Sandra Lutz übernimmt den Nagolder Pop-up-Store mit „Wohnglück“. Foto: Menzler

Der Pop-up-Store trägt einen neuen Namen: „Wohnglück“ ist dort – vorübergehend – eingezogen. Warum es dabei gerade um nordische Deko und eine Spende an ein Schutzhaus geht, erklärt Sandra Lutz im Gespräch.

Sandra Lutz ist seit dieser Woche die Mieterin des Pop-up-Stores in Nagold. Wer den Laden betritt, merkt sofort: Hier steckt Herzblut drin. Die Leidenschaft, die Lutz für ihren Laden hat, springt förmlich auf die Gäste über. Im Laden spiegelt sich ihre Liebe zum Detail wieder. Vor allem in den nordischen Wohnaccessoires, die sie verkauft.

 

„Ich habe vor 15 Jahren mit einem eigenen Laden in Mötzingen angefangen“, erzählt sie. Als gelernte Bauzeichnerin fehlte ihr nach langer Pause für ihre vier Kinder allerdings die Kreativität in dem Beruf. „Früher wurde noch viel mit Tusche gezeichnet und Kunst gelebt“, erinnert sie sich. Heute sei alles immer mehr ins Digitale gewandert – und „das hat mich einfach nicht mehr erfüllt“, unterstreicht sie.

Also suchte sie nach etwas, dass sie erfüllt. „Als Kind war es immer etwas Tolles mein Zimmer zu dekorieren“, erinnert sie sich. Und so begann sie Dekoartikel zu verkaufen, die sie selbst hergestellt hatte. „Leider sind viele nicht bereit, so viel Geld auszugeben“, erfuhr sie schnell. Über eine Messe suchte sie sich dann Händler, die ihre Vorstellungen entsprechen und mit denen sie sich identifizieren kann.

In dem Laden verkauft Sandra Lutz skandinavische Wohnaccessoires. Foto: Menzler

Schnell rückten dann die nordischen Marken in den Fokus. „Sie spiegeln etwas Unbeschwertes wieder“, betont sie, das habe sie gefesselt. Und bis heute ist sie den skandinavischen Wohnaccessoires treu geblieben.

Nagold liegt ihr am Herzen

Obwohl sie bereits einen kleineren Laden in Mötzingen betreibt, hat sie vor ein paar Jahren bemerkt: Sie gehört nach Nagold. „Die Stadt liegt mir einfach am Herzen“, erzählt sie im Pressegespräch. Bereits 2019 hätte sie die Möglichkeit gehabt, eine Ladenfläche in der Nagolder Innenstadt zu beziehen, erzählt sie. „Doch als Corona kam, war ich ganz froh, dass ich das nicht gemacht habe.“ Und nun ist sie eben in den Pop-up-Store gezogen. Und testet ihr Konzept bei der Laufkundschaft aus.

Obwohl es erst September ist, steht Weihnachten für viele schon vor der Tür. Foto: Menzler

Bereits beim Dekorieren des Ladens habe es sich einfach richtig angefühlt und auch die Eröffnung sei ein voller Erfolg gewesen. „Wir hatten zwar mit vielen gerechnet, aber nicht so vielen.“ Die Aktionsgeschenke für die ersten Besucher seien in Nullkommanichts weg gewesen.

Teil des Erlöses geht an Frauenhaus

Da sich die Zusage in Nagold für sie wie ein Geschenk anfühlte, wollte Sandra Lutz auch etwas zurückgeben. Sie entschloss sich dazu zehn Prozent des gesamten Erlöses – bis zum Ende am 25. November – an die Organisation Kainos e.V gespendet. Der Verein hilft Frauen, die in Zwangsprostitution leben, aus ihrer Situation und gibt ihnen in einem Schutzhaus die Möglichkeit sich ein neues, besseres Leben in Deutschland oder ihrem Heimatland aufzubauen. Da sie selbst etwas Schrecklicheres erlebt hatte, kam ihr dieser Gedanke.

Familie steht hinter ihr

Geschafft habe sie ihre jahrelange Reise mit „Wohnglück“ dank des Beistands ihrer Familie. „Kurz vor der Öffnung in Mötzingen wollte ich einen Rückzieher machen“, erzählt sie. Doch ihre Kinder, damals teils erst in der Grundschule, haben sie umgestimmt: „Nein Mama, du machst das jetzt!“

Und mit der ganzen Familie ging es auch in Nagold weiter. Während Sandra Lutz den Laden alleine betreibt, halfen beim Sturm am Eröffnungstag die Schwiegermutter beim Einpacken und die mittlerweile erwachsenen Kinder brachten ab und zu Essen vorbei oder kochten zu Hause. Das Herzensprojekt wird also nicht nur von einem Herzen getragen.