Ralph Geigle an seiner neuen Wirkungsstätte, dem Polizeirevier in Nagold. Foto: Geisel

Alle Wege führen nach Nagold – zumindest für Ralph Geigle. Während seiner 40 Jahre bei der Polizei verschlug es ihn immer wieder zurück auf das Revier. Seit 1. August ist er dessen stellvertretender Leiter.

Nagold - Warum er ursprünglich zur Polizei wollte, weiß der 56-Jährige heute gar nicht mehr so genau. Sein Jugendtrainer beim Fußball war allerdings Polizist – ein erster Berührungspunkt mit dem Beruf. "Irgendwann hat es mich dann interessiert", sagt Ralph Geigle.

Zudem sei 1982, als er nach seinem Realschulabschluss die Einstellungsprüfung ablegte, die wirtschaftliche Lage nicht die beste gewesen. Und Beamter war – und ist bis heute – ein krisensicherer Beruf. Auch wenn es als Polizist so manches Erlebnis gibt, das einem in Erinnerung bleibt. Ralph Geigle jedenfalls hat schon die unterschiedlichsten Facetten des Polizeidienstes kennengelernt und dabei auch einiges erlebt.

Sucheinsatz nach dem Hammermörder

Schon während seiner Grundausbildung zum mittleren Dienst in Lahr bei der Bereitschaftspolizei war Geigle bei Demonstrationen in Freiburg und Walddurchsuchungen im Einsatz. Ein Fall ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: der Hammermörder. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um einen Polizisten, der sechs Morde beging und vier Banküberfälle verübte. Geigle war bei einem Sucheinsatz dabei und als der Hubschrauber startete und das Laub wegwehte, kam ganz in der Nähe der Einsatzfahrzeuge die Leiche eines Opfers zum Vorschein.

Besonders schön sei dafür, wenn man beispielsweise Einbrüche aufklären und Gestohlenes zurückbringen könne. Vor allem bei Schmuck gehe es oft mehr um den ideellen als den materiellen Wert. Entsprechend dankbar und glücklich seien die Eigentümer, wenn sie ihn wiederbekommen. Auch einem Sportverein konnte er schon seinen gestohlenen Fernseher zurückbringen – ein freudiger Moment seiner Dienstzeit.

Auch unangenehme Tätigkeiten

Den Beruf des Polizisten beschreibt Ralph Geigle als "interessant und vielfältig". Sicher gehören auch unangenehme Tätigkeiten dazu, wie das Überbringen von Todesnachrichten. Doch dafür seien Polizisten geschult und so könne den Angehörigen diese furchtbare Botschaft wenigstens professionell übermittelt werden. Außerdem – und da zieht Ralph Geigle eine Parallele zu seinem Hobby, der Imkerei – dürfe man nur wenig Angst haben. Ob vor Menschen oder vor Bienen, wie er mit einem Lächeln erzählt.

Während seiner Pflichtzeit bei der Einsatzhundertschaft war Ralph Geigle etwa 50-mal in Mutlangen. Die Nato habe damals entschieden, aufzurüsten. Mutlangen war bekannt für den bundesweiten Protest gegen die Aufrüstung.

Am 1. März 1987 trat er seinen Dienst in Nagold an. Das Revier kannte er schon aus seinen Praktika während der Ausbildung. Die Wahl fiel dem Wildberger leicht, Nagold ist sein Wohnortrevier. "Das war gut hier", erinnert er sich. In seinen ersten Jahren in Nagold lernte Ralph Geigle auch etwas Neues über sich selbst: "Ich bin kein Nachmensch", erzählt er lachend. Also wechselte er 1992 nach Gechingen – wegen des Tagesdienstes. Bereits zwei Jahre später verschlug es ihn auf den Wildberger Posten, wo er mit Erhard Schulz, dessen Nachfolge er nun angetreten hat, und seinem heutigen Revier-Kollegen Rolf Dittus zusammenarbeitete.

Von der Streife bis zur Kripo

Nach zwei Jahren in Wildberg erhielt Ralph Geigle die Zulassung für das Studium zum gehobenen Dienst, womit er die nächsten zweieinhalb Jahre verbrachte. Alle Bereiche wurden als Lehrinhalte behandelt – von der Streife bis zur Kripo. Sein Praxissemester brachte ihn zurück zum Nagolder Revier, wo er sich gleich in seinem ersten Dienst als Dienstgruppenleiter mit einem schrecklichen Fall konfrontiert sah. Eine Frau warf ihre beiden Kinder vom Viadukt und sprang schließlich selbst. Ein Anblick, der selbst einen erfahrenen Beamten verfolgt. Wie kann man so etwas psychisch verarbeiten? "Man arbeitet, hat Aufgaben, wahrt eine professionelle Distanz", erklärt Geigle. Und dennoch lasse es einen nicht ganz los.

Im Jahr 1999, nach absolviertem Studium, machte Geigle nochmal einen kurzen Abstecher nach Nagold, ehe er Postenleiter in Gechingen – nach der Zusammenlegung der Posten in Althengstett – wurde. Bis Ende 2018 ging Ralph Geigle dort seiner Arbeit nach.

"Hier stimmt eigentlich alles"

2019 tat sich die Chance auf, eine andere Richtung einzuschlagen und beim Landeskriminalamt das Projekt X-Polizei zu begleiten. Dabei geht es um Software-Entwicklung. Theoretisch kann jedes Bundesland ein eigenes System verwenden, was es schwer macht, dieses zu knacken, aber auch kompliziert, zu kooperieren. Das Ziel: dies möglichst vereinheitlichen. Geigle war als "Praktiker" im Bereich Fachlichkeit tätig und arbeitete am einheitlichen Fallbearbeitungssystem mit. Eigentlich wollte der Hauptkommissar dies als Zwischenstation in der Stabsarbeit nutzen, hatte dann aber so viel Freude an der Tätigkeit, dass er bis zum Projektabschluss blieb.

Wie das Schicksal manchmal so spielt, erschien zum perfekten Zeitpunkt die Ausschreibung für die stellvertretende Revierleitung in Nagold. Geigle nutzte das perfekte Timing, bewarb sich und hatte Erfolg. Besondere Ziele hat er sich für diese Aufgabe nicht gesetzt. "Hier stimmt eigentlich alles, da muss man nicht viel verändern", findet Geigle. "Vielmehr geht es darum, das Niveau zu halten."