Im Luxussegment erfüllen die Autohersteller fast jeden Kundenwunsch. Das kann sehr weit gehen. Ein Blick in die Exclusive Manufaktur von Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen.
Es kommt nicht oft vor, dass die Mitarbeiter in der Porsche Exclusive Manufaktur von ausgefallenen Kundenwünschen überrascht werden. Doch eines Tages hielt ein Mann in Stuttgart-Zuffenhausen Hof, der am liebsten im eigenen Auto mit Chauffeur zu Kundenterminen anreist: Der Schweizer Stardesigner Carlo Rampazzi war zu Gast in jenem Teil des Werksgeländes, in dem Porsche einen Showroom für Kunden hat, die mehr wollen als einen normalen 911er oder Taycan.
Rampazzi brachte zum Termin in der Manufaktur seine Lieblingsuntertasse in einem leuchtenden Orangeton mit. „Die Herausforderung für uns bestand darin, dass er nicht nur die Karosserie des Fahrzeugs in diesem Farbton haben wollte, sondern auch noch die Ledersitze“, erzählt Christian Heck, der Leiter des Produktmanagements bei der Exclusive Manufaktur.
Auf Rampazzis Wunsch hin mischten die Profis in der hauseigenen Lackiererei genau jenen Farbton zusammen, der den Vorstellungen des Designers entsprach. Der Aufwand, der dabei betrieben wird, ist enorm: Die Farbe muss auf allen Materialien der Karosserie die gleiche Wirkung erzielen, sie muss in diesem Fall auch exakt zum orangefarbenen Ton des Leders im Innenbereich passen. So dauert es rund ein Jahr, bis in der Porsche-Lackiererei ein vom Kunden selbst ausgesuchter eigener Farbton für den Sportwagen geprüft und hergestellt wird. Die Kosten für diesen Sonderwunsch belaufen sich auf 19 000 Euro.
Wer sich bei Porsche für einen Klassiker interessiert, kann beim 911er zwischen 114 Farbtönen für die Karosserie wählen, die zusätzlich angeboten werden. Doch das ist für manche Kundinnen und Kunden des Sportwagenbauers noch nicht genug. Nach ersten Vorgesprächen in regionalen Porsche-Zentren führt der Weg sie schließlich in ein Backsteingebäude in Zuffenhausen, das Gegenwart und Geschichte miteinander verbindet.
In dem Bau hatte Ferdinand Porsche sein Konstruktionsbüro
In dem U-förmigen Bau unweit des Porschemuseums befand sich einst das Konstruktionsbüro von Ferdinand Porsche. Historische Fotos zeigen den von ihm entwickelten Prototypen des VW Käfers. Heute hat hier der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume seinen Schreibtisch und denkt darüber nach, wie er das Unternehmen im Zuge der Porsche Strategie 2030 weiterentwickeln will.
Ein wesentlicher Baustein der Strategie ist die Individualisierung. Immer mehr betuchten Kunden genügen die ohnehin üppigen Varianten und Ausstattungen „von der Stange“ nicht mehr – sie sehen ihr Traumauto als Lifestyleobjekt, das etwas mit ihren ganz persönlichen Vorlieben und individuellem Geschmack zu tun haben soll. Ein Auto mit eigenem Charakter. Analysten betonen, wie wichtig es für die Hersteller im Luxussegment sei, jenseits des Fahrzeug-Konfigurators im Internet den Kunden auch ausgefallene Sonderwünsche zu erfüllen.
Dementsprechend verstärken auch Porsche und Mercedes derzeit ihre Anstrengungen – mit limitierten Sondereditionen und exklusiven Einzelanfertigungen führen sie einen Kampf um wichtige Marktanteile. In der Exclusive Manufaktur lassen sich Kunden aus ganz Europa beraten, aber „auch aus den USA reisen viele Fans“ an, erzählt Christian Heck. Oft mit Freunden oder der Familie – zum Erlebnis gehören meistens ein Besuch im Museum und eine Werksführung.
Für chinesische Kunden, die sich mit der englischen Sprache nicht wohlfühlen, besorgt Porsche Übersetzer, die dann erklären, was es mit Farbtönen wie Mambagrün, Mexikoblau oder Speedgelb auf sich hat. In der Manufaktur stehen Farbmusterkoffer mit allen gängigen Autolacken bereit – die Kunden können die quadratischen Platten in einer „Lichtkabine“ testen. So sehen sie, wie der gewünschte Farbton unter den Bedingungen von Tageslicht oder künstlichem Licht wirkt. Auch bei den Textilien geht es ins Detail: Die werkseigene Sattlerei fertigt Ziernähte an oder versieht Kopfstützen mit einem zusätzlichen Porsche-Wappen.
Sieben Kilo Gold für die Schriftzüge
„Viele Entscheidungen unserer Kundinnen und Kunden haben etwas mit einem gewissen Spieltrieb zu tun“, erzählt Christian Heck. Und mit Nostalgie. So steht im Showroom der Manufaktur ein Porsche im Stil der 1960er Jahre, das Heck ziert ein vergoldeter Marken-Schriftzug. Für die ganze Serie des Fahrzeugs hat Porsche insgesamt sieben Kilo Gold aufgewendet.
Wenn sich Kunden ein individuell entworfenes Fahrzeug zusammenstellen, nimmt das Projekt mitunter Dimensionen an, die beinahe mit der Planung und dem Bau eines Eigenheims vergleichbar sind. Immer wieder werden Fortschritte am Projekt besprochen, Ideen entwickelt oder verworfen. Die Kunden erhalten während der Planungsphase einen eigenen Werksausweis und können in der Betriebskantine essen.
Im Porsche liegt der Verlobungsring
Inzwischen buchen knapp 40 Prozent aller Kunden, die einen 911er bestellen, einen Termin in der Exclusive Manufaktur. Nicht jeder geht dabei soweit wie ein Kunde aus Asien. Sein Traumwagen mit verschiedenen Sonderausstattungen diente am Ende als besonders edle Verpackung: Im Fahrzeug lag der Verlobungsring für seine künftige Frau.
Was Mercedes im Luxusbereich bietet
Angebot
Mercedes bietet ebenfalls Anlaufstellen für Kunden mit besonderen Wünschen an, beispielsweise das Center of Excellence in Sindelfingen. Hier sehen Kunden individualisierte Fahrzeuge, Lack- und Ledermuster und Bilder von bereits umgesetzten Kundenwünschen vor Ort. Gewünscht werden auch Unterschriften im Fahrzeug, Einstiegsschienen mit Schriftzügen oder Fondsitzauflagen für Koffer oder Hunde.
Preise
Sowohl in Deutschland als auch beispielsweise in den USA sind Sonderlackierungen sehr gefragt. Die Preise variieren – je nach Baureihe – dabei zwischen rund 8200 und etwa 13 600 Euro.