Ein Unfall vom Februar 2024 bei Offenburg blieb besonders in Erinnerung: Eine 71-jährige Frau war falsch Richtung Kinzigtal auf die B 33 aufgefahren und stieß mit einem Auto zusammen – sie starb bei dem Unglück, ein Mann wurde schwer verletzt. Foto: Einsatz-Report 24

Die Verkehrsunfallstatistik des Polizeipräsidiums Offenburg erfasste weniger Tote und Verletzte. Die Beamten sehen sich in ihrem Kurs bestärkt. Dennoch ist jeder Tote einer zu viel, so Polizeipräsident Jürgen Rieger mit Blick auf das Leid hinter den Unfällen.

17 383 Verkehrsunfälle hat das Polizeipräsidium Offenburg im vergangenen Jahr registriert. Trotz einer Zunahme der Verkehrsunfälle um 3,6 Prozent zum Jahr 2023 ziehen die Beamten eine positive Bilanz.

 

Denn: Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen ist weiter gesunken. Bei der Pressekonferenz im Präsidium gaben Polizeipräsident Jürgen Rieger und Polizeidirektor Günther Pries Einblicke in die Hintergründe der Verkehrsunfallstatistik 2024.

Zuständig ist das Präsidium dabei für Baden-Baden, den Landkreis Rastatt und den Ortenaukreis.

Weniger Getötete und Schwerverletzte: Die Zahl der besonders tragischen Unfälle hat im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums deutlich abgenommen. Um 16 Prozent ist die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten zurückgegangen. 21 Menschen verloren 2024 so ihr Leben. Im Jahr davor waren es noch 25. „Das ist eine tolle Entwicklung die wir da machen“, erklärte Polizeipräsident Rieger.

Zufrieden ist er auch mit Blick auf die Zahl der Schwerverletzten, die ebenfalls zurückgegangen ist – um sieben Prozent auf nun 371 Fälle (2023 399). Nahezu unverändert ist die Zahl der Leichtverletzten geblieben (minus 0,9 Prozent). Im Ortenaukreis ist die Zahl der Getöteten jedoch um zwei Fälle auf zwölf gestiegen.

Die Zahl der im Verkehr Schwerverletzten in der Ortenau ist im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent zurückgegangen. Im Zehn-Jahres-Vergleich sehen sich die Beamten weiter auf Kurs. Bis 2030 wolle man auf nicht mehr als 14 Verkehrstote pro Jahr kommen, blickte Rieger voraus.

Polizeipräsident Jürgen Rieger (links) und Polizeidirektor Günther Preis bei der Pressekonferenz. Foto: Wolf

Wo und weshalb geschehen die meisten Unfälle: „Ein Unfall ist nie Zufall“, stellte Günther Preis klar. Der Beamte ist Leiter der Verkehrspolizeiinspektion des Präsidiums. Der Löwenanteil der schweren Unfälle wird auf Land- und Bundesstraßen verursacht. Gerade Frontalzusammenstöße führten auf diesen Straßen immer wieder zu Toten, so Preis. Wenn hier Menschen verletzt werden, ist das Missachten der Vorfahrt eine wesentliche Ursache der Unfälle (19 Prozent), dicht darauf folgt zu hohe Geschwindigkeit (17 Prozent).

Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rangieren sind ebenfalls eine der wesentlichen Unfallursachen, so das Präsidium. Im Vergleich der verschiedenen Straßen sind die Autobahnen besonders sicher – trotz des hier hohen Verkehrsaufkommens. Zwei der 21 Toten starben bei Unfällen auf der Autobahn – genau so viele wie 2023.

Angestiegen ist hingegen die Zahl der Leichtverletzten (plus 37) und Schwerverletzten (plus zwei). Eine zu hohe Geschwindigkeit ist laut der Statistik bei Autobahn-Unfällen mit sogenanntem Personenschaden die wesentliche Unfallursache (47 Prozent), gefolgt von einem zu geringem Abstand (33 Prozent).

Fahrten unter Drogeneinfluss sind zurückgegangen: Bei der Vorstellung der Unfallstatistik im vergangenen Jahr waren die Beamten in diesem Bereich in Sorge. Cannabis wurde zum ersten April 2024 teillegalisiert, im August gab es ein neuen Grenzwert im Straßenverkehr. Insgesamt sind die Unfälle unter Drogeneinfluss jedoch um 7,4 Prozent gesunken, im Ortenaukreis gab es einen Rückgang um 22,5 Prozent. „Ein positives Ergebnis“, so Preis. Die Befürchtung, wonach die Unfälle unter Cannabiseinwirkung nach der teilweisen Freigabe ansteigen, habe sich bisher nicht bewahrheitet. Preis verweist jedoch auf „Unschärfen“, da die Gesetzesänderung noch nicht all zu lange in Kraft ist. Für die Unfallstatistik 2025 erwarte er aussagekräftigere Zahlen.

Unfälle mit Pedelecs und E-Scootern häufen sich: Auch wenn sich das Präsidium über einen allgemeinen Rückgang der Fahrradunfälle freut (minus 6,3 Prozent), haben Unfälle mit Pedelecs (E-Bikes) um 21 Prozent zugenommen. E-Scoterunfälle haben sich verdoppelt. Preis verweist auf die in jüngster Zeit stark angestiegenen Nutzerzahlen – gerade bei E-Scootern – um den starken Anstieg zu erklären.

Unfallfolgen

47 Unfälle gab es im Gebiet des Präsidiums im Schnitt täglich, mit fast acht verletzten Menschen. Das führte laut der Offenburger Statistik zu insgesamt rund 186 Millionen Euro Folgekosten.