Oliver Blume leitet beide Unternehmen: die Porsche AG, deren Aktien an die Börse gehen, und Volkswagen, den Verkäufer. Foto: imago images//Mladen Lackovic via www.imago-images.de

Die Porsche-Aktie verteidigt den Höchstkurs, zu dem sie von VW an die Anleger ausgegeben worden war. Sie notiert zum Start an ihrem erstem Handelstag oberhalb des Ausgabekurses von 82,50 Euro. Experten sagen, was sie von dem Papier des Stuttgarter Autoherstellers halten.

Die Aktie des Stuttgarter Autoherstellers Porsche AG hat einen gelungenen Börsenstart hingelegt. Das Papier notierte zum Handelsstart mit 84,00 Euro noch oberhalb des Emissionspreises von 82,50 Euro, zu dem VW es zuvor an Anleger ausgegeben hatte. Dieser Ausgabepreis ist die Obergrenze der Preisspanne von 76,50 bis 82,50 Euro. Nach einem kurzen Absacker unmittelbar nach Handelsbeginn begab sich das Papier erneut in den Steigflug und überschritt den Kurs der Erstnotiz von 84,00 Euro noch, ehe sie dann wieder in Richtung des Ausgabepreises sank. Die Ausgabe der Vorzugsaktien brachte Volkswagen knapp 9,4 Milliarden ein. Damit handelt es sich um die größte Erstemission in Deutschland seit der Telekom im Jahr 1996.

 

Porsche hat im vergangenen Jahr mit 302 000 ausgelieferten Fahrzeugen einen neuen Rekord erreicht. Auch die Umsatzrendite ist mit 16 Prozent auf einem extrem hohen Niveau. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres stieg sie sogar auf 19,4 Prozent.

Nicht viel weniger wert als VW

Das Stuttgarter Unternehmen steuerte im vergangenen Jahr nur drei Prozent aller verkauften Fahrzeuge des VW-Konzerns bei, erwirtschaftete aber gut ein Viertel des gesamten Konzernüberschusses. Noch wertvoller erscheint Porsche im Vergleich zur Muttergesellschaft, wenn man die Bewertungen der beiden Unternehmen heranzieht. Porsche wird für den Börsengang mit bis zu 75 Milliarden Euro bewertet, die Marktkapitalisierung des Weltkonzerns Volkswagen einschließlich Porsche liegt derzeit in einer Größenordnung von 85 Milliarden Euro. Das zeigt, in welchem Ausmaß der Stuttgarter Autohersteller als Perle des Wolfsburger Konzerns betrachtet wird.

Wem gehört Porsche? Foto: red/Zapletal

Manche Börsenexperten sehen Porsche eher in der Reihe der Luxusgüterhersteller als in der der Autobauer – und damit an einem Platz, wie ihn auch Mercedes-Chef Ola Källenius mit seiner Luxusstrategie anstrebt. Durch die Entwicklung von Porsche sehen sie sich bestätigt. „Das Luxusgütersegment hat sich in den letzten Jahren gegenüber Konjunkturschwankungen als Ort der Stabilität erwiesen“, sagt Christian Kahler von der Investmentboutique Kahler & Kurz Capital. Porsche positioniere seine Produkte definitiv als Luxusgüter. Dadurch seien höhere Gewinnspannen erreichbar.

Parallele zu Ferrari

Ebenso wie jetzt Porsche ging Ferrari als Abspaltung von einem Massenhersteller an die Börse. Während Porsche-Aktien von Volkswagen an die Märkte gegeben werden, waren die Ferrari-Aktien zuvor in der Hand von Fiat. In den fünf Jahren an der Börse hat sich der Kurs von Ferrari verdoppelt. Kahler warnt allerdings vor der Vermutung, die Bäume könnten für Porsche in den Himmel wachsen. PS-starke Luxusautos würden heute deutlich kritischer gesehen als noch vor fünf Jahren. Für ihn als Aktienfondsmanager komme ein Investment in das Porsche-Papier vorerst aber aus einem anderen Grund nicht in Betracht: Neuemissionen würden häufig sehr teuer am Markt platziert.

Auch die Aktionärsvertreter von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sehen das Unternehmen zwar positiv, den Börsengang aber durchaus kritisch. Sie stören sich vor allem daran, dass private Anleger voraussichtlich nur eine geringe Rolle spielen würden – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Der Anteil der Aktien, die tatsächlich in den Handel gehen, sei mit 12,5 Prozent relativ gering, erklärt DSW-Sprecher Erik Bethkenhagen. Davon seien erhebliche Pakete bereits für Großanleger wie das Emirat Katar reserviert. Für Sportwagenfans und andere private Kleinanleger sei die Aktie somit „schon vor dem Börsengang vielleicht ein ebensolches Sammlerstück wie ein alter 911er“. Zudem weist er darauf hin, dass Anteilseigner lediglich stimmrechtslose Vorzugsaktien erwerben können, während die stimmberechtigten Stammaktien den VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch vorbehalten blieben, die sich zudem sogleich eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie sicherten.

Blaupause für den Industriestandort?

Die Unabhängigkeit von Porsche sei „durchaus mit Fragezeichen zu versehen“, sagt DSW-Präsident Ulrich Hocker mit Blick auf die Doppelfunktion von Oliver Blume als Chef von Porsche und VW. Das Unternehmen selbst halten die Aktionärsvertreter allerdings für ausgesprochen erfolgreich – sie trauen ihm sogar zu, an den Börsen einen regelrechten Sogeffekt auszulösen. Dieser Meinung ist auch der Duisburger Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer. Seiner Ansicht nach könnte Porsche gar zu einer „Blaupause für den Industriestandort Deutschland werden“.

Zu den möglichen Gewinnern zählt Hocker auch die Volkswagen-Aktionäre. Denn die Einnahmen sollen in die konsequente Weiterentwicklung der E-Mobilität bei Volkswagen fließen, was die Anlegerschützer begrüßen.

Bereits im Vorfeld des Börsengangs hatte der Vermögensverwalter DWS, der zur Deutschen Bank gehört, mögliche Interessenkonflikte bei VW und Porsche kritisiert, wie sie etwa aus Blumes Doppelrolle resultierten. Aus seiner Sicht wäre es wesentlich besser, wenn solche Konflikte von vornherein vermieden werden. Nun bestehe die Gefahr, dass sie zulasten der Minderheitsaktionäre ausgetragen werden.