Der Krokus im Zavelsteiner Naturschutzgebiet Foto: Schroth

Die Krokusse sind ein schützenswertes Alleinstellungsmerkmal von Bad Teinach-Zavelstein. Darum wird ihr Bestand und dessen Entwicklung auch wissenschaftlich dokumentiert. Der Trend ist jedenfalls positiv, wie ein Bericht verdeutlicht.

Wenn der Krokus in Bad Teinach-Zavelstein blüht, kommen zahlreiche Menschen, um sich an dem Naturschauspiel zu erfreuen. Doch nicht nur wegen seiner touristischen Strahlkraft ist der Bad Teinach-Zavelsteiner Krokus eine schützenswerte Besonderheit.

 

Das erkenne man an seinem lateinischen Namen Crocus neglectus, erklärte Karl-Eugen Schroth dem Gemeinderat. Er ist selbst ehemaliger Gemeinderat und dokumentiert im Rahmen eines Projekts seit 2010 den Erhalt und die Förderung in Bad Teinach-Zavelstein.

Krokus gehört zu eigenständiger Art

„Neglectus“ bedeutet übersetzt „der Übersehene“, so Schroth. Das habe allerdings nichts mit der Sichtbarkeit der Pflanze zu tun. Denn das blau-violette Blütenmeer lässt sich kaum übersehen.

Es bezieht sich auf die Genetik der dortigen Krokus-Population. Denn auch, wenn er sich äußerlich kaum vom Frühlings-Krokus (Crocus vernus/Crocus napolitanus) unterscheide und lange auch dafür gehalten wurde, haben genetische Untersuchungen ergeben, dass es sich um eine eigenständige Unterart handelt.

Art wurde 2014 erstmals beschrieben

„Der Crocus neglectus hat gegenüber dem Crocus napolitanus die doppelte Anzahl an Chromosomen“, erklärte Schroth. Der Crocus neglectus wurde erstmals 2014 im nordwestlichen Italien beschrieben. Es wird vermutet, dass der Bad Teinach-Zavelsteiner Krokus dort seinen Ursprung hat.

Bei einem genauen Blick auf die Blüten falle auf, „dass unser Krokus sehr variabel ist“, erklärte Schroth. Das bedeutet, dass die Farbe der Blüten teilweise durchgehend kräftig violett ist, teilweise aber auch fast weiß. Oder nur der Rand sehr kräftig gefärbt ist und sich dann feine Äderchen durch die Blütenblätter ziehen.

Insgesamt liege die Vermutung nahe, dass sich die Art noch in der Entwicklung befinde. „Wer weiß“, sagte Schroth schmunzelnd, „vielleicht reden wir eines Tages über den Crocus zavelsteiniensis“.

Die zahlenmäßige Entwicklung des Krokus im Zavelsteiner Naturschutzgebiet sei laut Schroth jedenfalls positiv. 2024 sei mit 1,89 Millionen Krokussen zwar leicht unter den 1,93 Millionen von 2023 geblieben, doch das sei im Rahmen der natürlichen Schwankungen. Immerhin habe die Temperatur 2024 in den für die Entwicklungen des Krokus wichtigen Monaten Februar und März deutlich über dem historischen Durchschnitt gelegen.

Anzahl der Krokusse seit Projekbeginn verdoppelt

2010, als er das Projekt und damit die Beobachtung der Population begonnen hat, seien es lediglich 0,85 Millionen gewesen. Mit 1,89 Millionen habe sich die Anzahl der Krokusse also verdoppelt.

Doch wie kommt Schroth auf dies Zahlen? Schließlich kann er nicht jede Pflanze zählen. „Dazu habe ich immer meinen Quadratmeter dabei“, erklärte er. Das sind vier verbundene Holzlatten, deren Innenfläche einen Quadratmeter groß ist. Den lege er an verschiedenen Orten im Naturschutzgebiet auf den Boden, zähle die Pflanzen und rechne das auf die Fläche hoch.

Er betont auch den Beitrag der Landwirte zur positiven Entwicklung der Krokus-Population. Diese mähen Flächen, auf denen sich der Krokus wohlfühlt, erst im Juni. Denn bis dahin sind die Krokus-Samen ausgefallen.

„Insgesamt eine tolle Geschichte“, meinte Bürgermeister Markus Wendel. Seiner Meinung nach sind die 10  000 Euro, die das Projekt jährlich koste, „ein sinnvoller Einsatz öffentlicher Mittel“.