Peter Schilling im Jahr 1984 als Major Tom in einem TV-Studio Foto: imago/Horst Galuschka

Peter Schilling, der Stuttgarter, der uns den NDW-Hit „Major Tom“ bescherte, wird an diesem Mittwoch 70 Jahre alt. Im Interview erklärt er, warum die 1980er nie wirklich weg waren.

Bekannt geworden ist der gebürtige Stuttgarter Peter Schilling Anfang der Achtzigerjahre mit seinem Hit „Major Tom“. Mehr als vier Jahrzehnte später macht er immer noch Musik. Dabei sieht er sich als Dienstleister, und seine neue Single findet er „einen super gelungenen Song“.

 

Herr Schilling, was haben Sie am 28. Januar vor?

Das ist privat. Ich weiß natürlich, dass sich die Jahreszahl mal wieder eine Runde weiter dreht. Eine Riesenfeier wird es nicht geben, weil siebzigmal Geburtstag zu haben: Da gewöhnt man sich ja fast daran.

Peter Schilling ist auch über 40 Jahre nach „Major Tom“ noch musikalisch aktiv. Foto: Thomas Von Aagh

Sie sind dann seit 70 Jahren auf der Welt und einer größeren Masse von Menschen insbesondere wegen eines einzigen Songs bekannt, nämlich Ihres Nummer-1-Hits „Major Tom“ aus dem Jahr 1982. Wie fällt Ihre künstlerische Bilanz aus?

Wir reden doch von der Zwischenbilanz, oder?

Selbstverständlich. Schließlich hoffen wir beide, dass Sie noch lange aktiv sind.

Diese Zwischenbilanz fällt für mich sehr positiv aus, weil sehr, sehr viel passiert ist. Ich habe ja mit „The Different Story“, was hier in Deutschland kaum jemand weiß, einen zweiten Welthit geschrieben, der in Amerika in den Top 100 war. Ich habe allerlei weitere Hits wie „Terra Titanic“, „Die Wüste lebt“ oder „Ich vermisse Dich“. Logisch, ich weiß auch, dass „Major Tom“ der Überflieger schlechthin ist. Schön, einen solchen Song im Repertoire zu haben! Millionen Songwriter auf der ganzen Welt wünschen sich sowas, und ich habe es: Es ist thematisch und klanglich ein ewig aktueller Song.

Haben Sie mittlerweile eine Erklärung dafür, weshalb eben dieser Song diesen Erfolg hatte? War die Hookline der Grund dafür, der Hall im Refrain oder womöglich der Bass?

All das hat wahrscheinlich eine Rolle gespielt. Die Produktionsphase meines Albums „Fehler im System“ war damals eine für mich wunderschöne Zeit. Sie war leicht. Keiner hat auf mich geguckt, weil ich noch nicht erfolgreich war. Ich konnte an der Hornbergstraße in Stuttgart mein Ding machen. So ist Song für Song entstanden, und als die Plattenfirma am Schluss noch zwei weitere Songs für das Album haben wollte, weil wir zu wenige hatten, war einer dieser beiden Songs „Major Tom“. Der andere war „Die Wüste lebt“. Das Lied hat Platz 7 in den Charts erreicht.

„Die Wüste lebt“ oder auch „Terra Titanic“ wurden ja nach einem ähnlichen Muster produziert wie „Major Tom“. Haben Sie eine Vermutung, weshalb diese Lieder nicht ebenfalls Nummer-1-Hits geworden sind?

Ich finde Platz 7 für „Die Wüste lebt“ durchaus respektabel. Top 20 für „Terra Titanic“ auch.

Natürlich . . .

. . . Und „Terra Titanic“ hat sich im Nachhinein zu einem echten Live-Hit entwickelt. Die Leute gehen bei diesem Lied ab – das toppt beinahe „Major Tom“, auch bei meiner fortlaufenden Konzert-Show im Zeiss-Großplanetarium in Berlin, die immer ausverkauft ist. Das ist meine gefühlte künstlerische Lebenswirklichkeit.

An Silvester 2023 trat Peter Schilling auf dem Stuttgarter Schlossplatz auf. (Archivbild) Foto: Andreas Rosar

Im Gegensatz zum eingängigen Refrain bedarf es ja einiger Konzentration, um die Verse von „Major Tom“ verstehen zu wollen. Ist es vielleicht auch ein Teil des vorhin eruierten Erfolgsgeheimnisses, dass man Anstrengung aufwenden muss, um den Versen alles entnehmen zu können, was drin ist?

Das ist richtig. Ich singe ja nicht bloß „völlig losgelöst“, sondern erzähle eine Geschichte. Das Publikum hat das Recht, aus einem Lied das zu machen, was es so für richtig hält. Das Publikum ist der Kunde, und ich bin der Dienstleister.

Diesen Freitag veröffentlichen Sie eine neue Single namens „Antistar“, die den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit zufolge nicht auf Platz 1 der Charts landen wird. Wie motivieren Sie sich, dennoch neue Musik zu produzieren und zu veröffentlichen?

Da liegt doch im Titel die Antwort: Antistar.

Inwiefern?

Ich habe nie angefangen Musik zu machen, weil ich berühmt werden wollte oder weil ich Geld verdienen wollte, wobei ich nichts gegen Geld verdienen habe, nicht falsch verstehen. Meine Motivation war immer Musik. Man mag mich deswegen naiv nennen, dann bin ich halt naiv, damit kann ich hervorragend leben. Wenn ein Song fertig ist, und er ist gut geworden – und ich messe einen guten Song nicht alleine am Erfolg, sondern in meiner persönlichen Zufriedenheit – , und wenn er dann noch vielen Menschen gefällt, was immer man unter viel versteht, dann bin ich ein glücklicher Mensch. Ich finde „Antistar“ einen super gelungenen Song.

Der Song klingt wie eine Peter-Schilling-Produktion aus den Achtzigerjahren, oder?

Das sollte so sein. Wir haben aber nicht an altem Repertoire entlangkomponiert, sondern haben uns da was Neues einfallen lassen. Ich habe die Achtzigerjahre ganz bewusst musikalisch zitiert. Dann allerdings habe ich den Blick vom Rückspiegel in die Frontscheibe gewagt. Einfach nach vorne. Denn die Achtzigerjahre sind ja in ihrem Style nie wirklich weg gewesen, weil damals wurde einfach tolle Musik gemacht. Die jungen Produzenten und Leute, die heute Musik machen, nehmen das sehr positiv wahr. Und wenn einer aus den Achtzigern kommt, kann er sie doch da abholen und bedienen. Genau das mache ich.

Der Sänger und sein Lied

Musiker
Peter Schilling wurde am 28. Januar 1956 in Stuttgart geboren und lebt seit Jahren in München. Mittlerweile hat der auch als Buchautor tätige Musiker mehr als ein Dutzend Alben veröffentlicht, im Sommer soll ein neues erscheinen.

Hit
Das Lied „Major Tom“, veröffentlicht im November 1982, konnte sich acht Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Singlecharts halten und führte auch in Österreich und in der Schweiz die Hitparaden an. Die englischsprachige Version schaffte es in den USA auf Platz 14.