteiligen kann, vom Kreis dafür ausgerüstet und dort auch das Sammelgut los wird. Inzwischen folgen viele Menschen seiner Idee.

Rudolf Reim ist auch ein „Food-Sharer“. Dass 30 Prozent unserer Lebensmittel im Müll landen, entsetzte ihn. Er meldete sich als Food-Sharer, durchlief einen überschaubaren Verwaltungsakt und ist seither von einigen Läden berechtigt, abends übrig gebliebene Lebensmittel in Empfang zu nehmen. Die verteilt er in erster Linie an Bedürftige in seiner Nachbarschaft und aus dem Bekanntenkreis, aber auch an alle, die sie brauchen können. „Hauptsache, sie landen nicht im Container“, sagt Reim.

Blog Herz für VS

Dass Villingen-Schwenningen schöner ist, als insbesondere von seinen Bewohnern wahrgenommen, das beweist Rudolf Reim gerade mit seinem Blog „Ein Herz für VS“, in dem er zweimal wöchentlich Gründe nennt, warum man hier sein Herz verlieren kann. Ein aus Holz geschnitztes Herz ist immer dabei auf dem Weg zu 99 Tipps, die es einmal werden sollen. 73 hat er schon gefunden.

Zurück in den Beruf

Im März 2022 ging der umtriebige Freigeist noch einmal zurück in den Beruf – „einen ganz neuen“ – und kümmert sich jetzt bei einer Schwenninger Krankenkasse um den Gesundheitsmarkt. Das tut seinen sonstigen Engagements keinen Abbruch. Er sagt, sein Tag habe ohnehin mehr Stunden, denn „mein Leben ist mein Hobby“.