Jahr für Jahr versendet das Polizeipräsidium Pforzheim Dutzende Mitteilungen zu Straftaten im Kreis Calw. Wir haben einige Aufsehen erregende Fälle aus 2025 herausgegriffen.
Wenn elektronische Post des Polizeipräsidiums Pforzheim im Posteingang unserer Redaktion landet, sind das in der Regel keine guten Nachrichten. Dutzende Mitteilungen zu Straftaten im Landkreis Calw kommen jedes Jahr zusammen.
Manche handeln von furchtbaren Verbrechen, andere von eher kuriosen oder ungewöhnlichen Ereignissen. Und manchmal sind die Gerüchte, die sich um mutmaßliche Taten ranken, weit spektakulärer als die Geschehnisse selbst. Wir haben zum Jahresende einige Fälle aus 2025 zusammengetragen.
Die wildesten Gerüchte
Ein großes Polizeiaufgebot in der Stuttgarter Straße in Calw sorgte im Januar für großes Aufsehen. Schnell kochte in den sozialen Medien die Gerüchteküche.
Beim Lidl sei es zu einer Massenschlägerei gekommen; die Polizei habe mehrere Macheten konfisziert und in einem Gully sei der Sprengstoff C4 gefunden worden.
Tatsächlich war es „im Bereich eines Schnellrestaurants in der Stuttgarter Straße“ (also im Bereich des McDonald’s, das sich nahe des Lidls in Calw befindet), zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Jugendlichen gekommen, erklärte die Polizei. Ein Jugendlicher wurde leicht verletzt.
Offenbar hatten sich zunächst zwei Minderjährige gestritten; einer der beiden verbreitete das dann online, woraufhin weitere Jugendliche auftauchten, um ihn zu unterstützen. Am Ende seien es rund 50 Personen gewesen. Ein kleiner Teil dieser Gruppe habe dann Drohungen ausgesprochen und einen 13-Jährigen verletzt.
Wie es zur Meldung über Macheten und Sprengstoff kam, konnte sich auch die Polizei nicht erklären. „Waffen oder andere gefährliche Gegenstände sind nicht aufgefunden worden“, hieß es eindeutig seitens der Behörden.
Der höchste Promille-Wert
Viele Meldungen, die das Präsidium verschickt, handeln von Verkehrsdelikten. Häufig ist Alkohol im Spiel.
Der höchste 2025 gemeldete Promille-Wert entfiel dabei im Juni auf einen Fahrradfahrer, der auf der Warter Straße in Altensteig unterwegs war.
Eine Polizeistreife vom Revier Nagold war zuvor auf dessen auffällige Fahrweise aufmerksam geworden. Der Alkoholtest ergab einen Wert von etwa 2,9 Promille. Der 55-Jährige musste im Anschluss eine Blutprobe abgeben.
Der kurioseste Diebstahl
„ Einbrecher klauen Kindern die Süßigkeiten“ schrieb die Polizei in einer Mitteilung im August. Was wie ein Scherz anmutet, handelte tatsächlich von einem Einbruch in einen Kindergarten in Oberreichenbach.
Entwendet wurde dort „eine kleine Menge Süßigkeiten aus dem Kühlschrank“, berichtete Oberreichenbachs Bürgermeister Johannes Schaible auf Nachfrage unserer Redaktion. „Genauer gesagt Kinder Schokobons, die offenbar sehr beliebt sind.“ Darüber hinaus fehlten „exakt 2,50 Euro aus der Kaffeekasse des Personals“ .
„Verwüstet oder randaliert wurde nicht, und ein Zugriff auf persönliche Daten erfolgte ebenfalls zu keinem Zeitpunkt.“ Schaible ging von einem „unüberlegten Jugendstreich“ aus. Der Schaden an einer Kellertür und einem Schrank hielt sich in Grenzen.
Und selbst in Sachen Süßigkeiten hatte sich etwas getan. Durch die Berichterstattung zum Einbruch trafen bei der Verwaltung Zuschriften ein, in denen auch Privatpersonen anboten, „den ‚süßen Schaden‘ großzügig zu kompensieren“.
Die schwersten Verbrechen
Nachrichten zu besonders schweren Verbrechen trafen indes im letzten Quartal des Jahres ein – gleich mehrere.
Im Oktober fand die Polizei zwei leblose Menschen, einen Mann und eine Frau, im Garten eines Anwesens im Nagolder Teilort Hochdorf. Zuvor hatten Zeugen sich bei der Polizei gemeldet und mitgeteilt, dass sie Geräusche, die an Schüsse erinnerten, gehört hätten. Rettungskräfte konnten nur noch den Tod der beiden feststellen.
Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen; Polizei und Staatsanwaltschaft erklärten jedoch, es gebe Anhaltspunkte, dass der Mann zuerst die Frau und danach sich selbst erschoss.
Bei den Verstorbenen handelt es sich um ein am Ereignisort lebendes Paar, das berechtigt im Besitz von Schusswaffen war.
„Die Hintergründe lassen sich bislang nicht eindeutig klären. Es gab jedoch wiederholt Spannungen innerhalb der Familie“, hieß es zuletzt seitens der Polizei.
Anmerkung der Redaktion: In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen – es sei denn, die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie bei der Telefonseelsorge unter 0800/1 11 01 11 oder 0800/1 11 02 22 und unter www.telefonseelsorge.de/. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de/
Im Dezember wurde indes ein Mann in Wildberg tot in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus aufgefunden.
„Umfangreiche Ermittlungen der Kriminalpolizeidirektion Calw und der Staatsanwaltschaft Tübingen, unter anderem nach dem Hinzuziehen der Rechtsmedizin, bekräftigten den Verdacht eines Tötungsdeliktes“, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim auf Anfrage unserer Redaktion.
Verletzungen durch scharfe Gewalt gelten als Todesursache; die Ermittlungen zum Tatablauf und Motiv dauern noch an.
Ein Verdächtiger wurde wenig später festgenommen und sitzt inzwischen wegen des Verdachts des Totschlags in Haft. Es handelt sich um einen 19-jährigen Mann ohne festen Wohnsitz, der das Opfer bereits vor der Tat gekannt haben soll. Nach Angaben der Polizei habe sich der 19-jährige deutsche Staatsangehörige gestellt und sei widerstandslos festgenommen worden.