Gebrauchte Speiseöle und Fette sind eine eher unappetitliche Angelegenheit. Doch sie lassen sich immerhin noch zu Kraftstoffen verarbeiten – etwa für die Einsatzfahrzeuge der Polizei in Baden-Württemberg.
Die baden-württembergische Landesregierung erwägt, Polizeiautos künftig auch mit alternativen Kraftstoffen aus alten Speiseölen und -fetten zu betreiben, die ansonsten hätten entsorgt werden müssen und zum Beispiel für die Herstellung von Pommes frites verwendet wurden. Derzeit werde im Rahmen eines landesweiten Projekts die Neuausrichtung des gesamten Polizeifuhrparks mit Blick auf klimawirksame Fahrzeugantriebe geprüft, erklärte das Umweltministerium auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Friedrich Haag. Dabei stünden alternative Antriebe im Vordergrund, zu denen nicht nur Elektroautos gehören, sondern auch alternative Kraftstoffe zum Betrieb der bereits vorhandenen Fahrzeuge.
Das Ministerium verweist darauf, dass der Kraftstoff der Polizeiflotte in Pläne aufgenommen wurde, mit denen das Land die Nachfrage nach sogenannten Re-Fuels ankurbeln will. Bei diesen Re-Fuels handelt es sich um regenerativ hergestellte Kraftstoffe, die sehr ähnliche Eigenschaften haben wie fossile Kraftstoffe, die auf der Basis von Rohöl hergestellt wurden. Ihre Klimabilanz ist aber wesentlich besser, weil am Anfang der Produktionskette Pflanzen wie Raps oder Sonnenblumen stehen, die bei ihrem Wachstum CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen haben. Somit wird bei der Verbrennung der Öle und Fette, die aus diesen Pflanzen gewonnen wurden, im Prinzip kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. Laut Angaben des Re-Fuels-Herstellers Neste ist davon auszugehen, dass durch die Nutzung von Kraftstoff, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt wird, die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Diesel um bis zu 90 Prozent reduziert werden kann.
Welche Hürden stehen noch im Weg?
Allerdings gibt es vor dem Einsatz noch einige Hürden. Zum einen ist die Versorgung durch Tankstellen mit dem entsprechenden Diesel bisher nur rudimentär, zum anderen haben Fahrzeughersteller den Kraftstoff bisher nicht für alle Motoren freigegeben. Einsatzfahrzeuge der Polizei aber müssten aus Gründen der Sicherheit der Bevölkerung uneingeschränkt verfügbar sein, erklärt das Ministerium. Der Landesregierung seien aber keine Probleme bekannt, wenn der künstliche Diesel ungeachtet einer fehlenden Freigabe durch den Hersteller getankt wird.
Die Mehrkosten für den alternativen Kraftstoff liegen bei 15 Cent pro Liter. Insgesamt wurden für den landeseigenen Fuhrpark im Jahr 2021 rund zehn Millionen Liter Diesel verbraucht, zwei Drittel davon durch die Polizei.
Zweitverwertung vermeidet verschmutzte Abwassersysteme
Potenzial zur Produktion regenerativer Kraftstoffe sieht die Landesregierung auch in der Nutzung gebrauchter Speiseöle aus Haushalten. Durch den daraus gewonnenen Biokraftstoff könne ein zusätzlicher Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr geleistet werden, so das Ministerium. Überdies würden dadurch Verschmutzungen der Kanal- und Abwassersysteme vermieden.
Im Hohenlohekreis wird Speisefett bereits mithilfe von Automaten gesammelt. Bei dem Projekt „Jeder Tropfen zählt“ erhalten Bürgerinnen und Bürger nach Angaben der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis grüne Sammelflaschen, in denen sie alle zuhause übrigen, gebrauchten Speiseöle und-fette sammeln. Sind die Flaschen voll, können sie diese rund um die Uhr an zahlreichen Sammelautomaten abgeben. Die Stoffe werden dann zu klimafreundlichem Biokraftstoff verarbeitet.
Realistischerweise könnten dadurch laut Umweltministerium nach einer längeren Einführungsphase 600 Gramm Fett pro Kopf und Jahr abgeschöpft werden. Bei einer landesweiten Sammlung ließen sich rechnerisch jährlich 6700 Tonnen einsammeln – allerdings sei eine landesweite Realisierung bislang nicht kostendeckend möglich. Die Landesregierung werde prüfen, wie die Sammlung auch in anderen Kreisen optimiert werden könne.
Der Landtagsabgeordnete Friedrich Haag, auf dessen Anfrage die Aussagen zurückgehen, erklärt, die Landesregierung, habe „ausnahmsweise mal mehr als nur E-Mobilität im Blick“. Bei der Umsetzung aber sei man nicht bereit, für die entsprechenden Kosten aufzukommen. Stattdessen werde das Geld vom Verkehrsminister „in unnötige E-Mobilitätsförderungen gepumpt“. Dabei könne man mit diesem Biokraftstoff allein beim Fuhrpark des Landes bis zu 26 880 Tonnen CO2 einsparen. Die Landesregierung müsste ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und bei der Nutzung dem erneuerbaren Diesel Vorrang einräumen.
Biokraftstoffe
Herkunft
Biokraftstoffe lassen sich aus Pflanzen ebenso herstellen wie aus Bioabfällen und verbrauchten Speisefetten und -ölen. Abfälle pflanzlicher Herkunft haben den Vorteil, dass beim Aufwuchs der Pflanzen CO2 gebunden wurde. Verbrennen sie als Kraftstoff, wird somit im Prinzip nur CO2 freigesetzt, das zuvor gebunden worden war.
Zulassung
Kraftstoffe müssen zugelassen werden, was sich bei Biokraftstoffen lange verzögerte. Es bestand die Sorge, dass auch Biokraftstoffe aus Palmöl verwendet werden. Dieses Risiko hätte sich durch entsprechende Zertifizierungen zwar minimieren lassen, gleichwohl tat sich gerade Deutschland mit der Zulassung lange schwer.