Die Hilfe für Menschen als Polizist, das Leichtathletik-Training mit jungen Menschen beim TV Sulz oder die ehrenamtliche Arbeit im Vöhringer Gemeinderat sind prägende Facetten von Norbert Burkhardt. Nach gut 44 Jahren Polizeidienst ist er nun im Ruhestand.
Norbert Burkhardt blickt zufrieden auf die vergangenen 16 Jahre zurück. „Meine längste – und auch schönste – Dienstzeit war in Sulz“, erklärt der frühere Leiter des Polizeipostens.
Das „Draußen-Sein“ bei den Menschen und die ländliche Struktur, wo jeder jeden kenne, habe ihm sehr gefallen. „Das ist nicht so anonym wie in einer Kreisstadt wie Böblingen“,zieht er einen Vergleich.
Kein Schreibtisch-Typ
Mit 17 Jahren hatte sich der in Böblingen aufgewachsene Burkhardt entschlossen, Polizist zu werden. Eigentlich habe er sich nach der Mittleren Reife auch als Großhandels – sowie Bankkaufmann beworben.
„Ich bin aber gar nicht der Schreibtisch-Typ, sondern wollte etwas mit Leuten tun und den Menschen helfen“, erklärt der 61-Jährige. Und so kam es, dass er zur Bereitschaftspolizei nach Göppingen kam.
Pfarrer und Psychologe
Die nächste Station war dann Böblingen. Elf Jahre war er mit schweren – mitunter tödlichen – Verkehrsunfällen im Landkreis konfrontiert und auch für die Verkehrsüberwachung von Schwerlastverkehr und Motorradkontrollen zuständig.
Dass der Umgang mit Menschen, auch in schwierigen Situationen, Burkhardt ein Anliegen war, macht er an einer kleinen Anekdote aus dem Böblinger Streifendienst fest. „Mein damaliger Dienstgruppenleiter sagte, ich hätte auch einen guten Pfarrer oder Psychologen abgegeben.“
Die Frau an seiner Seite
1998 stand dann der Umzug nach Vöhringen und jahrelanges Pendeln nach Böblingen an. Aber so war man der Gegend seiner Frau Brigitte, einer gebürtigen Fischingerin, deutlich näher. „Wir haben uns im Dienst kennengelernt“, blickt er auf die Begegnung mit der Krankenschwester im Krankenhaus Böblingen zurück.
In den fast 40 Jahren seit ihrer Heirat hätte sie ihm stets, sei es im Dienst oder in einem seiner Ehrenämter, den Rücken gestärkt.
Eine richtige „Berufung“
Eine Herausforderung, vor der das junge Paar mit zwei kleinen Kinder damals stand, war – parallel zum regulären Schichtdienst – Burkhardts Studium an der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen. „Ohne meine Frau hätte ich das nie geschafft“, stellt er klar.
Doch hielt der Beruf, den Burkhardt als „Berufung“ bezeichnet, nicht nur Stress bereit. „Das Schönste für mich war, wenn ich Menschen, die durch einen Unfall oder eine Straftat zu Schaden kamen, helfen konnte“, sagt er.
Böblingen, Oberndorf, Sulz
Ein Ereignis ist ihm dabei noch besonders in Erinnerung. Ein Betrüger hatte sich nach Italien abgesetzt, wo er von den dortigen Kollegen verhaftet wurde. Burkhardt reiste gemeinsam mit Uwe Pfau nach Mailand und brachte den Mann wieder nach Deutschland zurück, wo er vor Gericht gestellt und verurteilt wurde.
Zu dieser Zeit war er schon in Sulz. Denn nachdem 2006 im Oberndorfer Polizeirevier war, hatte er seit 2009 – bis zum 31. März 2025 – die Leitung des Sulzer Polizeipostens inne.
Turnen und Leichtathletik
Doch Burkhardts Leben ist nicht nur vom Polizeidienst geprägt. Ein großer Teil macht auch der Sport aus. Denn seit dem achten Lebensjahr war er im Kinderturnen des SV Böblingen aktiv, wechselte später zu Leichtalthetik. „Ich habe mich beim Bodenturnen wohlgefühlt“, erinnert er sich. Da er einer der größten seines Altes war, hätten ihm die Saltos in der Luft eher nicht so gelegen.
Über einen Bekannten seiner Eltern, der die zahlreichen Urkunden in seinem Zimmer gesehen habe, kam der Kontakt zum VfB Stuttgart zustande.
Sportlicher Abteilungsleiter
„In der U18-Jugend bin ich dann deutscher Vizemeister in der 4x400-Meter-Staffel geworden“, spricht er über seinen größten Erfolg. Durch den Vereinssport und die vielen Trainingslager sei er weit herumgekommen und hätte auch Disziplin erlebt – was für seinen späteren Beruf von Bedeutung gewesen sei.
Zehn Jahre lang war Burkhardt in der Vorstandschaft des TV Sulz und trainiert als Abteilungsleiter Leichtathletik viermal pro Woche mit der ganzen Gruppe oder einzelnen Athleten im Stadion, der Halle oder dem Kraftraum.
Engagement für Mitmenschen
Auch beim „Sulzer Sommerspaß“ ist Burkhardt vorne mit dabei. Unter dem Motto „Spaß am Sport“ bietet er seit Jahren Leichtathletik-Angebote für Kinder an, die auch rege genutzt werden. „Die Arbeit mit den Jugendlichen hält mich fit“, lautet sein Fazit.
Doch das ist nicht seine einzige Passion. Seit mittlerweile vier Amtsperioden sitzt er im Vöhringer Gemeinderat und engagiert sich für Kommunalpolitik. „Wir haben hier unser Haus gebaut und zwei Kinder großgezogen – da will ich mich auch für die Gemeinde einbringen“, erklärt er seine Motivation.
„Demokratie lebt vom Mitmachen“
Wichtige Themen seien etwa der Bau der Turnhalle gewesen, die Wohnbauentwicklung oder das Hofäcker-Areal. Auch Gewerbeflächen auf Vöhringer Gemarkung seien Burkhardt zufolge bedeutend für Arbeitsplätze und Einnahmen für die Kommune.
„Demokratie lebt vom Mitmachen“, lautet sein Motto. Nur so sei es möglich, den Ort lebenswert zu gestalten und ihn attraktiv für junge Familien zu machen.
Das sei auch der Grund, warum er mit dem Ruhestand nicht in ein Loch fallen werde. Schließlich werde er sein Ehrenamt in Sport und Kommunalpolitik weiter machen und jetzt ein bisschen mehr Zeit für seine drei Enkelkinder haben.