Seit 27 Jahren führt Brigitte Strohm gemeinsam mit ihrem Ehemann Jürgen den Winterladen in der Villinger Rietstraße. In diesem Jahr hat Villingens erster Pop-up-Store zum letzten Mal geöffnet. Foto: Leroy Behrens

Nach 27 Jahren verabschiedet sich der Winterladen in Villingen. Gemeinsam mit Hans Lierheimer führten Brigitte und Jürgen Strohm den Laden mit antiken Möbeln und handgefertigter Keramik. Der Pop-up-Store hat noch bis zum 4. Januar geöffnet.

Sobald das Eiscafé Zampolli in der Winterzeit seine Tore schließt, schlägt die Stunde des Winterladens von dem Schwenninger Keramikermeister Jürgen Strohm und seiner Frau Brigitte. Um die Winterpause des Eiscafés zu überbrücken, öffnet das Ehepaar Strohm, gemeinsam mit Hans Lierheimer, seit nunmehr 27 Jahren ihren Pop-up-Store in der Rietstraße. In diesem Jahr öffnet der Traditionsladen jedoch zum letzten Mal.

 

Die Geschichte des Winterladens reicht bis in die 1980er Jahre zurück, als drei Villingerinnen damit begannen, ihre selbst gemachten Arbeiten während der Winterpause des Eiscafés Zampolli auszustellen und zu verkaufen. Bald stieß der Niedereschacher Möbelschreiner Hans Lierheimer dazu, der seine antiken Möbel in den Laden brachte und die Arbeiten der Frauen auf diesen präsentierte. So wurde Villingens erster Pop-up-Store geboren – ein Konzept, das damals noch völlig neu war.

Ein Zufall führt das Ehepaar Strohm in den Winterladen

Nachdem die Gründerinnen des Winterladens ihre Aktivitäten eingestellt hatten, übernahm Hans Lierheimer den Laden für ein Jahr allein.

Doch dann, durch einen glücklichen Zufall, fanden Brigitte und Jürgen Strohm den Weg in den Winterladen. Brigitte Strohm erinnert sich: „Wir haben bei Hans Lierheimer einen Schrank gekauft. Als er uns den Schrank lieferte, hat er gesehen, dass wir in Schwenningen eine Töpferei haben.“ Lierheimer fragte das Ehepaar, ob sie Interesse hätten, den Winterladen gemeinsam mit ihm weiterzuführen, da er sich die Kombination aus Möbeln und Keramik gut vorstellen konnte. „Nur Möbel wäre nicht so toll gewesen“, So Strohm. Für Brigitte und Jürgen Strohm war das Angebot eine wunderbare Gelegenheit, ihre Keramik in Villingen zu präsentieren. „Die Villinger sind damals nicht oft nach Schwenningen gekommen, um einzukaufen. Für uns war das eine gute Gelegenheit unsere Keramik in Villingen zu zeigen“, erklärt Brigitte Strohm.

All die Jahre haben sie gemeinsam eine bunte Mischung verkauft – antike Möbel, Kerzen, Kunsthandwerk aus der Region und viele Dekoartikel. „Einfach alles, was man für Weihnachten so braucht“, sagt Strohm. Doch 2024 ist das letzte Jahr des Winterladens. Im September verstarb Hans Lierheimer nach langer Krankheit. Ohne ihn und seine antiken Möbelstücke möchten Brigitte und Jürgen Strohm nicht weitermachen: „Wir haben nun keine antiken Möbelstücke mehr und ich mag mich nicht auf etwas alternatives einlassen“, erklärt Brigitte Strohm. „Ich könnte keine Regale aufstellen und einfach weitermachen. Das wäre für mich kein Winterladen mehr.“

Die enge Partnerschaft zwischen Lierheimer und Strohm habe den Laden erst einzigartig gemacht. Deshalb hätten sie gemeinsam beschlossen, jetzt aufzuhören. Gerade die Kombination aus den Möbeln von Lierheimer und der Keramik von Jürgen Strohm habe den Winterladen einzigartig gemacht. „Das hat uns auch von anderen Pop-up-Stores unterschieden, die es heute massenhaft gibt“, so Brigitte Strohm.

Kunden bedauern das Aus des Ladens

Die Entscheidung, den Winterladen zu schließen, fiel Brigitte und Jürgen Strohm nicht leicht. Besonders ihre langjährigen Kunden bedauern das Aus des Ladens. „Fast jeder zweite kommt und fragt, warum wir aufhören. Sie sagen, es kann doch nicht sein, dass wir das so einfach beenden, wenn es doch so gut läuft“, erzählt Strohm. Doch trotz der vielen treuen Kunden und der Nachfrage, die nie nachgelassen hat, sei es für sie der richtige Zeitpunkt, aufzuhören. Es sei einfach nicht dasselbe ohne Lierheimers Möbel. Der Winterladen in der Rietstraße wird noch bis zum 4. Januar geöffnet sein, doch danach schließen sich seine Tore endgültig.

Die Töpferei von Jürgen und Brigitte Strohm in Schwenningen bleibt weiterhin bestehen. „Vor Weihnachten werden wir sicherlich auch wieder etwas machen. Nur dann eben bei uns im Laden“, sagt Brigitte Strohm. Der Winterladen mag schließen, aber die Verbindung zu ihren Kunden bleibt – nur auf eine andere Weise.