Noma Noha Akugue ist bislang nur Insidern ein Begriff. Dabei gilt die 19-Jährige als größtes deutsches Talent. Am Wochenende schlägt sie in Stuttgart auf.
Ihr Name kommt nicht leicht über die Lippen. „Nenn’ mich Noma“, sagt die junge Tennisspielerin mit dem schüchternen Lächeln einer 19-Jährigen. Das Noha ist nicht etwa Zweit- oder Doppelname, sondern Teil des Nachnamens. Also, gestatten: Noma Noha Akugue aus Glinde bei Hamburg, Deutschlands neue Tennishoffnung.
Am Wochenende gehört die Norddeutsche erstmals zum Team Deutschland, das in der Stuttgarter Porsche-Arena im Billie Jean King Cup auf Brasilien trifft. Zwar nur als Trainingspartnerin, doch der erste Fuß ist in der Tür. „Es war eine tolle Woche, in der ich viele Erfahrungen sammeln konnte“, sagt Noha Akague. Diese will sie an diesem Samstag in Erfolge münzen, wenn sie beim parallel beginnenden Porsche Tennis Grand Prix per Wildcard in der Qualifikation ran darf. Ihre Ziele? „Jedes Match mit Freude angehen und so erfolgreich wie möglich gestalten.“ Klingt schon ganz nach Profi.
Eltern stammen aus Nigeria
Doch wer ist die junge Frau aus Schleswig-Holstein, die vielen Experten hierzulande als größte Nachwuchshoffnung gilt? Bereits mit drei Jahren hielt die gebürtige Reinbekerin zum ersten Mal einen Schläger in der Hand. Beim Kindergartentennis, zum dem sie ihre aus Nigeria stammende Familie anmeldete. Nigeria und Tennis? „Mein Vater kommt aus dem Boxsport. Aber er war großer Fan von Serena Williams. Er wollte nur, dass ich irgendeinen Sport mache. Tennis war eher Zufall.“
Und keine falsche Wahl. Mit sieben, acht Jahren bestritt die Älteste von vier Geschwistern – ihr Bruder Joseph spielt in der U 19 von Regionalligist Eintracht Norderstedt Fußball – erste Turniere, gewann und gewann und war plötzlich drin im System. Schule nach der Zehnten beendet, Bezirkskader, Sichtungen, Förderungen. Mit 17 dann der Sprung auf die Tour. Barbara Rittner, Deutschlands Grande Dame des Frauentennis, bezeichnet sie als „motorisch hochbegabt“. Noch spielt die Linkshänderin die kleineren ITF-Turniere, in diesem Jahr will sie sich auf der großen WTA-Tour etablieren. Aktuell belegt die deutsche Meisterin von 2020 Platz 204 der Weltrangliste.
Teamchef Schüttler: „Ein unglaubliches Talent“
„Sie hat alles, was man braucht, um sehr weit nach oben zu kommen“, sagt Teamchef Rainer Schüttler. Die Waffe der 1,70 Meter große Linkshänderin ist vor allem ihr schneller linker Arm, ihr aggressives Spiel und ihr „ekliger Slice-Aufschlag“, wie sie selbst sagt. Eine Spielweise, die stark an die dreifache Grandslam-Siegerin Angelique Kerber erinnert, die sich in Baby-Pause befindet. „Ein unglaubliches Talent“, nennt Schüttler Noha Akugue.
Trainiert von Benjamin Ebrahimzadeh, hat sie inzwischen das Management von Edwin Weindorfer unter die Fittiche genommen. Der Turnierdirektor des Stuttgarter Männer-Turniers ist einer der großen Macher in der Szene. Befragt nach ihren Zielen, gibt sie die Top 150 an. Bei den French Open im Mai spielt sie erstmals die Qualifikation.
Noha Akugue hat das Potenzial, das aktuell etwas darniederliegende Interesse am Frauentennis im Becker-Graf-Land wachzuküssen. Derzeit steht keine Deutsche unter den besten 50. An Noha Akugues Möglichkeiten bestehen keine Zweifel. Was noch lange nicht heißt, dass ihr der große Sprung auch gelingt. Noch fehlt es ihr an Konstanz. Überragende Spiele wechseln sich mit leicht hergeschenkten. „Das muss sie noch zusammenbekommen“, sagt Schüttler.
Am Freitag in der Porsche-Arena fügte sich die 19-Jährige in die Rolle der Statistin, feuerte die erfahrenen Anna-Lena Friedsam und Tatjana Maria beim Länder-Wettkampf fleißig an. Bald will auch sie für Deutschland spielen – und ihren Namen geläufig machen.