Der amerikanische Präsident tritt bei der Ehrung von Widerstandskämpfern ins Fettnäpfchen.

Warschau/Washington - Ausgerechnet bei der posthumen Ehrung eines polnischen Widerstandskämpfers im Weißen Haus hat US-Präsident Barack Obama gepatzt. Obama würdigte Jan Karski, den Kurier der polnischen Untergrundbewegung im Zweiten Weltkrieg, als denjenigen, der in das Warschauer Ghetto und die „polnischen Todeslager“ eingeschleust worden war. Polen kämpft seit Jahren dagegen, die nationalsozialistischen KZ historisch falsch als „polnische“ Lager zu bezeichnen.

Der frühere polnische Außenminister Adam Rotfeld, selbst ein Holocaust-Überlebender, hatte zuvor die Freiheitsmedaille für den im Jahr 2000 gestorbenen Karski entgegen genommen. Mit der Auszeichnung wurde Karskis Arbeit im Widerstand gegen die Nationalsozialisten gewürdigt. Der Pole hatte auch als erster Augenzeuge den Alliierten Berichte über den nationalsozialistischen Judenmord zukommen lassen.

"Das waren unglückliche Worte, aber keine Absicht"

Rotfeld sagte polnischen Medienvertretern in Washington, Polen erwarte eine Klarstellung des Weißen Hauses und eine Entschuldigung. Die Verantwortung für den sprachlichen Lapsus wies er allerdings nicht Obama zu, sondern den Mitarbeitern, die den Redetext des US-Präsidenten verfassten.

„Das waren unglückliche Worte, aber keine Absicht“, versuchte dagegen der frühere US-Außenminister Zbigniew Brzezinski, selbst polnischer Abstammung, im polnischen Nachrichtensender TVN 24 die Gemüter zu beruhigen.

Der polnische Justizminister Jaroslaw Gowin sah das anders: „Das darf man nicht bagatellisieren“, sagte er am Mittwoch im polnischen Rundfunk. „Wenn wir zulassen, dass der wichtigste Politiker der Welt an völlig falschen Stereotypen festhält, ... dann kann das heißen, dass es in einigen Jahrzehnten heißt, für den Holocaust seien die Polen verantwortlich und nicht die Deutschen.“

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