Vorgänger mit Nachfolger: Marco Renner (links) übernimmt im Beisein von Polizeipräsident Udo Vogel vom Polizeipräsidium Reutlingen (rechts) die Leitung des Polizeireviers Hechingen von Gerhard Schuler. Foto: Roth

Das Polizeirevier in Hechingen hat einen neuen Leiter. Am Mittwochnachmittag ist Marco Renner feierlich in sein neues Amt eingeführt worden. Sein Vorgänger Gerhard Schuler blickte mit Dankbarkeit auf 41 Dienstjahre zurück – übte aber auch Kritik.

Seit dem 1. Oktober 2020 war Gerhard Schuler, der kürzlich seinen 61. Geburtstag gefeiert hat, Leiter des Polizeireviers Hechingen. In einem Schaltjahr – mitten in einer der Hochphasen der Coronavirus-Pandemie – nicht die leichteste Aufgabe. Nun – vier Jahre später – sei wieder Schaltjahr – und wieder gebe es im Polizeirevier in Hechingen eine „besondere personelle Veränderung“, wie Polizeipräsident Udo Vogel in seinem Grußwort Bezug auf die sich wiederkehrenden Ereignisse nahm.

 

Denn: Mit Marco Renner übernimmt ab März ein neuer Leiter das Ruder im Polizeirevier der Zollernstadt, dessen Einsatzgebiet sich über Rangendingen, Bisingen, Grosselfingen, Jungingen und gar Burladingen erstreckt. Daher war bei der feierlichen Dienstübergabe von Schuler an Renner am Mittwochmittag im Junginger Feuerwehrhaus auch zahlreiche Lokalprominenz zugegen – darunter Landrat Günther-Martin Pauli oder Gastgeber Oliver Simmendinger, der in seinem Grußwort betonte: „Die Zusammenarbeit der Hechinger Polizei mit den Kommunen ist vorbildlich.“ Er hoffe, dass das in Zukunft so bleibe.

„Besonderer Karriereweg“

Nach sechs Wochen wieder gekündigt – nur um wiederzukommen

Da ist sich Udo Vogel, Präsident des Polizeipräsidiums Reutlingen, welchem das Hechinger Revier untergliedert ist sicher. Der Truchtelfinger Renner hätte nämlich einen besonderen Karriereweg bei der Polizei genommen. Eine Anekdote: „Für die Ausbildung zum Polizeianwärter 1995 hat Marco Renner nach sechs Wochen die Kündigung eingereicht – nur um sich für den Wechsel in den gehobenen Polizeidienst zu bewerben“, verdeutlichte Vogel den Ehrgeiz Renners.

Nach dem Studium folgten Aufgaben unter anderem im Großstadtrevier in Reutlingen sowie Führungsarbeit in Rottenburg. „Dass ich einmal Revierleiter werde, das habe ich mir nach dem Studium nur erträumt“, zeigt sich Renner sichtlich stolz ob seines neues Postens. Er wolle nun schnell seine neue Mannschaft kennenlernen und die Arbeit Schulers fortsetzen.

Rückblick auf 41 Jahre

Dieser wusste am Mittwochnachmittag noch nicht so ganz, was er vom nun beginnenden Ruhestand halten soll. „Ich habe mich jetzt 41 Jahre auf diesen Moment vorbereiten können, weiß aber trotzdem nicht so recht, was ich sagen soll.“ Der scheidende Leiter des Hechinger Polizeireviers erinnerte sich im Rückblick an eine Ausbildung im militärischen Stil in Biberach mit einprägsamen Ereignissen. Beispielsweise als zwei Kleinflugzeuge kollidierten und er mit dabei war, als die Polizei die Unfallstelle abgesichert hat.

Seit 2020 in Hechingen

Der gebürtige Junginger war nach der Ausbildung unter anderem in Neuenbürg im „badischen Ausland“ – wie es Vogel bezeichnete – im Einsatz. Über das Studium ging es dann bereits in den 1990er-Jahren nach Hechingen als Dienstgruppenleiter, ehe er 2003 stellvertretender Leiter des Reviers in Balingen wurde. „Eine harte Zeit“, wie Schuler angesichts des teilweise mangelnden Vertrauens betonte. Umso mehr habe er sich im Oktober 2020 auf die Rückkehr nach Hechingen gefreut. „Es war wie ein Nach-Hause-Kommen“, sagte Schuler gerührt und zeigte sich bei seinen Dankesworten auch tief bewegt.

Kritik an Gesellschaft, Politik und Medien

Trotz allem Lob nutzte Schuler die Gelegenheit, um Kritik zu üben – an der Gesellschaft, der Politik und den Medien im Umgang mit der Polizei. „Die Politik mischt sich immer mehr in unsere Arbeit ein. Diese Entwicklung gefällt mir überhaupt nicht“, macht Schuler seinen Standpunkt deutlich. Dazu seien mündige Bürger, die auch mal kontroverse Meinungen äußern – er selbst sei stets einer gewesen – nicht mehr gewünscht. „Die Polizei wird oft in eine extremistische Ecke gedrängt. Konservativ gibt es quasi nicht mehr.“ Und auch bei Einsätzen mit Todesfolge werde immer sofort die Polizei verdächtigt.

Feierliche, musikalische Unterhaltung

Der feierlichen Stimmung in Jungingen sollte dies aber nur kurzzeitig Abbruch tun. Spätestens als der eigens für Schuler komponierte „Gerhard-Schuler-Marsch“ von Patrick Egge aus einer Musikbox erklang. Und auch für seinen Nachfolger Marco Renner gab es einen musikalischen Leckerbissen. Sein Sohn Max spielte am Klavier. Beim anschließenden Stehempfang mit rund 80 Gästen knüpfte Renner dann die ersten Kontakt und lebte seinen angekündigten „Teamgeist“ gleich aus. So wie ihn auch Michael Rilling vom örtlichen Personalrat beschrieb: „Du hast immer ein offenes Ohr und bist ein Teamplayer.“