Nach dem Brand einer Kehler Disco am Sonntag hat die Polizei Details zur Schadenshöhe und den Ermittlungen veröffentlicht – und bittet in drei Sprachen um Mithilfe.
Vom „K-Club“ im Kehler Gewerbegebiet Sundheim sind nach einem Großbrand am frühen Sonntagmorgen nur noch Ruinen übrig. Der Schaden beläuft sich laut einer ersten Schätzung der Polizei auf einen unteren einstelligen Millionenbetrag.
Der Brand in Kehl hatte Erinnerungen an die Katastrophe der Silvesternacht in Crans-Montana wachgerufen. Zum Jahreswechsel brach dort in einer Bar ein verheerender Brand aus, 41 Menschen kamen ums Leben und Dutzende wurden verletzt. Funkensprühende Partyfontänen hatten Schaumstoff an der Decke in Brand gesetzt.
Anders als in dem Schweizer Alpenort konnten sich am Sonntag in Kehl alle 750 Clubgäste in Sicherheit bringen. Lediglich drei mussten sich aufgrund der „Gesamtsituation“ vom Rettungsdienst behandeln lassen. Eine weitere Disco-Besucherin soll eigenen Angaben zu Folge bei der Evakuierung gestürzt sein und sich dabei leicht verletzt haben. Die Umstände dazu sind noch Gegenstand der Ermittlungen.
Zeugen berichten von Flammen an der Decke
Zur Brandursache kann laut Polizei derzeit noch keine gesicherte Aussage getroffen werden. Der Kriminaldauerdienst nahm noch während des Brandgeschehens die Ermittlungen auf und vernahm erste Zeugen.
Gäste des Kehler Clubs berichten, wie schnell die Lage eskalierte. „Es fühlte sich an, als würden wir die Szenen aus Crans-Montana noch einmal erleben“, zitiert die elsässische Tageszeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ einen Gast. Sie habe zunächst nicht richtig verstanden, was los sei, sagte die junge Frau. „Erst nach ein paar Sekunden sah ich, wie sich das Feuer an der Decke ausbreitete. Alles ging so schnell.“
Eine weitere Besucherin war mitten auf der Tanzfläche, als ein Freund die Flammen an der Decke gesehen habe, wie sie dem Blatt sagte. „Ich konnte den Blick nicht von den Flammen abwenden. Zum Glück war er da und holte mich in die Realität zurück.“
Untersuchungen zur Brandursache werden langwierig
Ob ein technischer Defekt, das Abbrennen von pyrotechnischen Sprühfontänen wie in Crans-Montana oder ein anderer Grund brandursächlich war, ist laut Polizei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
„Die Arbeiten der Kriminaltechniker hierzu befinden sich aufgrund des Ausmaßes und Zustandes des Brandortes in der Vorbereitung und werden in den kommenden Tagen durchgeführt“, heißt es aus dem Polizeipräsidium. Dafür wurde der Brandort noch im laufenden Einsatz beschlagnahmt.
Flammen schlagen aus dem Dach der Diskothek
Als die Feuerwehr, die um 3.46 Uhr alarmiert wurde, am Sonntagmorgen in der Kehler Siemensstraße eintraf, stand das Gebäude bereits lichterloh in Flammen. Der Brand erstreckte sich über beide Stockwerke des Betriebes und zerstörte das gesamte Gebäude.
Bei Eintreffen der ersten Polizeistreifen fünf Minuten nach dem Notruf, war die Evakuierung des Clubs bereits abgeschlossen. Viele Besucher verließen bereits eigenständig die Örtlichkeit oder wurden in der Folge abgeholt.
Neben vier Löschzügen der Feuerwehren Kehl sowie des gesamten Ortenaukreises waren mehrere Fahrzeuge des Rettungsdienstes sowie zwölf Streifenbesatzungen der Polizei im Einsatz.
Zeugen können Videos und Bilder auf Hinweisplattform hochladen
Die Ermittler der Kriminalpolizei sind weiterhin auf der Suche nach Zeugen, die in der Nacht zum Sonntag im „K-Club“ waren. Dafür veröffentlichten die Ermittler einen Aufruf in Deutsch, Französisch und Englisch.
Alle Gäste aus Deutschland und Frankreich, die Hinweise zu dem Geschehen geben können, insbesondere die auch Videoaufnahmen gemacht haben, werden gebeten das Hinweisportal der Polizei auf bw.hinweisportal.de/ zu nutzen. Dieses steht für Hinweise in Text, Bild oder Video in Deutsch, Französisch und Englisch zur Verfügung.