In Hornberg hat Besitzer Marcel Hajnal dem Betrieb seiner Eltern mit viel hippem Retrocharme einen zeitgemäßen Anstrich verpasst, um ein neues Publikum ins Kinzigtal zu locken. Die Zukunft ist aber ungewiss.
Das Hornberger Pop Up-Hotel „Das schöne Leben“ gibt es bereits seit drei Jahren. Das ist ungewöhnlich, denn der Begriff „Pop Up“ verweist eigentlich auf eine kurze Lebensdauer: Vor allem in Großstädten tauchen Pop Up-Läden oder Pop Up-Restaurants plötzlich in bisher anderweitig genutzten Räumen auf und sind nach wenigen Wochen oder Monaten, manchmal sogar nach Tagen wieder verschwunden. „Pop Up“-Hotels gibt es dagegen nur wenige, schon alleine deswegen, weil mit einem Hotel ein großer betrieblicher Aufwand verbunden ist.
Aber als Marcel Hajnal 2019 überlegte, ob und wie er das Hotel seiner Eltern übernehmen wolle, beschloss er, dieses Konzept anzuwenden und „das Hotel einmal auf links zu drehen.“ Das Pop Up-Hotel sollte eine Art Spielwiese sein – ideal, um viele Ideen einfach mal auszutesten.
Hajnals Großeltern hatten das Hornberger Hotel „Schondelgrund“ bereits in den 1950er Jahren gegründet. Damals war es noch ein Café, wurde aber im Laufe der Zeit schrittweise zur Hotelanlage mit Gastronomie und Kegelbahnen ausgebaut. In den 1980er Jahren folgte ein Neubau mit sieben Gästezimmern. 1989 übernahmen Hajnals Eltern das Hotel, kauften 1995 das Nachbarhaus und gliederten es in die Anlage ein.
Den größten Umsatz machte das Hotel mit dem Bustourismus
In dieser Zeit erlebte der Schwarzwald mit dem damalig boomenden Reisebustourismus seine Blütezeit. Auch für das „Schondelgrund“ waren es die wirtschaftlich besten Jahre, wie Hajnal erzählt. „Bis zu acht Busse wurden bei meinen Eltern am Tag durchgeschleust. Aber das hat sich gewandelt. Mit dem Internet kam der Individualtourismus.“ Hotels wie das von Hajnals Eltern wurden im ganzen Schwarzwald zum Auslaufmodell.
Als bei Hajnals Vater 2019 Demenz diagnostiziert wurde, musste der Sohn sich quasi über Nacht entscheiden, ob er den Betrieb übernehmen wolle. Die Voraussetzungen waren eigentlich gut: Hajnal ist vom Fach. Er hatte eine Lehre zum Hotelfachmann absolviert und später im Ausland Hotelmanagement studiert. Trotzdem sei er unschlüssig gewesen, ob er sich auf das Wagnis, ein in die Jahre gekommenes Etablissement zu übernehmen, einlassen sollte. Die Alternativen seien Abriss oder Verkauf gewesen, sagt der 36-Jährige. Andererseits sei er überzeugt gewesen, dass sich auch im Schwarzwald ein Publikum für alternative Hotelkonzepte finden lasse. Als dann bei ihm und seiner Frau Franca der Entschluss feststand, das Hotel zu übernehmen, machten sie sich mit Bekannten mitten in der Coronazeit an den Umbau zum „Pop Up“-Hotel „Das schöne Leben“. Das Besondere: Hajnal nutzte einen Großteil des altmodischen Interieurs und arrangierte es neu. So besitzt das Hotel heute einen „Vintage Chic“, für den man woanders viel Geld in die Hand nehmen müsste. Im Hotel „Schondelgrund“ war alles bereits vorhanden.
Anfangs sei es nicht so gut gelaufen, wie er im Voraus geglaubt habe, sagt Hajnal. „Ich ging davon aus, ich mach jetzt lautes Marketing mit meinem innovativen Konzept und alle rennen hin. So war es aber nicht. Da war ich etwas blauäugig“, gibt er zu. Mit dem alteingesessenen Publikum in Hornberg gab es Konflikte. „Da wurde ich schonmal angeschrien, weil es keinen Wurstsalat mehr auf der Karte gab“, erzählt Hajnal. „Ich hatte aber da keine Lust drauf.“ Auch wenn sich sich der Ärger gelegt hat, muss Hajnal einräumen: „Nur etwa zehn Prozent der Gäste von damals sind noch da.“ Dafür kommen laut Hajnal viele Gäste aus dem näheren Umland, aus Haslach oder Offenburg beispielsweise. Aber auch von weiter weg. „Schweiz, das Elsass oder Stuttgart – das Einzugsgebiet ist riesig.“
Auch nach drei Jahren ist vieles am und im Hotel noch provisorisch. Ob das auch mal zu Kritik seitens der Gäste führe? „Gerade am Anfang haben wir schlechte Bewertungen bekommen.“ Deswegen führt Hajnal neue Gäste durch das Areal und erklärt sein Konzept. „Mittlerweile spielen wir auch damit, dass wir ein in die Jahre gekommenes Hotel haben, das anders ist.“
Wie geht es weiter?
Marcel Hajnal weiß um den riesigen Investitionsstau der Anlage: „Es braucht eine Grundsanierung, schon aus energetischen Gründen. Aber dafür müsste ein Bebauungsplan erstellt werden, und dafür sind unzählige Gutachten nötig, die viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen würden.“ Im Moment ist Hajnal in der Findungsphase: „So gut es auch läuft, auf Dauer kann es so nicht weitergehen,“ sagt Hajnal und denkt über Szenarien ohne Bebauungsplan nach. Das heißt im Endeffekt: „Wir müssen im Bestand bauen.“