Seit Ende Januar ist er offiziell im Ehrenamt und als Nachfolger von Klaus Martin vereidigt: Jürgen Goltz ist der neue Ortsvorsteher von Obereschach, dem nördlichsten Ortsteil von Villingen-Schwenningen.
Damit endete eine mehrmonatige Einarbeitungszeit, in der er unter anderem in den Ortschaftsräten der Umlandgemeinden und im Gemeinderat der Gesamtstadt hospitierte.
Jürgen Goltz rief nicht sofort „hier“, als sein Vorgänger vor der Kommunalwahl im Juni vergangenen Jahres verkündete, nicht mehr zu kandidieren. Nachdem die Suche nach einem Nachfolger zunächst ergebnislos blieb, übernahm Klaus Martin noch einmal kommissarisch, und bei Jürgen Goltz reifte der Plan zur Kandidatur. Der gebürtige Obereschacher wurde gewählt und übernimmt nun die Geschäfte.
Goltz lebt seit seiner Geburt vor 62 Jahren in dem 1269 erstmals urkundlich erwähnten Ort mit heute rund 1700 Einwohnern. „Hier hatte ich eine glückliche Kindheit“, erzählt er. Hier ging er zur Grundschule, hier lernte er im Autohaus vor Ort den Beruf des Kraftfahrzeugmechanikers, hier gründete er eine Familie.
Mit Obereschach und seinen Einwohnern fühlte er sich schon immer verbunden, sagt er, und nun sei es an der Zeit, „etwas zurückzugeben“. Das tut er allerdings schon seit 2019, denn da wurde er gleich im ersten Anlauf in den Ortschaftsrat gewählt.
Viele Gespräche
Doch jetzt weht ein anderer Wind. Nach 20 Jahren als technischer Lehrer an der Gewerbeschule VS genießt er eine Vorruhestandsregelung, die es ihm erlaubt, den Fulltime-Job eines Ortsvorstehers auszufüllen. Jetzt ist er nahezu jeden Tag im Rathaus anzutreffen, und auch nach Feierabend geht das Ehrenamt weiter: Er führt mit vielen Menschen Gespräche, besucht die Mitgliederversammlungen aller 14 Vereine, begeht Örtlichkeiten und macht sich so seine Gedanken über die nähere und weitere Zukunft Obereschachs.
Wichtige Vereine
Im Sportverein trat er über 30 Jahre lang aktiv den Fußball und ist inzwischen auch Mitglied in dessen Förderverein. Seine Frau Bettina betreute jahrelang die Damengymnastikgruppe, leitete das Kinderturnen und gab beim Tennisclub Jugendtraining. „Vereine sind unser soziales Fundament“, weiß Jürgen Goltz und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit mit den Vorstandsmitgliedern in den Vereinen, um Probleme zu besprechen und Dinge zu regeln.
Und genau deshalb, betont er, sei das Gremium Ortschaftsrat so wichtig für eine Gesellschaft: Die Räte und Rätinnen sind vor Ort und haben ihre Ohren hautnah an der Bürgerschaft. Deshalb können deren Wünsche manchmal schnell und zumeist auch unbürokratisch erfüllt werden, was Zufriedenheit auslöst und so den sozialen Zusammenhalt sichert.
Neben dem ständigen Kontakt zu den Menschen hat sich Jürgen Goltz zum Ziel gesetzt, die Obereschacher Infrastruktur wie Kindergarten, Schule, Feuerwehr, Vereinshaus, Sportlerheim sowie Verbindungsstraßen und Wanderwege nicht nur zu erhalten, sondern noch auszubauen.
Schon beschlossene Sache sind der Außenaufzug für das Vereinshaus „Alte Schule“ und die Ampelanlage für den Fußgängerüberweg in der Neuhauser Straße in Richtung Schule. Auch die Fortführung der Breitbandversorgung des Ortes und in deren Zuge die Sanierung der Augenmoosstraße stehen bereits auf der Agenda.
Seine Visionen
Visionär ist dagegen ein Konzept für betreutes Wohnen für ältere Mitbürger. Auch die Wiederbelebung eines Jugendraumes könne er sich vorstellen – „sofern gewünscht“, sagt Goltz. Erste Gespräche mit jungen Obereschachern hat er dazu bereits geführt.
Und in der Freizeit?
Als Kraftfahrzeugmeister bleibt Jürgen Goltz seinem ersten Beruf treu – wenngleich inzwischen nur noch in der Freizeit. Er hält seine Oldtimer und den Fuhrpark seiner Familienangehörigen mit acht Enkeln am Laufen und freut sich über jede Landmaschine, der er nahekommen kann. Seinen eigenen „Motor“ pflegt er mit viel Bewegung durch Joggen, Radfahren und Wandern.
Er weiß, dass seine neuen Aufgaben als Ortsvorsteher Zeit kosten werden, die er aus Dankbarkeit aber gerne aufbringt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Einführung einer wöchentlichen Bürgersprechstunde.
An der Fasnet
Bald feiert Obereschach Fasnet. Pflichttermine für den Ortsvorsteher sind die Bälle der Gayser-Gilde und des Musik- und Trachtenvereins sowie der Umzug „rum und num“, der diesmal in Weilersbach stattfindet. Dabei werden sicherlich schon die Planungen für die Feierlichkeiten zu 50 Jahren Gayser-Gilde im nächsten Jahr mitgedacht.
Am 10. Februar wird Jürgen Goltz als Ortsvorsteher zum ersten Mal eine Ortschaftsratssitzung leiten. Auf der Tagesordnung steht neben der Verkehrsberuhigung der Neuhauser Straße auch die Zukunft des Farrenstalles.