Lutz Meschke ist Vizechef von Porsche. Das Bild zeigt eine Niederlassung. Foto: IMAGO/Panthermedia

Im Porsche-Vorstand ist Lutz Meschke für Finanzen zuständig. Wegen seiner privaten Immobilie hat Meschke nun Medienberichten zufolge Ärger in Österreich.

Ralf Hofmann denkt in großen Zusammenhängen. „Bei MHP beobachten wir nicht nur den tiefgreifenden Wandel unserer Wirtschaft und Gesellschaft – wir gestalten ihn aktiv mit“, schreibt der Chef der Porsche-Tochtergesellschaft in seinem Profil auf der Online-Plattform LinkedIn. Gemeinsam mit den Kunden treibe man Technologielösungen voran, die „in Zukunft den Unterschied machen werden. Ganz im Sinne unseres Purpose Enabling You to Shape a Better Tomorrow“. Wer also gemäß dieses anglizistisch durchformulierten Unternehmenszwecks von MHP in die Lage versetzt werden möchte, ein besseres Morgen zu gestalten, „denkt groß und handelt global“.

 

Immobilienfirmen in Österreich

Manchmal handelt Hofmann auch sehr lokal – jedenfalls dann, wenn es um den österreichischen Ort Kitzbühel geht. Dort betreibt er laut „Bild am Sonntag“ Immobilienfirmen – und das zusammen mit Porsche-Vizechef Lutz Meschke, der als Finanz- und IT-Chef des Stuttgarter Autoherstellers auch eine Art Chef Hofmanns ist. Meschke ist demnach über seine österreichische Firma „LuMe Wilder Kaiser GmbH“ an den Firmen beteiligt. Allein mit einem Hoteldeal habe man einen Gewinn von fünf Millionen Euro erzielt, berichtet das Blatt. Dessen Berichterstattung ist laut Porsche „in vielen Punkten angreifbar und skandalisiert unzutreffend“. Sie enthalte zahlreiche Ungereimtheiten, rechtliche Schritte würden geprüft.

Die Geschäfte mit Hofmann spielen auch eine Rolle bei dem privaten Ärger, den Meschke mehreren Berichten zufolge nun mit der Stadt Going bei Kitzbühel hat. In dem Örtchen am Fuße des majestätischen Wilden Kaisers kaufte der Finanzchef des Stuttgarter Autoherstellers, der auch im Vorstand der VW-Muttergesellschaft Porsche SE sitzt, vor zehn Jahren für 1,5 Millionen Euro ein Chalet, das laut Baugenehmigung aber nur als Hauptwohnsitz genutzt werden darf.

Wo ist der Lebensmittelpunkt?

Angesichts von Meschkes anspruchsvollen Jobs ist die regelmäßige Anwesenheit in Kitzbühel gewiss eine anspruchsvolle Anforderung. Nach eigener Aussage bringt er aber sehr wohl beides unter einen Hut. Der erste und steuerlich relevante Wohnsitz sei Deutschland; das Haus in Österreich, in dem er viel und häufig arbeite, nutze er als zweiten Arbeitsplatz, erklärte er. Daher sei er nach anwaltlicher Beratung davon ausgegangen, dort einen weiteren Hauptwohnsitz zu unterhalten.

Gleichwohl untersagte ihm die Gemeinde die Benutzung seines eigenen Hauses, worüber auch die Wiener „Kronen-Zeitung“ berichtet. Demnach waren die Jalousien oft geschlossen. Eine Klage Meschkes gegen die faktische Ausweisung aus seinem eigenen Haus blieb erfolglos. „Wir sind nach Anzeigen unserer Pflicht nachgekommen und schauen dabei nicht auf Rang und Namen des Betroffenen“, erklärte Bürgermeister Alexander Hochfilzer dem österreichischen Blatt. „Das Gericht gab uns nun Recht, und die bisherige Nutzung ist untersagt.“

Kein durchschnittlicher Angestellter

Auch seine Immobiliengeschäfte, um die er sich kümmern müsse, führte Meschke als Argument für seine Aussage an, in Kitzbühel einen zweiten Hauptwohnsitz zu begründen. Mindestens einmal pro Woche müsse er in Going sein, um sich mit den anderen Geschäftsführern und Gesellschaftern zu besprechen. Er sei „kein durchschnittlicher Angestellter“.

Ralf Hofmann ist nicht nur Meschkes Geschäftspartner bei Immobilienfirmen in Österreich, sondern auch Chef einer wichtigen Porsche-Tochter, der unter anderem die einstige Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart seit dem vergangenen Jahr ihren Namen verdankt. Bis zum vergangenen Jahr besaß Hofmann 18,2 Prozent der MHP-Anteile, die er vor einigen Monaten an die Muttergesellschaft Porsche AG verkaufte, in deren Vorstand Meschke für Finanzen und IT verantwortlich ist.

Lag bei der Transaktion ein Interessenkonflikt vor? Zu dieser Frage gibt Porsche gegenüber unserer Zeitung ein hartes Dementi ab. „Herr Meschke legte gegenüber dem Gesellschafterausschuss eigeninitiativ offen, dass er mit Herrn Hofmann eine engere Beziehung unterhalte“, erklärt das Unternehmen. „Deshalb bat er den Gesellschafterausschuss, ihn von einer Teilnahme an der Erörterung oder Beschlussfassung über Themen, die Herrn Hofmann direkt oder indirekt betreffen, auszuschließen.“ Eine entsprechende Entscheidung sei gefasst worden. In der Beratung und bei der Entscheidungsfindung über den Erwerb des Minderheitsanteils von Herr Hofmann an der MHP sei Meschke „nicht involviert“ gewesen.

* Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Beitrags waren Aussagen zu den familiären Verhältnissen von Lutz Meschke enthalten. Diese haben wir zum Schutz seiner Privatsphäre entfernt.