Jürgen Lederer: „Einen klassischen Kriminalitätsschwerpunkt gibt es in Schramberg nicht.“ Foto: Zeger

Jürgen Lederer spricht über das„Goldene Dreieck“ in der Talstadt, sensible Einsatzbereiche und warum er Besuch von knapp 30 Frauen hatte.

Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Papierakten – und das, obwohl im Polizeirevier Schramberg seit einigen Wochen die elektronische Akte eingeführt ist. „Das sind alles Bewerbungen für die ausgeschriebene Stelle in unserem Geschäftszimmer“, erläutert Revierleiter Jürgen Lederer. Knapp 30 Frauen haben sich beworben – „so viele wie noch nie“. Er führt dies auf die wirtschaftlich angespannte Lage in der Industrie zurück. Die Einstellungstests für diesen gefragten Posten sind ordentlich gelaufen, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. „Da die Einarbeitungszeit für diese Stelle recht lange dauert, muss es am Ende wirklich passen.“

 

Rund 40 Beamte im Dienst

Seit knapp zehn Jahren leitet Jürgen Lederer das Polizeirevier Schramberg. Rund 40 Beamte sind hier im Dienst. Die jüngste Kollegin ist 20 Jahre alt, der älteste Kollege 60. „Die Mehrheit der Beamten ist zwischen 20 und 25 Jahre alt, und etwa ein Drittel davon sind weiblich“, berichtet Lederer. Er bricht dabei eine Lanze für den Polizeinachwuchs: „Das sind alles wirklich gute Leute. Die oft geäußerten Vorbehalte gegenüber der Generation Z kann ich absolut nicht teilen.“ Das Polizeirevier Schramberg ist eines von insgesamt 13 Revieren im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz. Dieses betreut die Landkreise Konstanz, Tuttlingen, Rottweil und den Schwarzwald-Baar-Kreis. Insgesamt sind dort 1550 Beschäftigte tätig, davon 1315 Polizeibeamte – rund 1100 bei der Schutzpolizei und 215 bei der Kriminalpolizei.

„Die Zusammenarbeit funktioniert trotz der räumlichen Entfernung relativ gut“, betont Jürgen Lederer. Wenn in Schramberg personelle Unterstützung benötigt werde, komme diese meist aus St. Georgen oder Oberndorf. „Das klappt reibungslos.“ Auch innerhalb des Reviers gibt es spezialisierte Zuständigkeiten. So bearbeitet ein Beamter ausschließlich Fälle häuslicher Gewalt – stets in enger Abstimmung mit der Koordinationsstelle im Polizeipräsidium Konstanz. Unter häusliche Gewalt fallen alle Formen von (Ex-)partnerschaftlicher Gewalt, egal ob körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt. „Häusliche Gewalt ist bei uns ein großes Thema“, erklärt Lederer. „Sie betrifft nicht nur die Kernstadt, sondern alle Stadtteile und auch die Umlandgemeinden.“

Großes Thema landauf und landab

Dabei trete sie unabhängig von Alter, Nationalität, Religion oder kulturellem Hintergrund auf. Aufgrund der Vielzahl der Fälle werde derzeit geprüft, ob ein weiterer Beamter speziell für diesen Bereich ausgebildet werden soll.

Einen klassischen Kriminalitätsschwerpunkt gebe es in Schramberg hingegen nicht. Häufiger komme es jedoch zu Ruhestörungen im sogenannten Goldenen Dreieck – gemeint sind die Kneipen an der Steige. Dort sei die Polizei in Abstimmung mit der Stadt vor allem nachts teilweise mehrfach präsent.

Freie Tage werden an der Fasnet gestrichen

Generell arbeite man sehr eng mit der Stadtverwaltung zusammen, so Lederer. Das gelte auch für die anstehende Fasnetszeit. Für rund ein Dutzend seiner Beamten werden an den närrischen Tagen die freien Tage gestrichen. Zusätzlich seien im Rahmen des Sicherheitskonzeptes bei verschiedenen Fasnetsveranstaltungen weitere private Sicherheitskräfte im Einsatz.

Den Dienstplan für die närrischen Tage koordiniert derzeit der stellvertretende Revierleiter Andreas Stuber – so kann sich Jürgen Lederer in aller Ruhe noch einmal dem Aktenstapel mit den Bewerbungen für das Geschäftszimmer widmen.

Bedrohung

Häusliche Gewalt
 Bei akuter Bedrohung hilft die Polizei unter Telefon 110 weiter. Eine Strafanzeige kann bei jeder Polizeidienststelle erstattet werden. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (116 016) ist rund um die Uhr und in vielen Sprachen besetzt. Weitere Frauenberatungsstellen und Infos zu Frauenhäusern gibt es unter www.frauen-gegen-gewalt.de.