Sie trägt für ihren selbstlosen Einsatz zum Wohle der Ärmsten in Rumänien das Bundesverdienstkreuz. Über 30 Jahren lang fuhr Irmgard Rösch dreimal im Jahr dorthin. Am Sonntag wird sie 90 Jahre alt.
Ihr Name ist untrennbar mit den jeweils aus mehreren Lastwagen bestehenden Hilfstransporten verbunden, die sich auf die rund 1400 Kilometer lange Reise gen Osten machen.
Freiwillige Helfer, alles Mitglieder des 1991 gegründeten und seit 1993 von Irmgard Rösch als Vorsitzende geleiteten »Freundeskreises Oradea«, laden die Fahrzeuge zuvor mit Sachspenden – von Krankenhausbetten, Schultafeln und Möbelstücken über haltbare Lebensmittel und Spielzeuge bis hin zu Baumaterial, Werkzeug und Kleidung.
Bis ein Transport auf die Reise geht, hat Irmgard Rösch alle Fäden in der Hand. Dafür sitzt sie auch mit 90 Jahren fast täglich am Computer, ihr Handy ist wichtigstes Kontaktinstrument.
Sie muss kürzer treten
Doch neuerdings macht die Gesundheit nicht mehr mit, Irmgard Rösch muss kürzer treten. „Nach Rumänien werde ich wohl nicht mehr fahren“, sagt sie bedauernd. Viele Freunde hat sie dort, Menschen, denen sie mit ihrem Engagement nicht nur aus purer Not half, sondern auch Mut zur Eigeninitiative gab.
Irmgard Rösch ist gebürtige Mannheimerin und kam 1962 nach Villingen. Ihr Ehemann Hans hatte eine Stelle beim hiesigen Landwirtschaftsamt angenommen. Sie lernte den Beruf der Herrenschneiderin, obwohl sie, wie sie erzählt, gerne weiter zur Schule gegangen wäre. Doch nach dem frühen Tod des Vaters konnte ihre Mutter die 80 D-Mark Schulgeld für das Gymnasium nicht aufbringen.
Ehrenamtlich engagiert
Irmgard Rösch, Mutter zweier Kinder, engagierte sich nach ihrem Zuzug sogleich ehrenamtlich mit wöchentlichen Bastelnachmittagen im Heilig-Geist-Spital – in Summe 45 Jahre lang – und in der katholischen Gemeinde der St. Bruder-Klaus-Kirche. Bis 2006 war sie in verschiedenen Ausschüssen tätig und gehörte dem Pfarrgemeinderat an. Sie formte die Jugendarbeit in der Pfarrei und leitete dieselbe 15 Jahre lang auch für den Stadtteil Haslach/Wöschhalde. 35 Jahre lang war sie Vorsitzende der Frauengemeinschaft, zehn davon auch im gesamten Dekanat.
Die örtlichen Tageszeitungen versorgte sie bis vor kurzem mit Pressetexten über das Gemeindeleben. In den 1980-er und 1990-er Jahren bekleidete sie zudem das Amt der stellvertretenden Diözesan-Vorsitzenden in der Erzdiözese Freiburg, arbeitete im Bundesverband der katholischen Frauen mit und war Mitglied des Landesfrauenrates.
Vielfach ausgezeichnet
Ihr unermüdlicher Einsatz brachte ihr 1997 die Münstermedaille der Erzdiözese Freiburg ein, zwei Jahre später erhielt sie die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg für ehrenamtliches Engagement. 2015 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zu jenem Zeitpunkt war ihre Rumänienhilfe schon über die Grenzen der Region hinaus bekannt.
In den ersten Nullerjahren wurden sie und ihr Mann zu Ehrenbürger der rumänischen Städte Oradea, Secela und Petreu ernannt. Auch nach dem Tod ihres Mannes 2014 ließ Irmgard Rösch nicht nach in ihrem Einsatz. Zu sehr bewegte sie bei jedem Besuch die Armut. In Kinderheimen tropfte es bei Regen durch die Dächer, die Kinder hatten nicht genug Kleidung, in den Altenheimen schliefen die Bewohner auf dem Boden. Ganz extrem war die Not in den abgelegenen Karpatendörfern.
Weiterhin viel Not
Obwohl Irmgard Rösch und ihre Helfer immer wieder viele tausend Kubikmeter Hilfsgüter anschafften, blieb immer noch genug zu tun – bis heute. Viele Heime für Kinder und Alte, Internate, Schulen und Krankenhäuser wurden und werden mit der Hilfe aus Villingen-Schwenningen und in Kooperation mit der Caritas und katholischen Schwestern vor Ort eingerichtet, bedürftige Familien werden direkt bedacht.
118 Transporte organisierte Irmgard Rösch bereits. Dazu gehöre immer mehr Papier für den Grenzübertritt, der Inhalt jedes Kartons müsse sowohl desinfiziert als auch aufgelistet werden, stöhnt sie über die stetig wachsende Bürokratie. Zuletzt wurden zwei Fahrzeuge gar an der Grenze abgewiesen, überließen ihre Fuhre dann einem Pfarrer in Ungarn.
Wie geht es weiter?
Rund 2800 Euro fallen inzwischen pro Lastwagen an Verwaltungskosten an, Geld, das aufzubringen dem Freundeskreis immer schwerer fällt. „Wir denken ans Aufhören“, gibt Irmgard Rösch zu. Sie bittet daher, von weiteren Sachspenden zunächst abzusehen und wünscht sich – statt Geburtstagsgeschenken – Geldspenden, um noch bis Ende des Jahres Hilfstransporte losschicken und das Lager leeren zu können.
Wie es dann weitergehe, sei noch offen, sagt sie. Doch jetzt wird erst einmal Geburtstag gefeiert. Ihre Kinder Christine und Hans-Peter werden mit ihren Familien kommen, dazu gehören sieben Enkel und mittlerweile sieben Urenkel.