Gregor Gülpen ist seit Jahresbeginn Geschäftsführer der Stadtwerke VS. Foto: Birgit Heinig

Seit Jahresbeginn ist Gregor Gülpen Geschäftsführer der Stadtwerke VS (SVS). Der 50-Jährige ist seit 22 Jahren in der Energiewirtschaft tätig, einen so rasanten Preisanstieg für Erdgas wie derzeit, hat er jedoch noch nie erlebt. An Alternativen arbeitet der örtliche Energieversorger zwar auch, einen Ersatz können diese allerdings noch lange nicht bieten.

Villingen-Schwenningen - So sind die Stadtwerke zur Stelle, wenn es bei Wohnungsneubauten um die Planung und Installation regionaler Nahwärmenetze geht, die sich für bestehende Gebäude auch nachrüsten lassen. Ob Erdwärme, Solar, Pellets oder Eisspeicher: Wenn alle Bewohner eines Häuserblocks oder gar eines ganzen Straßenzuges mitmachen, könne eine auch wirtschaftlich sinnvolle und ökologische Energieversorgung entstehen, sagt Gülpen.

Ökologische Wege

Und das sei nicht nur mit Blick auf die derzeitige Abhängigkeit vom Erdgasversorger Russland begrüßenswert, sondern insbesondere für das Klima. Auch bei der regionalen Stromproduktion gehen die Stadtwerke ökologische Wege mehr und mehr mit. "Wir verkaufen täglich eine Photovoltaik-Anlage". Außerdem entstand das Angebot des "Heimatstroms Natur", der auf zwei Dächern in Mönchweiler und in Nordstetten gewonnen wird.

Er stammt aus der Kölner Gegend

Gregor Gülpen stammt aus der Kölner Gegend, studierte als Zeitsoldat Betriebswirtschaft an der Bundeswehr-Universität in München und begann seine berufliche Karriere als Unternehmensberater. Als solcher lernte er den öffentlichen Dienst kennen und schätzen als ein Arbeitsfeld der Daseinsfürsorge für die Menschen vor Ort. Bei einem Tochterunternehmen des Energiekonzerns RWE in Leipzig stieg er in die Branche der Energiewirtschaft ein – und blieb dabei. In Krefeld war er bei den Stadtwerken für das Betriebscontrolling zuständig, in Lübeck kaufmännischer Leiter und im schleswig-holsteinischen Itzehoe schließlich fünf Jahre lang Chef von 30 Stadtwerke-Mitarbeitern und Energielieferant für rund 30 000 Einwohner.

VS genießt im Norden einen guten Ruf

"Dort genießt Villingen-Schwenningen übrigens einen sehr guten Ruf wegen seiner Lage am Rande des Schwarzwaldes und gilt als eine wachsende und innovative Stadt mit bodenständigen Menschen", sagt er. Da er beruflich schon mit allen Bundesländern – "bis auf Baden-Württemberg" – zu tun hatte und es sich bei der SVS um ein großes Unternehmen mit 213 Mitarbeitern, 40 000 Strom- und 13 000 Gaskunden handelt, beschied er die Anfrage aus dem Süden Ende 2021 positiv – und übernahm von Ulrich Köngeter die Geschäftsführung.

Mit Gas wird spekuliert

Bei den durch die Ukraine-Krise angeheizten Diskussionen um die Energiesicherheit für Deutschland ist Gregor Gülpen zwiegespalten. "Russland liefert nach wie vor vertragskonform", stellt er fest. Bewegung komme in die Preise, "weil wir das hinterfragen" und weil manche Menschen erkannt haben, dass man auch bei Gas mit Spekulationen Geld machen kann. "Davon distanzieren wir uns", betont er.

Wie entwickelt sich der Preis?

Stadtwerke sind generell nicht börsennotiert. "Wir beginnen 24 Monate im Voraus einzukaufen und tun dies dann in Tranchen." Die Kunden bezahlen den Durchschnittspreis, dessen Höhe laut dem Preisvergleichsportal Verivox derzeit der niedrigste ist, wie übrigens bei allen Stadtwerken. In der Vergangenheit rieten Verbraucherzentralen zum Wechsel zu günstigeren Anbietern. Die verkauften tagesaktuell, dadurch kurzzeitig auch billiger. Das Niveau konnten sie, wie sich zeigte, auf Dauer aber nicht halten, reihenweise gaben sie auf und entließen ihre Kunden.

Wie sich der Preis für Erdgas weiterentwickeln wird, das weiß auch der SVS-Geschäftsführer nicht und lässt sich lediglich zu der Aussage bewegen: "Wir sehen momentan eine Stabilisierung auf hohem Niveau."

Er fühlt sich in seiner neuen Heimat wohl

In seiner neuen Heimat VS fühlt sich Gregor Gülpen sehr wohl und "von Woche zu Woche wohler", sagt er und lacht. Seinen Familienstand bezeichnet er als "friedlich getrennt". Alle paar Wochen besuchen ihn seine in Lübeck lebenden Kinder im Alter von neun bis 17 Jahren, die vor allem die Villinger Innenstadt lieben. "VS bietet alles, was man braucht", findet der Halbmarathonläufer, Kraftsportler und Schwimmer, der gerne Theater und Konzerte besucht und es liebt, gut essen zu gehen.

Wo kann man Energie sparen?

Natürlich schaut er schon von Berufs wegen auf seinen persönlichen Energieverbrauch. Wann und wie lüfte ich? Muss beim Staubsaugen der Fernseher laufen? Brauche ich mehr als 21 Grad Wärme im Wohnzimmer? Muss diese Autofahrt wirklich sein? Solche Gedanken mache er sich tatsächlich und das nicht erst seit Kriegsausbruch, sagt er. Schließlich ist vor allem in Sachen Klimaschutz weniger mehr.

Die Energiewende wurde vom aktuellen Weltgeschehen einerseits überlagert, andererseits beim Thema Gasverbrauch auch befeuert, sieht Gülpen. Investitionen in neue Technologien und Einsparungen beim Verbrauch seien richtig, müssen aber auch bezahlt werden. Ebenso wie die energetische Ertüchtigung von Privathäusern, die vom Staat zwar bezuschusst werde, die Besitzer unterm Strich aber trotzdem viel Geld koste. Mit jenen vergleicht Gregor Gülpen im Übrigen seine Stadtwerke. "Unternehmen in einer Größenordnung wie wir sind wie private Haushalte, die sich fragen, was sie sich leisten können oder auch wollen", sagt er. Daran ändern auch die größeren Zahlen nichts. Dass die Beantwortung dieser Frage in der Regel der Sprache und Mentalität der Menschen aus der Region entspricht, das schätzt der Kölner an einem so regionalen Unternehmen wie den Stadtwerken von Villingen-Schwenningen.