130 Wohnungen sollten nach der Nutzung durch 500 Polizeistudenten auf einen Schlag für Mieter in Villingen-Schwenningen zur Verfügung stehen. Doch daraus wird nun nichts, weil das Land die Wohnkapazitäten der französischen Streitkräfte weiterhin benötigt.
Es war eine der größten Modernisierungsmaßnahmen in der Geschichte der Stadt, welche durch das „Bündnis für faires Wohnen“ (BFFW) unter der Federführung der Baugenossenschaft Villingen, der Wohnungsbaugesellschaft und des Familienheims umgesetzt wurde – der Umbau der ehemaligen Soldatenwohnungen in Villingen.
Umbau der Wohnhäuser Diese haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Jahrzehnte lang dienten sie als Wohnunterkunft für die französischen Streitkräfte, wurden dann unter anderem im Rahmen der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 zur „Bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge“. Zwischenzeitlich wohnten hier mehr als 1000 Schutzsuchende, ehe die Einrichtung geschlossen wurde.
Kauf dank eines Deals möglich gemacht
Im Jahr 2018 signalisierte der Bund als Eigentümer: Die Wohngebäude sollen verkauft werden. Über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) wurde schließlich ein Deal eingetütet. Das BFFW als städtische Erwerbsgesellschaft sollte den Zuschlag für den Kauf erhalten, als Bedingung wurde vereinbart, dass die Mehrfamilienhäuser nach einer Modernisierung zunächst als Studentenwohnungen für rund 500 angehende Polizisten der Hochschule für Polizei zur Verfügung stehen. Das Land fungierte in dieser Konstellation als Mieter.
Denn die Ausbildung der Sicherheitskräfte von Morgen war zu jener Zeit von verantwortlicher Stelle im Innenministerium forciert worden, für den Ausbau der Studierendenzahlen fehlten allerdings die kurzfristig zur Verfügung stehenden Wohnkapazitäten.
Mietvertrag über sechs Jahre
Der Verkauf war im August 2018 eingetütet worden. Damals war als Zeithorizont eine Nutzung der Polizeistudenten bis Herbst 2021 angedacht, danach sollten die Mehrfamilienhäuser geräumt werden, um für Entspannung an dem schon damals angespannten Mietermarkt zu sorgen. Letztlich sahen die vertraglichen Vereinbarungen vor, dass ab der Fertigstellung der neu gestalteten Wohneinheiten im März 2019 das Land sechs Jahre als Mieter fungiert, wie damals Wbg-Geschäftsführer Rainer Müldner erklärte.
Für 35 Millionen Euro modernisierten die drei Vertragspartner in Rekordzeit die 130 Wohneinheiten und sorgten damit für aktuelle Wohnstandards: Die großen Wohnblöcke erhielten einen Aufzug, neue Balkone und nach Abtragen der Dächer ein weiteres Geschoss.
Funktionale Zwischenwände
Der Innenausbau war so gestaltet worden, dass mithilfe von mobilen Zwischenwänden die Wohnungen innerhalb kurzer Zeit zu größeren Mietwohnungen umfunktioniert werden können. Wohlwissend, dass zukünftig nicht Studenten, sondern eher Paare und Familien hier bezahlbaren Wohnraum in Anspruch nehmen. Zum Herbst 2021 war auch das letzte Gebäude grundlegend saniert worden.
So äußert sich das Land Seit der Fertigstellung der ersten Gebäude sind mittlerweile vier Jahre ins Land gezogen – braucht das Land weiterhin die Kapazitäten in den Ex-Franzosenwohnungen für die Polizeistudenten? Diese Frage stellt unsere Redaktion Sieglinde Neyer-Bedenk, Leiterin des Amtes Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Konstanz. Diese erklärt, dass sich das zuständige Amt derzeit noch im Austausch mit der Hochschule befinde, und „noch Einzelfragen auf verschiedenen Verwaltungsebenen zu klären“ seien.
Details werden derzeit erarbeitet
Sie macht aber ebenso deutlich: „Eine Fortführung der erforderlichen Unterbringungskapazitäten auf dem erreichten Niveau zeichnet sich jedoch ab.“ Details zu den dafür erforderlichen Wohnheimkapazitäten würde man derzeit noch erarbeiten. Heißt im Umkehrschluss: Die 130 Wohnungen kommen im Frühjahr 2025 wohl nicht auf den Markt.
Müldners Sicht der Dinge Das bestätigt auch Wbg-Geschäftsführer Rainer Müldner stellvertretend für das Bündnis für faires Wohnen. Das Land werde seinen Informationen zufolge die Option ziehen, den Mietvertrag um weitere drei Jahre zu verlängern. Detaillierte Gespräche hätte es dazu aber noch nicht gegeben.
Innere Sicherheit ist ebenso wichtig
Müldner wägt die Folgen ab: Natürlich hätten die Wohnungen dem Markt in VS gut getan. Schließlich befänden sich alleine auf der Warteliste der Wbg seit Jahren konstant bis zu 900 Interessenten für eine neue Wohnung.
„Auf der anderen Seite drängen die 500 Polizeistudenten nicht noch zusätzlich auf den Wohnungsmarkt“, macht Müldner deutlich. Zudem sei das Thema der inneren Sicherheit natürlich wichtig – das Land brauche neue Polizisten.
Neubauten anvisiert Für den Wohnungsbauexperten gehe daher kein Weg daran vorbei, dass VS Neubauten brauche. Ein Thema in diesem Zusammenhang sei weiterhin das zunächst auf Eis gelegte Projekt in der Sturmbühlstraße mit anvisierten 100 Wohnungen. Hinsichtlich der staatlichen Förderungen tue sich hier aber zu wenig, macht Müldner deutlich.
Man müsse daher anderweitig schauen, wie man „die Baukosten runterprügeln“ könne und dann mit neuerstellten Planungen auf die Stadt zugehen. Das Ziel sei klar: Während die Franzosen-Wohnungen noch belegt sind, sollen in der Doppelstadt neue Mietwohnungen realisiert werden.