Der ehemalige Oberbürgermeister Ralf Broß, ist wieder im Rathaus präsent. Und zwar dauerhaft. Sein Porträt wurde am Freitag in der Ahnengalerie feierlich enthüllt.
Es ist eine entspannte, fast familiäre Atmosphäre am Freitag im Rottweiler Ratssaal. Das kenne er auch anders, schmunzelte Oberbürgermeister Christian Ruf angesichts der oft hitzigen Debatten an diesem Ort.
Genau diese kennt auch sein Vorgänger, Ralf Broß, nur zu gut. Von 2009 bis 2022 war er Oberbürgermeister in Rottweil, wechselte dann als geschäftsführendes Vorstandsmitglied zum Städtetag nach Stuttgart. In den Jahren in Rottweil habe Broß „so manche Schlacht geschlagen“, so Ruf. Nun sei es an der Zeit, sein Porträt – das verhüllt hinter Ruf die Neugier der Festrunde weckte – in die „Ahnengalerie“ im Neuen Rathaus aufzunehmen.
Gekommen waren dazu viele von Broß’ ehemaligen Weggefährten. Und Christian Ruf konnte aus dem Vollen schöpfen, als er die „Erfolgsgeschichte“ von Broß als Oberbürgermeister nachzeichnete.
Testturm mit seinem Namen verbunden
Zuvorderst nannte er da das Bauwerk, das wie kein zweites mit dem Namen Ralf Broß verbunden ist: den Testturm. Er gehöre genau wie die ersten Planungen zur Hängebrücke und die Standortsuche für die neue JVA zu den „Mega-Themen“ in Broß Amtszeit. Doch da ist noch viel mehr. Die Umgestaltung von Rottweil-Mitte, der Bau des neuen Feuerwehrhauses und des Neuen Spitals, die Eröffnung des Kunstraums – und immer wieder herausragend: die intensive Bürgerbeteiligung, für die die Stadt mit der „Demokratierose“ ausgezeichnet wurde.
Flüchtlingswelle, Corona, Narrentag
Ruf nennt weitere besondere Herausforderungen, die in Broß’ Amtszeit zu bewältigen waren: die Flüchtlingswelle 2015, die Corona-Zeit – und dazwischen schöne Herausforderungen wie der Narrentag 2017. Dass OB Broß da letztlich auch eine Schorle-Rechnung einiger Schuttig absegnete, die im Rathaus einging, wollte Ruf den Zuhörern nicht vorenthalten.
Landesgartenschau und Steinmeier
All dem nicht genug war da auch noch Ende 2017 die Bewerbung um die Landesgartenschau und – ein Highlight, so Ruf – die Verlegung des Amtssitzes von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Juni 2022 nach Rottweil.
„Wir geben unser Bestes, um diese Erfolgsgeschichte fortzuführen“, betonte der amtierende OB, der dann das Wort an Künstler Axel Brandt weitergab mit der Bitte, Einblick in die Entstehungsgeschichte des Bildes zu geben.
Brandt, renommierter Künstler aus Ulm, verriet, dass er sich nur einmal mit Broß getroffen habe. Beim Gang durch die Stadt habe er die Person Broß erfassen wollen. Zudem hätten viele Fotos beim Malen unterstützt. Und als Broß im laufenden Prozess beim Anblick eines Zwischenstands bemerkt habe, „die Brille sei gut getroffen“, habe er gewusst, dass es noch zu tun gibt.
Viel Applaus für das Kunstwerk
Die feierlichen Enthüllung des Werks wurde mit viel Applaus quittiert. Die typische „Broß-Geste“ dominiert das lebendige Bild, im Hintergrund schemenhaft ist der Testturm angedeutet.
Der Porträtierte selbst, der zugab, „ambivalent“ zu der Tatsache zu stehen, dass er sich nun in einer „Ahnengalerie“befindet, verriet, dass beim langen Nachdenken über den passenden Künstler natürlich zuerst der Fokus auf Rottweil lag. Doch welcher? Letztlich habe er bei einem Besuch im Rathaus in Ulm ein Porträt des ehemaligen OB Ivo Gönner erblickt – es war von Brandt.
Und ein Gespräch mit Jürgen Knubben habe klargemacht: Es gibt Verbindungen nach Rottweil, auch Brandt hat im Forum Kunst – das, wie der Künstler betonte, eine große Strahlkraft in Deutschland habe – schon ausgestellt.
Dass das Bild nun im Rottweiler Ratsaal hänge, genau 17 Jahre nach seinem Entschluss, als Oberbürgermeister in Rottweil zu kandidieren, bilde nun „das Ende dieser Rahmenerzählung“, sagte Broß, der betonte: „Es ist mir eine große Ehre.“