Christian Schmidt leitet seit einigen Monaten das Polizeirevier Lörrach. Im Interview sprach er über die Stadt und was man mitbringen muss, um ein guter Polizist zu sein.
Herr Schmidt, welchen Eindruck haben Sie als Leiter des Lörracher Polizeireviers von ihrer neuen Stelle gewonnen?
Die erste Zeit war geprägt vom Kennenlernen unserer Mitarbeiter und unserer Partner – von der Stadt über die Blaulichtfamilie bis hin zu Villa Schöpflin, Drogenberatung und Kaltenbach Stiftung. Dieses Netzwerk habe ich in Lörrach bisher als sehr gut, aber auch als notwendig wahrgenommen. Die Herausforderungen, denen wir uns stellen, sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die wir als Landespolizei nicht alleine lösen können. Es ist wichtig, die Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und mit differenzierten Maßnahmen darauf zu reagieren. Dieses Netzwerk möchte ich fortführen und stärken.
Wie nehmen Sie die Stadt Lörrach wahr?
In Lörrach lässt es sich sehr gut leben. Charakterisiert durch die Nähe zur Schweiz, wird die Stadt in ihrem Zentrum vom Einkaufserlebnis geprägt. Aus polizeilicher Sicht hat Lörrach eine urbane Struktur mit den entsprechenden Herausforderungen, auch der Großraum Basel strahlt bis hierher aus. In einer Stadt dieser Größenordnung gibt es regelmäßig Veranstaltungs- und Versammlungslagen, die wir, falls notwendig, polizeilich begleiten.
Was ist für Sie als Polizist das Besondere an der grenznahen Situation?
Für die Bürger hat diese Situation viele Vorteile: freies Bewegen über die Grenze, freier Warenverkehr – zumindest im Schengen-Raum, aber das macht es auch Straftätern einfacher.
Wir tragen dem Umstand durch intensiven grenzüberschreitenden Austausch und damit einhergehender Zusammenarbeit Rechnung.
Sie kommen als Leiter des Reviers Breisach nach Lörrach. Kennen Sie den Landkreis?
Ich wohne im Markgräflerland und habe in der Vergangenheit schon in Rheinfelden, Müllheim und Freiburg gearbeitet. In den letzten Wochen und Monaten hatte ich bereits zahlreiche Gelegenheiten den Landkreis, seine Institutionen und die Menschen kennenzulernen.
Mit Andreas Nagy und Jürgen Bäuml sind Leiter und Stellvertreter gleichzeitig in den Ruhestand gegangen. Eine Herausforderung für das Polizeirevier?
Die Situation ist sowohl Herausforderung als auch Chance – so sind Christian Pfaff und ich die Situation angegangen. Die Kolleginnen und Kollegen nehmen wir in Lörrach als sehr motiviert, professionell und dynamisch wahr. Das war auch der Ruf, den dieses Revier hat.
Wo sehen sie vor Ort die Schwerpunkte polizeilicher Arbeit?
In der Innenstadt sind die Veranstaltungslagen und die nächtliche Gastronomie für uns Themen. Auch der Bahnhofsvorplatz ist ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit. Wir beobachten die Lage dort genau und agieren entsprechend – aber: Er ist kein Brennpunkt. Es ist eine Örtlichkeit, an der sich viele Menschen begegnen. Dementsprechend kann es zu einzelnen Konflikten kommen.
Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Mir ist es zunächst wichtig, dass wir freundlich und anständig miteinander umgehen. Dass wir als Polizei uns unserer Rolle in der Gesellschaft bewusst sind. Wir sind Träger des Gewaltmonopols – und ich erwarte von Kolleginnen und Kollegen, dass sie in jeder einzelnen Situation verhältnismäßig agieren. Und: Man darf nicht vergessen, dass wir mit dem Großteil der Bevölkerung positive Begegnungen haben – die problematischen Fälle sind in der Minderzahl.
Wie ist die personelle Ausstattung im Revier?
Wir können unsere Aufgaben grundsätzlich erfolgreich bewältigen. Mehr Personal ist immer wünschenswert, aber wir sind insgesamt gut ausgestattet.
Wie ist die Bewerberlage?
Insgesamt ist die Bewerberlage in Baden-Württemberg gut und stabil. Aber es gibt Unterschiede zwischen den Landkreisen. In der Grenzregion locken für junge Menschen auch die Möglichkeiten der ausländischen Arbeitsmärkte. Daher ist die Bewerberlage hier im Landkreis nicht ganz so groß wie in anderen Regionen – also gerne bewerben! Unsere Einstellungsberater und unsere Kolleginnen und Kollegen stehen für Fragen zum Beruf gerne zur Verfügung.
Was muss man für den Beruf mitbringen?
Man muss als Persönlichkeit eine gewisse Resilienz mitbringen, Grundmotivation und vor allem Interesse am Menschen. Was ich ebenfalls als wesentlich empfinde, ist das Verständnis der demokratischen Prozesse und das Reflektieren der eigenen Rolle in unserer Gesellschaft.
Bei welchen Tätigkeiten können Sie privat abschalten vom Job des Lörracher Polizeichefs?
Abschalten kann ich in der Natur und bei gemeinsamen Aktivitäten mit Freunden und der Familie. Ich bin sehr gern draußen unterwegs: beim Joggen ebenso gern wie beim Wandern.