Im Prozess um die Poller-Attacke in Horb verdeckt der Angeklagte (27) sein Gesicht. Foto: Jürgen Lück

Vor dem Landgericht startet der Prozess wegen der brutalen Poller-Attacke in Horb. Angeklagt ist ein 27-jähriger Mann. Die Anklageschrift nennt erschütternde Details.

Mit erschütternden Details startet der Prozess um die Poller-Attacke in Horb. Im August 2025 soll ein 27-Jähriger zwei Frauen in den Bildechinger Steige mit einem Metallpoller niedergeschlagen haben. Zum Prozessauftakt fährt sich der Angeklagte immer wieder über das Gesicht. Offenbar weint er.

 

Staatsanwalt Maximalian Ill verliest die Anklage gegen den 27-Jährigen. Ill: „Der Angeklagte schlug die 41-Jährige mit dem elf Kilogramm schweren Metallpoller gegen den Kopf. Sie ging zu Boden. Sie schrie vor Schmerzen. Dann schlug er wieder mit dem Poller zu. Sie regte sich nicht, blutete aus dem Kopf. Er war sich sicher, sie getötet zu haben.“

Der 27-Jährige wird wegen versuchten Mords angeklagt

Deshalb lautet die Anklage: versuchter Mord. Und schwere Körperverletzung in zwei Fällen. Der Grund: Der Mann aus Eritrea hat laut Anklageschrift noch eine weitere Frau angegriffen, die die 41-jährige Bedienung nach dem Streit in der Kneipe in der Bildechinger Steige schützen wollte.

Als dieser Part der Anklage verlesen wird, wischt sich der Angeklagte die Hand über die Stirn. Hält sie über die Augen. Sein Körper bebt – als ob er weint.

So kam es zur Poller-Attacke in der Bildechinger Steige

In seiner Anklage schildert Staatsanwalt Ill, wie es zu der Poller-Attacke nach Stand der Ermittlungen gekommen sein soll. Gegen 18 Uhr soll der Angeklagte eine Kneipe in der Unterstadt betreten haben, in der er Hausverbot hat. Die 41-Jährige bediente hier. Die Wirtin sagte laut Anklage, dass er gehen solle. Ill: „Der Angeklagte sagte: Ich bringe dich um. Der Lebensgefährte der Bedienung und ein anderer Gast brachten ihn raus. Hier schlug er dem Lebensgefährten so auf die Nase, dass sie blutete.“ Deshalb lautet die Anklage auch: Bedrohung und Körperletzung.“

Das passierte in der Kneipe

Staatsanwalt Ill weiter: „Er saß gegen 22.30 Uhr in der Gaststätte an der Bildechinger Steige am Spielautomaten. Die 41-Jährige war mit zwei Freundinnen da. Als er die Bedienung erkannte, rief er: „Ich mache dich tot. Du wirst schon sehen. Das machst du nicht mit mir.“ Zu den Freundinnen rief er: „Ich mache euch fertig.“

Einer der Metallpfosten beim Brunnen am Unteren Markt diente dem 27-Jährigen als Tatwaffe. Foto: Schülke

Die Frauen nahmen die Drohungen ernst. Der Angeklagte soll die Gastronomie verlassen und einen elf Kilogramm schweren Metallpoller gegenüber aus der Verankerung gerissen haben. Er versteckte sich im Hauseingang. Der Staatsanwalt: „Als die 41-Jährige gegen 1.40 Uhr heim wollte, gingen die Freundinnen mit, um sie zu schützen. Mit dem Poller in der rechten Hand ging er auf die Freundin (31) zu, schlug ihr sofort frontal gegen die Stirn. Dann ging er auf die 41-Jährige los.“ Die dritte der Frauen wurde nicht angegriffen.

Wie geht es dem 41-jährigen Opfer?

Die 31-Jährige wurde kurz nach der Attacke wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Wochenlang bangte ganz Horb um die 41-Jährige Bedienung.

Wie durch ein Wunder überlebte sie die Poller-Attacke. Sie wird durch Nebenkläger Michael Doll vertreten. Er sagt: „Ich habe bisher mit ihrem Freund gesprochen. Demnach ist sie aus der Reha raus. Sie hat aber ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren. Es ist unklar, ob der wieder kommt.“

Am nächsten Prozesstag – Freitag, 13. März – sind die Opfer der Poller-Attacke geladen. Wird auch der Angeklagte aussagen? Sein Verteidiger Benjamin Waldmüller: „Er wird Angaben zur Person machen. Ob er zur Sache aussagt, ist noch nicht abschließend geklärt.“

Was hat der 27-Jährige bisher überhaupt gesagt? Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand: ledig. Und dass er bei einem Zustelldienst gearbeitet hat.