Der Tailfinger Fritz Leibfritz war 35 Jahre lang Kunstpädagoge am Ebinger Gymnasium.
Den Bezug zur Heimat hat Fritz Leibfritz nie verloren. Sein Elternhaus stand einst neben der Hohenbergschule in Ebingen, wo damals noch das Gymnasium untergebracht war. Der heute 80-Jährige erinnert sich noch gut an den Zeichensaal und an den Kunstlehrer, der seine Schülerinnen und Schüler – überaus motivierte.
Siegwart Rupp, der später als Professor an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg tätig war, leitete damals seine Zöglinge in Ebingen an, begeisterte sie für die Kunst und zeigte ihnen den phantasievollen Umgang mit Alltäglichem.
Einen ersten Anstoß für die Welt der Kunst erhielt Fritz Leibfritz allerdings schon viel früher durch seinen älteren Bruder Günter, der unter anderem Landschaften mit Öl- oder Aquarellfarben auf Leinwand bannte.
Zurück in die Heimat
Nach dem Abitur und dem abgeleisteten Militärdienst kam der gebürtige Ebinger dann an die freie Kunstschule in Stuttgart und wurde an der Kunstakademie in Karlsruhe aufgenommen, wo er zudem viereinhalb Jahre lang parallel zur Kunst noch Kunstgeschichte studierte und sein Examen ablegte.
Von Anfang an war es der Wunsch des heutigen Ruheständlers, Kunstpädagoge zu werden, weshalb ihn sein Referendariat schließlich eineinhalb Jahre nach Esslingen führte. Viele seiner damaligen Kommilitonen habe es damals in die großen Metropolen gezogen, in die Zentren der Kunst, doch Fritz Leibfritz kam sehr gerne zurück in seine Heimat.
Am Gymnasium hat eine Begeisterung begonnen
Er wurde im Jahr 1974 genau dort selbst Kunstpädagoge, wo in ihm einst die Begeisterung für dieses Metier gefördert wurde: am Gymnasium in Ebingen. Mit seiner Ehefrau Brigitte lebt er bis heute in Tailfingen. Die Heimat habe ihm Stabilität gegeben und er sei gerne im Kreise seiner elterlichen und später der eigenen Familie gewesen, blickt der Künstler zurück.
Auch wenn er von 1995 an als Schulreferent für Bildende Kunst am Regierungspräsidium Tübingen sehr viel unterwegs war. Für die Zukunft des Unterrichtsfachs Kunsterziehung hat er bis ins Jahr 2009 Fortbildungen organisiert und an Konferenzen teilgenommen – parallel zum Lehrauftrag.
„Es war eine heftige Zeit für unsere Familie“
„Es war eine heftige Zeit für unsere Familie“, sagt der Senior heute rückblickend. Teilweise habe er morgens noch unterrichtet, schließlich musste er seinen Leistungskurs am Ebinger Gymnasium gut auf die Abiturprüfungen vorbereiten, und am Mittag sollte er schon wieder in Oberschwaben oder in Karlsruhe bei einer Besprechung seine Expertise einbringen.
Trotz der vielen Verwaltungsaufgaben hat Fritz Leibfritz die Kunst nie losgelassen. Bis heute nicht. Er sieht vieles mit dem Auge des Künstlers. So beispielsweise auch Firmengebäude der einst blühenden Textilproduktion auf der Schwäbischen Alb und ganz konkret in Albstadt.
Kunst lebt von der Idee
Mal sind es die Momentaufnahmen eines verlassenen Betriebes, in dem noch die Reste der für die Produktion notwendigen Materialien herumliegen. Schnittmuster für Kleidungsstücke, die mit einem Loch an einem Haken hängen. Sie finden sich manchmal in den ausdrucksstarken Bildern von Fritz Leibfritz wieder und muten mit etwas Phantasie sogar wie Vögel oder andere Tiere an. „Die Kunst lebt von der Idee. Das hat mich immer fasziniert und begleitet“, erläutert der dreifache Familienvater.
„Es sind die Spuren, die Reste, die Freude und Assoziationen an nahen Dingen, die Menschen in ihrem Alltag einmal um sich hatten. Freude an Formen, Farben, am stillen Entdecken, tiefsinnig oder auch nur im Spiel, ganz persönlich und doch wieder breit, auch dokumentarisch, zurückliegend und nach vorne blickend“, lässt Fritz Leibfritz in seine Arbeitsweise blicken. „In meiner künstlerischen Arbeit reagiere ich mit zeichnerischen, malerischen Äußerungen, Montagen und auch mit raumgreifenden Projekten.“
Faszination des Alltäglichem
Raumgreifend sind auch seine Kunstwerke, die im gesamten Eigenheim verteilt sind und den Betrachter immer wieder in ihren Bann ziehen. Fritz Leibfritz hat seine Exponate schon früh und immer wieder ausgestellt, ist auch Teil der sogenannten Gruppe 24, in der sich Künstlerinnen und Künstler aus Albstadt oder mit Bezug zu Albstadt organisatorisch zusammengetan haben, auch um einen Austausch zu fördern. Der Tailfinger hat Freude an der Natur und daran, Ideen einzubringen und mit jungen Menschen Dinge anzustoßen.
Zwar ist er im Jahr 2009 aus dem Schuldienst ausgeschieden und genießt inzwischen seinen Ruhestand, doch man merkt ihm die Freude immer noch an, die ihm seine Zöglinge in Ebingen viele Jahre lang bereitet haben. Teilweise liegen in seinem Atelier noch Schülerarbeiten, die nie abgeholt wurden. „Die Zeichensäle, die Druckpresse, der Werkraum – das war mein Reich. Hier war ich gerne“, äußert der Künstler mit leuchtenden Augen.
„Ich habe eine Freiheit und Leichtigkeit erfahren, die ich weitergeben kann. Das Spiel mit Formen und Farben, die die Seele, die Augen und den Geist beschwingen und zweckfrei machen“, sagt Fritz Leibfritz, der in zurückgelassenen Dingen eine Faszination erkennt. Dort, wo Menschen einst gewirkt haben und selbst kreativ tätig waren. Sei es eine Stoffkarte oder ein Artefakt aus einem vermeintlichen Chaos wie einem zurückgelassenen Werkraum.