Wie viele Straftaten wurden in Lahr im vergangenen Jahr verübt? Und von wem? Darüber hat Revierleiterin Susanne Steudten jetzt Auskunft gegeben.
Im Vorjahr hat es in ganz Deutschland weniger Straftaten gegeben (um 1,7 Prozent). In unserer Region schlägt sich diese Entwicklung besonders stark nieder. Denn in Offenburg (minus 7,4 Prozent) und Freiburg (minus acht Prozent, wobei die Münsterstadt landesweit nach wie vor die höchste Kriminalitätsrate hat) ist die Zahl der Straftaten sogar recht deutlich gesunken. Seit Montag ist nun bekannt, wie es damit in Lahr aussieht – nämlich nochmal ein Stück besser. Hier wurden im Vorjahr 2848 Straftaten registriert, ein Rückgang zu 2023 um sogar 13,5 Prozent.
Diese Neuigkeiten verkündeten bei einem Pressegespräch Susanne Steudten, die das Lahrer Polizeirevier seit September leitet, und ihr momentaner Stellvertreter Daniel Gann. Die beiden hoben hervor, dass die Zahl der Straftaten in den vergangenen zehn Jahren in Lahr nur ein einziges Mal noch niedriger lag – im Corona-Jahr 2020, als das öffentliche Leben teils stillgelegt war.
Drogendelikte: Ein Teil der Erklärung für diese Entwicklung liegt auf der Hand. Denn seit Cannabis weitgehend legal ist, haben Straftaten im Zusammenhang mit der Droge in Lahr abgenommen, und zwar um rund die Hälfte (von 184 Fällen im Jahr 2023 auf 93 Fälle im Vorjahr). Gleichwohl erklärt das noch nicht, weshalb die Kriminalität insgesamt so deutlich zurückgegangen ist.
Steudten hielt sich hier mit Analysen zurück, präsentierte lediglich die Zahlen, die sie „erfreulich“ nannte. „Wir werden uns anstrengen, dass es so bleibt“, versprach sie. Bei der Aufklärungsquote liege man mit 61,7 Prozent im Soll, ergänzte sie.
Ausländerkriminalität: Straftaten, die von Ausländern begangen werden, sorgen häufig für große Diskussionen. Die Revierleiterin ging darauf ein, sagte, dass 41 Prozent der Tatverdächtigen in Lahr im Vorjahr keinen deutschen Pass hatten (bei einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 21 Prozent). In Offenburg (50 Prozent) und besonders Freiburg (60 Prozent) war der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen aber noch deutlich größer. Insgesamt war die Ausländerkriminalität kein besonderes Thema bei der Vorstellung der Lahrer Kriminalitätsstatistik.
Messerangriffe: Steudten griff speziell die Zahl der Messerangriffe auf, da dieses Thema besonders wichtig für die Sicherheit im öffentlichen Raum sei, wie sie betonte. Demnach wurden im Vorjahr in Lahr zehn Angriffe mit einem Messer verübt, von denen sechs aufgeklärt wurden. Sechs Verdächtige (vier Deutsche und zwei Ausländer) habe man ermittelt. 17 Opfer gab es, von denen drei leichte Verletzungen erlitten. Die anderen 14 kamen mit dem Schrecken davon. Steudten betonte, dass es keinen Kriminalitäts-Hotspot in der Stadt gebe, an dem besonders häufig ein Messer als Waffe eingesetzt werde.
Diesen Ball nahm Markus Ibert auf, der an dem Pressegespräch im Polizeirevier teilnahm: Der OB sagte, dass die Verwaltung keine Messerverbotszone in der Stadt beantragen werde, da man dafür keine Veranlassung sehe. Bei der Gelegenheit betonte Ibert den guten Draht zwischen Stadt und Polizei.
Gewalt gegen Polizisten: Bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik im vergangenen Jahr war die Gewalt gegen Polizisten eine große Sorge der Lahrer Polizeiführung gewesen. Doch auch hier hat sich das Bild zum Besseren gewendet. Im Vorjahr wurden die Gesetzeshüter 29 Mal angegangen. Zum Vergleich: 2023 hatte es noch 59 Fälle gegeben, damals ein trauriger Rekordwert für Lahr.
Dass dieses Delikt deutlich abgenommen hat, schreibt Steudten auch den Bodycams zu, die die Polizisten mittlerweile bei ihren Einsätzen tragen und die offenbar eine beruhigende Wirkung auf aggressive Zeitgenossen haben.
Sexualdelikte: 75 „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ wurden 2024 in Lahr verübt, ein Tiefstwert der vergangenen fünf Jahre. Darunter waren zehn Vergewaltigungen, von denen neun aufgeklärt wurden. „Meist bestand eine Vorbeziehung von Tätern und Opfern“, erklärte Steudten. Fünf Vergewaltigungen wurden vom Partner verübt, tauchen somit auch bei der Deliktart „Häusliche Gewalt“ auf.
Fast die Hälfte der 75 Sexualdelikten im Vorjahr waren sexuelle Belästigungen, die zugenommen haben, seit die Gesetze verschärft wurden und auch das Grapschen unter Strafe steht. Mehr als ein Drittel der Fallzahlen betraf das Verbreiten (jugend-)pornographischer Schriften.
Diebstahl: Die positive Tendenz zeigt sich quer durch fast alle Deliktarten. So sind die Fallzahlen auch beim einfachen (612 Fälle) und schweren Diebstahl (443) deutlich zurückgegangen. Von schwerem Diebstahl spricht man, wenn der Täter eine Sicherheitsvorkehrung überwindet, indem er etwa ein Schloss aufbricht.
Lediglich beim Fahrraddiebstahl zeigt sich keine Erleichterung, denn im Vorjahr wurden 171 Räder (inklusive E-Roller) gestohlen, eines mehr als 2023.
Körperverletzungen: Bei den sogenannten Rohheitsdelikten, zu denen auch Bedrohungen und Nötigungen gerechnet werden, gibt es eine leichte Tendenz zum Besseren. Hier wurden 532 Straftaten gezählt, nach 544 im Jahr davor.
Wohnungseinbruch: Beim Wohnungseinbruch ist die Zahl konstant geblieben, 27 Einbrüche wurden gezählt, ebensoviele wie 2023. Die Täter schlagen meist in der dunklen Jahreszeit zu, warnte Steudten. Immerhin: In elf Fällen blieb es beim Versuch, dagegen gab es 16 vollendete Einbrüche. Unter dieser Straftat hätten die Opfer wegen der Verletzung ihrer Privatshpäre besonders zu leiden. Mit verstärkten Streifenfahrten wolle man die Täter davon abhalten, in Lahr aktiv zu werden, so Steudten.
Häusliche Gewalt: Die einzige Deliktart, bei der die Zahlen klar ansteigen, ist die häusliche Gewalt. Mit 156 Fällen wurde hier im Vorjahr ein Fünf-Jahres-Hoch in Lahr erreicht. Doch das sei nicht nur negativ zu verstehen, so Steudten. Denn die zunehmende Zahl von Anzeigen in dem Bereich würde auch bedeuten, dass immer mehr Opfer gegen ihre Peiniger vorgehen.