Jörg-Dieter Klatt ist ein überzeugter Ehrenamtler. Foto: Birgit Heinig

„Das Interesse der Bevölkerung ist ungebrochen groß“. Jörg-Dieter Klatt spricht von den Modelleisenbahnanlagen in der Stadt, die in der Adventszeit wieder großen Zulauf erfuhren.

Er selbst ist beim Villinger Modelleisenbahnclub (VEC) aktiv, außerdem Mitglied der Eisenbahnfreunde Breisgau und hat in Dauchingen die Kooperation „Holz auf der Spur“ mit ins Leben gerufen.

 

Bei ihm zu Hause in Überauchen ist seine Faszination für den Modellbau an vielen Stellen sicht- und spürbar. Nicht nur, dass er eine gut ausgestattete Werkstatt hat und ein Büro, in dem Lokomotiven in verschiedenen Maßstäben in den Regalen stehen, er hat in seinem Garten auch eine Bahnanlage im Maßstab 1:22,5 installiert – sehr zur Freude seiner acht Enkel.

Nur eine eigene Modelllandschaft hat er nicht, denn die steht beim VEC in der Webergasse. „Ich bin kein Kellermensch“, sagt Jörg-Dieter Klatt. „Ich bastele gerne in Gesellschaft“.

Gebürtiger Freiburger

Der 70-Jährige ist gebürtiger Freiburger und wuchs quasi neben der Höllentalbahn auf. Er war vier, als er seine erste kleine Eisenbahn geschenkt bekam. Seither lässt ihn der Modellbau nicht mehr los.

„Der Klebstoff für die Faller-Häusle riecht heute noch genauso wie damals“, sagt er und lacht. Das Kreieren von Landschaften sei allerdings nicht so sein Ding, gibt er zu. Lieber werkelt er „an allem, was man nicht sieht“, also an der Elektrik und Elektronik, an den Verdrahtungen und Antrieben. Daher ist er der Mann für die Fahrzeugpflege.

Besucher lieben Details

Wie sehr Modellbahnen aber auch in ihren naturgetreuen Darstellungen geschätzt werden, hat er in der Adventszeit gerade wieder erlebt. „Viele Besucher lieben die kleinen Details und die von den Landschafsbauern inszenierten Szenen, die Geschichten erzählen“.

Aus keinem anderen Grund erlebe auch das Miniaturwunderland in Hamburg eine so große Resonanz, ist Klatt sich sicher. Das Zusammenspiel von Technik und Landschaftsbau begeistere auch die Jugend, stellt der Pädagoge immer wieder fest.

Kein aussterbendes Hobby

Den Nachwuchs angesichts der Angebotsvielfalt von Beschäftigungen allerdings bei der Stange und im Verein zu halten, das sei nur mit größtem Aufwand möglich. Daher entstehe fälschlicherweise immer wieder der Eindruck, dass der Eisenbahnmodellbau ein aussterbendes Hobby sei.

Dem widerspricht Klatt nicht nur, er geht sogar einen Schritt weiter. In einem Vortrag hat er auf einer internationalen Fachmesse schon einmal den Modellbau bei angesagten Ausstellungen der Region mit wertvollen Gemälden der Renaissance verglichen und festgestellt, dass, was Detailtreue, Fantasie und künstlerisches Können angeht, das eine dem anderen in nichts nachstehe. „Es wird nur leider nicht so wahrgenommen und geschätzt“.

Adventszeit eignet sich

Dass Modelleisenbahnanlagen hauptsächlich in der Vorweihnachtszeit gezeigt werden, liegt für Jörg-Dieter Klatt in der Tradition. Die dunkle Jahreszeit eignet sich besonders für Bastelarbeiten und die vielen „Lichtle“ in den Anlagen entfalten dann besonders ihren Reiz. Außerdem bekamen Jungs früher ihre ersten kleinen Loks in der Regel zum Fest der Feste geschenkt. Er zeigt Bilder, auf denen er mit seinem Vater und seinem Opa am ersten Schienenkreis bastelt.

Lehrer in der Region

Jörg-Dieter Klatt war schon immer ein überzeugter Ehrenamtler. Er studierte in Freiburg evangelische Religion und Technik für das Lehramt, kam 1979 an die Villinger Bickebergschule und zog 1983 mit seiner Frau Pia und zwei seiner später drei Kindern nach Brigachtal. Von 1987 bis 1991 war er an der Grund- und Hauptschule Klengen tätig, wechselte dann als Schulleiter nach Dauchingen, kehrte 2004 als solcher nach Klengen zurück und war von 2011 bis 2014 Rektor in Vöhrenbach.

Ehrenamtlich tätig

Seit er in Pension ist, hat er zwar mehr Zeit, doch auch sein Tag hat nur 24 Stunden. Neben dem Modellbau in den Vereinen und zu Hause engagiert sich der gläubige Christ nämlich auch in der evangelischen Kirche von Oberbaldingen, bekleidet das Amt des Pressewarts im Verein der Waldkulturscheune, ist freischaffender Journalist – auch für den Schwarzwälder Boten – und bringt seine technischen Fertigkeiten ehrenamtlich im Reparaturcafé in der Villinger Pauluskirche ein.