Überfälle, Brände, Flugzeugabstürze: Polizeihauptkommissar Peter Müller hat ein bewegtes Polizistenleben hinter sich. Nach 42 Berufsjahren hört er im August auf.
Das sei sein spektakulärster Einsatz gewesen, erinnerte sich Müller, der einzige, bei dem er seine Waffe abfeuerte. Damals, im Sommer 2004, war er schon frühmorgens auf dem Polizeiposten in Efringen-Kirchen. In der Volksbank, direkt gegenüber, waren nachts zwei Bankräuber eingebrochen. Die morgens eintreffenden Bankmitarbeiter wurden gezwungen, den Tresor zu öffnen, was den stillen Alarm auslöste.
Alarmiert näherte Müller sich der Bank, als plötzlich das Fluchtfahrzeug auf ihn zuraste. Er wich aus, konnte aber noch auf einen Reifen schießen. Die Täter entkamen, eine Großfahndung verlief ergebnislos. Doch später wurden im liegengebliebenen Wagen DNA-Spuren gesichert – die Täter wurden gefasst.
Viele Großeinsätze
Müller erinnert sich an viele anspruchsvolle Großeinsätze: In Istein war 2004 ein Traktor auf die Gleise gerutscht. Zwar war der Fahrer unverletzt geblieben, aber es war eine logistische Herausforderung, hunderte erschrockene Passagiere zu evakuieren. Als ein Jahr später auf der Scheideck in Kandern eine Privatmaschine abstürzte, gehörte Müller dem Suchtrupp an, der das Wrack und die Toten im Schnee suchte.
Weitere Großeinsätze folgten wegen der Großbrände bei der Firma Kühl 2013 und 2018, und auch der Großbrand bei der Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim vor zwei Jahren wird dem Hauptkommissar im Gedächtnis bleiben. Doch auch ohne Großeinsätze habe es der Polizeialltag in sich: Seit der Pandemie seien die Menschen reizbarer, die häusliche Gewalt sei deutlich angestiegen.
Seine 42 Dienstjahre startete Müller in Weil, wurde dort Dienstgruppenleiter, später Postenleiter in Efringen-Kirchen. Ab 2005 leitete er den Posten Markgräflerland, aus dem nach der Schließung der Posten in Efringen-Kirchen und Schliengen der Polizeiposten Kandern wurde. Den Polizeiposten in der Kanderner Gartenstadt hat er mit seinem jungen Team vor drei Jahren bezogen.
Worauf Müller immer Wert gelegt hat, ist, seine Netzwerke zu pflegen. Kontakte zu halten zu den Entscheidungsträgern der Blaulichtorganisationen, er besuchte zahllose Versammlungen, pflegte persönliche und dienstliche Kontakte, würdigte die Ehrenamtlichen. Auch blieb er nachts für die Polizeikollegen bei großen Einsätzen jederzeit erreichbar.
Was ihm besonders Spaß gemacht hat? Die Ermittlungen nach Bränden, die detektivische Spurensuche der Sachverständigen nach möglichen Ursachen zu unterstützen, „ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen zusetzten.“ Unzählige Häuserbrände habe er erlebt – für die Betroffenen sei das immer eine Katastrophe. Das positive Feedback der Geschädigten, die und deren Versicherungen auf ein schnelles Ermittlungsergebnis hofften, habe ihn immer angespornt.
Auch die vielen positiven Bürger- und Behördenkontakte waren ihm wichtig. Gefreut habe es ihn, wenn junge Menschen nach Gesetzesverstößen „wieder auf den rechten Weg gebracht werden konnten“. Auch die Zusammenarbeit mit dem zuletzt recht jungen Polizeipostenteam in Kandern sei wichtig gewesen – sowie die Ausbildung von jungen Nachwuchskräften in der Ermittlungsarbeit des Polizeipostens.
Doch die anspruchsvolle Polizeiarbeit fordert und kann belasten. Zehn Jahre lang war Müller als Konfliktberater der Polizei im Landkreis Lörrach tätig und betreute Kollegen, die berufsbedingt psychosoziale Unterstützung brauchten. In diesem Zusammenhang hielt er Schulungen darüber ab, wie man das professionelle Überbringen einer Todesnachricht gestaltet.
Irlandreise mit Ehefrau
Die nächste Veränderung steht schon vor der Tür: Ende des Jahres eröffnet der Polizeiposten in Bad Bellingen, von den aktuell acht Polizeibeamten in Kandern bleiben vier dort, in Bad Bellingen werden künftig fünf Kollegen Dienst verrichten.
Was ihm noch an seiner Arbeit gefallen hat? Als Leiter eines vergleichsweise überschaubaren Postens war die Hierarchie flach, wie seine Mitarbeiter hat er bis zuletzt Anzeigendienste geleistet, an Einsätzen teilgenommen und auch leidenschaftlich ermittelt. Ob ihm denn langweilig wird, wenn er kein Polizist mehr ist? Müller antwortet mit einem entschiedenen Nein. Zusammen mit seiner Frau will er zunächst eine Irlandreise unternehmen, und künftig mehr Zeit mit Freunden und seiner Familie verbringen.
Zur Person
Der Polizistensohn Peter Müller ist 58 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne sowie vier Enkelkinder. Mit seiner Ehefrau lebt er in Eimeldingen. Offiziell pensioniert wird er erst nächstes Jahr, ein angespartes Zeitkonto ermöglicht ihm, schon jetzt aufzuhören. Seine Laufbahn begann er 1984 als Polizeiwachtmeister 1984 in Lahr, dann wechselte er zu den Einsatzhundertschaften in Lahr und Freiburg, bevor er anschließend verschiedene Führungsfunktionen innerhalb der Polizei übernahm.