Der Porsche-Betriebsrat wehrt sich dagegen, dass der Vorstand ganze Betriebsteile und Fahrzeugproduktionen zur Disposition stellt. Er setzt dabei auf den scheidenden Vorstandschef.
Nach zwei ausgiebigen Betriebsversammlungen in Zuffenhausen am Dienstag und in Weissach am Mittwoch hat der Porsche-Betriebsrat den Unternehmensvorstand im Ringen um ein Sparpaket aufgefordert, der Belegschaft eine Perspektive zu geben. „Der Vorstand hat bisher kein Zukunftsbild für unsere deutschen Porsche-Standorte aufgezeigt, sondern droht mit der Verlagerung von Entwicklung und Produktion in Länder mit deutlich niedrigerem Lohnniveau“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ibrahim Aslan. „Damit steht jeder vierte Arbeitsplatz in der Porsche AG auf dem Spiel.“
An beiden Standorten zusammen sind etwa 23 000 Arbeiter und Angestellte tätig. Rechnerisch könnten also ungefähr 5500 Jobs bedroht sein – wobei der Betriebsrat selbst keine Zahlen nennt. Vielmehr will er in den Verhandlungen eine Beschäftigungssicherung bis mindestens 2035 durchsetzen – die aktuelle mit dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen läuft noch bis August 2030.
„Belegschaft ist verunsichert und unzufrieden“
Der Betriebsrat sei davon überzeugt, dass die Zukunft der Kolleginnen und Kollegen wichtiger sei als die reine Erhöhung des Profits, heißt es. „Dafür sind Investitionen in unsere Standorte notwendig“, sagte Aslan. „Die Belegschaft ist verunsichert und unzufrieden, dies haben die Kolleginnen und Kollegen auf den Betriebsversammlungen auch deutlich zum Ausdruck gebracht.“
Fast fünf Stunden lang sind die Beschäftigten allein in Zuffenhausen über die Gespräche zum Zukunftspaket informiert worden. Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen seien „unerlässlich für die Meinungsbildung des Gesamtbetriebsrats als auch der IG Metall bei Porsche“, heißt es. „Gleichzeitig bedeuten sie den größten Ansporn für die Arbeitnehmervertreter, sich weiterhin mit ganzer Kraft und voller Überzeugung für Belegschaft und Unternehmen einzusetzen.“
„Keine einseitigen Forderungen des Vorstands“
Am Dienstag voriger Woche hatte der Vorstand dem Betriebsrat beim dritten Gesprächstermin zum Sparpaket eine umfassende Liste mit Forderungen präsentiert. Die Streichung von Einmalzahlungen und Jubiläumsleistungen ist da ebenso erwähnt wie ein „Personalabbau im Angestelltenbereich“ oder ein „Personalabbau und Reduzierung Fabrikkosten“, die „Anpassung Mobiles Arbeiten/Homeoffice“ und der „Entfall EZ-Pause“, womit die Erholungszeit gemeint ist.
Auch die „Reduzierung von Altersvorsorgebeiträgen“ oder die „Reduzierung der Azubi-Zahlen“ werden angeführt. Weil der Betriebsrat nicht gleich sein Entgegenkommen signalisierte, sah der Vorstand erst einmal keine Grundlage für weitere Gespräche.
Blume sagt Gespräche „auf Augenhöhe“ zu
Der Vorstand stelle Auslagerungen ganzer Betriebsteile, Fahrzeugprojekte und Fahrzeuge in den Raum, moniert der Betriebsrat. Er erwarte nun „Gespräche auf Augenhöhe und keine einseitigen Forderungen des Vorstands“, so Aslan. „Wir wollen Lösungen, die Porsche und die Belegschaft stärken, nicht einseitige Kürzungen auf Kosten unserer Kolleginnen und Kollegen.“ Dafür brauche es „Sorgfalt und keine Schnellschüsse“.
Er begrüße es daher, dass Vorstandschef Oliver Blume auf den Betriebsversammlungen für den Vorstand angekündigt habe, „die Gespräche auf Augenhöhe weiterführen zu wollen – mit dem Ziel, gemeinsame Lösungen zu finden“. Er hoffe, dass Blumes „Aussage, der Vorstand stehe zu den deutschen Porsche-Standorten, auch bei den Verhandlungsführern angekommen ist“.
Aslan über den Vorstandschef: „Du hast alles gegeben“
Zugleich hatten der Betriebsrat und die Beschäftigten auf den Versammlungen ihren nach Wolfsburg strebenden Vorstandsvorsitzenden verabschiedet. Aslan dankte Blume für 13 Jahre bei Porsche, davon zehn Jahre als Vorstandsvorsitzender: „Du hast alles gegeben, um Porsche gut zu führen“, so der Betriebsratschef. „Deine herausragende Eigenschaft hierbei war immer der zähe, unaufgeregte Mut.“ Blume sei „nicht großspurig, nicht überheblich, aber bodenständig“. Und er lobte: „Dein Mut und Dein Durchhaltevermögen haben Dich dahingebracht, wo Du nun bist.“